Ambulanz im Elendsviertel

Dietzenbacher Ärztin hilft Bedürftigen in den Slums von Kenia

Junge Mütter bekommen von Margaret Bautz (rechts) Hilfestellung für die Ernährung ihrer Kinder.
+
Junge Mütter bekommen von Margaret Bautz (rechts) Hilfestellung für die Ernährung ihrer Kinder.

In dem Viertel Marthare Valley in Kenias Hauptstadt Nairobi leben schätzungsweise eine halbe Million Menschen unter widrigsten Bedingungen. Strom, fließendes Wasser und eine eigene Toilette – für uns selbstverständlich, für die meisten Menschen dort der reine Luxus. Eng an eng reihen sich die Wellblechhütten, die meistens nur einige Quadratmeter groß sind, und dennoch beherbergen sie ganze Familien.

Dietzenbach – Mit diesen Lebensumständen kommen auch viele Krankheiten. Um diesen Menschen zu helfen, ist die Dietzenbacherin Dr. Margaret Bautz mit dem Hilfsverein German Doctors (Deutsche Ärzte) für sechs Wochen in die Millionenmetropole im Osten Afrikas geflogen. Eine Reise mit intensiven Erfahrungen, die die Dietzenbacherin geprägt haben.

Ihr Einsatz in Kenia war für Bautz schon ihre zweite Hilfsaktion mit German Doctors. Ende der 80er Jahre war sie auf den Philippinen. „Das war so ein positives Erlebnis, deshalb wollte ich das unbedingt wiederholen, wenn ich in den Ruhestand gehe“, sagt die Mitsechzigerin Bautz.

Die Arbeit in ihrer Praxis in Frankfurt hat die Internistin und Pneumologin eingestellt und sich dann wieder bei der Hilfsorganisation beworben. Afrika ist der Dietzenbacherin bereits bekannt gewesen, da sie gerne privat dorthin reist.

Menschen in Kenia fehlt oft Geld für den Arzt

Doch der Alltag in den Elendsvierteln Nairobis hat Dr. Margaret Bautz dann die eher unschöne Seite des Kontinents gezeigt. „Es war ganz anders als auf den Phillipinen, weil die Menschen dort noch immer fröhlich trotz des Elends sind, in Nairobi ist das anders“, sagt Bautz. Versteinerte Mienen spiegeln die Lebensrealität der Menschen wider.

Anfang Juni geht der Flug für die Lungenärztin in die Hauptstadt Kenias. Mit anderen Ärzten der Organisation soll sie die lokalen Fachkräfte im „Baraka Health Centre“ unterstützen. Für wenig Geld können dort die Einheimischen medizinische Behandlungen bekommen, die sie sich sonst nicht leisten können. Eine gesetzliche Krankenversicherung gibt es in dem Staat nämlich nicht.

Bereits an Tag eins der erste Schreck für Bautz: Dutzende Menschen warten bereits um 8 Uhr morgens auf ihre Behandlung vor dem Gesundheitszentrum, alle sitzen sie nebeneinander auf der Bank. Die Kinder schreien, auf der Straße vor ihnen Autoverkehr. Einige harrten dort schon seit den frühen Morgenstunden, schildert Bautz.

Armut führt zu vielen Krankheiten in den Elendsvierteln Nairobis

Bei den Sprechstunden und Untersuchungen ist immer ein Dolmetscher dabei, da viele der Menschen kein Englisch sprechen, sondern die in Ostafrika weit verbreitete Sprache Swahili. „Das war nicht immer ganz einfach, gerade mit den Masken“, so Bautz, „die Menschen haben sich zudem immer stark an den Dolmetscher gewandt, weil ich als Europäerin nicht so vertraut bin“. Die Krankheiten, die sie behandelt, sind zwar grundsätzlich ähnlich wie in Deutschland, allerdings sei durch die Lebensumstände die Quantität eine andere Dimension. HIV und Tuberkulose – hierzulande eine Ausnahme und eher nur eine gefühlte Gefahr – sind in dem Slum Marthare Valley Alltag. Wie in der westlichen Welt sind auch in Kenia Rückenschmerzen weit verbreitet. Allerdings nicht wegen falsch eingestellten Bürostühlen, sondern wegen der schweren körperlichen Arbeit, der die meisten Menschen nachgehen müssen, um irgendwie Essen bezahlen zu können.

Große Geduld gefragt: Einige der Patienten campieren bereits seit 6 Uhr morgens für eine Behandlung.

„Grundsätzlich ist die Behandlung von ähnlicher Qualität wie in Deutschland“, sagt die Internistin Bautz, „allerdings gehen viele Menschen viel zu spät zu Ärzten, weil sie Angst vor hohen Kosten haben“. Eine Frau beispielsweise sei mit einem handgroßen Krebsgeschwür an der Brust zu ihr gekommen. „Sowas wächst ja nicht über Nacht.“

Mit den Sozialarbeitern der Organisation ist Bautz auch zu den Menschen in die Slums gegangen, um jenen zu helfen, die nicht zum Gesundheitszentrum gehen wollen oder können. „Sie müssen sich das so vorstellen: Die Menschen wohnen in einer Wellblechhütte, oft nur ein einzelner Raum, es gibt kein Strom, keine Toilette oder fließendes Wasser, es ist ein dunkles Loch; an einer Wand steht eine Couch, davor ein Tischchen und auch das Bett, die meisten haben nur einen kleinen Kocher zum Zubereiten von Essen.“

Dietzenbacher Ärztin will wieder Ärmeren Menschen helfen

Bei den Besuchen hat die Dietzenbacherin auch viele persönliche Schicksale miterlebt. So von einer jungen Frau, Anfang 20, die vom Land kommt und in die Stadt wollte. Weil sie kein Geld hat, fährt sie per Anhalter. Auf ihrem Weg nach Nairobi wird die 20-Jährige zweimal vergewaltigt. Durch die Vergewaltigung ist sie auch noch schwanger und mit HIV infiziert. Nachdem Bautz der jungen Frau Medikamente gegeben hat, drückt die 20-Jährige ganz fest Bautz Hand und will ihr einen Fisch vom Markt schenken – das Einzige, was die junge Frau besitzt außer der Kleidung am Leib. „Was für eine Perspektive hat diese Frau? Das treibt einem die Tränen in die Augen“, sagt Bautz. Sie lehnt den Fisch natürlich ab.

Trotz des Erlebten will die Dietzenbacherin bald wieder für German Doctors in den Einsatz ziehen und den ärmsten Menschen der Welt helfen. Denn der Aufenthalt in Kenia hat sie nachhaltig geprägt: „Da erscheinen unsere vermeintlichen Probleme im Alltag doch weniger dramatisch.“ (Von Lukas Reus)

Wer die Organisation German Doctors finanziell unterstützen möchte, kann unter dem Stichwort „Gesundheit schenken“ auf das Spendenkonto, IBAN DE26 5502 0500 4000 8000 20, Geld überweisen.

Infos:

german-doctors.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare