Stadt verweist auf Landesvorgaben

Diskussion um barrierefreie Bushaltestellen

Verengte Fahrbahn, keine Buchten: Die neuen barrierefreien Haltestellen empfinden einige als störend.
+
Verengte Fahrbahn, keine Buchten: Die neuen barrierefreien Haltestellen empfinden einige als störend.

Seit Anfang des Jahres werden die Bushaltestellen entlang der Landstraße 3001, die in Dietzenbach vom Ortsteingang in Steinberg bis zum Waldschwimmbad reicht, barrierefrei gestaltet. Doch deren Umsetzung wirft bei einigen Bürgerinnen und Bürgern Fragen auf. Denn nun würde der Verkehr auf der Straße, der sowieso schon durch viele Ampeln behindert werde, zusätzlich verlangsamt, so der Vorwurf. Die Befürchtung: Autofahren ist bald eine reine Nerventortur. Die Stadt verweist auf Vorgaben durch das Land Hessen.

Dietzenbach – „Auf der Hauptstraße in Steinberg gab es bisher zwei Bushaltestellen mit Haltebuchten“, sagt Leser Lutz Unkrig, „jetzt wurden dort drei neue barrierefreie Haltestellen so angelegt, dass jeder Halt eines Busses den fließenden Verkehr dreimal zusätzlich stauen wird.“ Natürlich wolle Unkrig, dass Rollstuhlfahrer leicht in die öffentlichen Verkehrsmittel gelangen können, allerdings sollte eine Lösung gesucht werden, die nicht zum Problem für den restlichen Verkehr werde. Damit einhergehen würde auch eine zusätzliche Behinderung für die Radfahrer durch die Baustellen, die, so Unkrig, teilweise unnötig abgesperrt würden.

Dietzenbach: Diskussion in Facebook-Gruppe wegen Bushaltestellen

Auch in einer Dietzenbacher Facebook-Gruppe ist eine Diskussion um die Baustellen entbrannt. Eine Nutzerin schreibt dort in einem Post: „Ja, die neuen Haltestellen sind höher und es ist rollstuhlgerecht, aber das hätte man auch sicher bei den alten nachrüsten können.“ Sie befürchte große Behinderungen des Verkehrsflusses: „Zumal ich schon mehrfach beobachtet habe, dass die Busfahrer ein kleines Päuschen einlegen müssen, wenn sie zu schnell durchgekommen sind und den Fahrplan nicht korrekt anfahren können.“ Viele weitere Nutzer stimmen der Verfasserin zu und sehen in den neuen Bushaltestellen beispielsweise „Steuergeldverschwendung“ und ein „Werk von Fachidioten“. In der Kommentarspalte bemühen sich allerdings auch viele Nutzerinnen und Nutzer um Erklärungsversuche und verweisen auf Vorschriften des Landes Hessen.

Auch die Stadt Dietzenbach weist auf Anfrage unserer Redaktion darauf hin: „Die Ausformung und Positionierung von Bushaltestellen legt das Personenbeförderungsgesetz und die Rast 06, die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen, fest. Es handelt sich hierbei also nicht um Ideen der Stadtverwaltung, sondern es wird geltendes Recht umgesetzt.“

Dietzenbach: Land Hessen gibt genaue Anforderungen für Bushaltestellen

In der Leitbroschüre für Förderung von barrierefreien Bushaltestellen, wird explizit dieser Baustil für jene Art der Haltestellen empfohlen. Dort heißt es: „Konvexe und konkave (also gerundete Haltestellen mit Buchten, Anm. d. Red.) Haltestellen sind zu vermeiden, da der Spalt zwischen Wartebereich und Bus zu groß wird. Zudem kann es bei konvexen Formen im Bordbereich schon bei einer Höhe von 18 Zentimeter zu Schäden am Fahrzeug kommen.“ Heißt: Die Bushaltestellen müssen so gebaut werden, damit der Bus parallel zur Haltestelle einfahren kann. Denn eine wichtige Voraussetzung für eine Barrierefreiheit ist, dass der Spalt zwischen Bus und erhöhtem Bordstein maximal fünf Zentimeter betragen darf. Auch der Höhenunterschied darf nicht höher ausfallen, da sonst Rollstuhlfahrer diese Hürde nicht überwinden können.

Zunächst sollen 14 Haltestellen (Steinbergkreisel, Am Steinberg, Gartenstraße, Idsteiner Straße, Ernst-Reuter Schule, Brunnenstraße und Friedhof) im Stadtgebiet bis zum Jahr 2022 umgebaut und barrierefrei gemacht werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf über 1,5 Millionen Euro. 2023 sollen dann noch vier weitere Haltstellen (Forstweg und Waldschwimmbad und eventuell noch weitere) hinzukommen. Dietzenbach kann mit einer Förderung von bis zu 80 Prozent der Baukosten durch das Land Hessen rechnen. Darin enthalten sind auch der barrierefreie Ausbau der gesicherten Übergänge wie Lichtsignalanlage oder Kreisverkehr.(Von Lukas Reus)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare