Dietzenbach

Ärger und Klärungsbedarf: Politik will Bürger bei Baugebiet mit einbeziehen

Noch herrscht freie Sicht an den Hainäckern. Bald sollen hier jedoch bis zu 9,50 Meter hohe Häuser stehen.
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Noch herrscht freie Sicht an den Hainäckern. Bald sollen hier jedoch bis zu 9,50 Meter hohe Häuser stehen.

Aus grüner Wiese wird ein Wohngebiet. Bis es mit dem Bau des Wohngebietes „Die Hainäcker“ in Dietzenbach bei Offenbach losgehen kann, gibt es jedoch einiges zu klären.

Dietzenbach – So beschaulich der Name klingt, so sehr mischt das geplante Baugebiet „Die Hainäcker“ derzeit Politik und Bürgerschaft auf. Die Diskussion um die Häuser und Wohnungen, die südlich der Grenzstraße entstehen sollen, stand auch im Mittelpunkt des Bauausschusses, wenn auch ohne Abstimmungsempfehlung. Etwa 20 Anwohner waren gekommen, um ihre Bedenken zu schildern.

Unter zum Teil abenteuerlichen Zuständen. Aufgrund der Corona-Maßnahmen waren die Räumlichkeiten im Rathaus nicht komplett zu nutzen, sodass die Betroffenen auf den Flur verbannt wurden. „Das nächste Mal sollten wir das Capitol für die Ausschusssitzungen nutzen“, sagte Stadtverordnetenvorsteherin Andrea Wacker-Hempel.

Dietzenbach bei Offenbach: 9000 Quadratmeter Baugebiet für neue Wohnungen

Zwischen Grenzstraße und Kreisquerverbindung soll eine Fläche von rund 9000 Quadratmetern mit Mehrfamilienhäusern, Reihen- und Atriumhäusern bebaut werden. Bauträger ist die MB-Massiv-Bau GmbH der Werkmann-Gruppe. Die Grundlage für den Bebauungsplan schafften die Stadtverordneten 2019. Seitdem versuchen sich die Anlieger Gehör zu verschaffen. Nicht, um die komplette Bebauung zu verhindern. Eher, um im Sinne einer „maß- und sinnvollen“ Bauweise über Themen wie Verkehrsbelastung, Bauhöhe, Zisternen und Abwasserentsorgung zu sprechen. Auf die gegenüber der Stadtverwaltung geäußerten schriftlichen Einwände hin heißt es allerdings zumeist: „Nach Erörterung zurückgewiesen“.

Es ist ein grundlegender Fehler, die Anwohner nicht mitzunehmen“, sagt Jens Hinrichsen, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Zumal die Betroffenen in der beschlussfassenden Sitzung kein Rederecht erhalten hätten. „Wir hätten vielleicht manches anders machen können“, folgert er nun. Dass sei jetzt viel schwieriger, da der Investor Schaden nehmen könne. Grundsätzlich moniert Hinrichsen einen fehlenden „übergeordneten städtebaulichen Blick“. In dem Quartier gebe es einen Zusammenhang zwischen der geplanten Bebauung an der Eisenbahnstraße, wo weitere acht neue Häuser Platz finden sollen, und den „Hainäckern“.

So sei das gesamte Verkehrssystem ein Problem. „Wir müssen auch an die stark frequentierten Geschäfte dort denken sowie an den Bauhof und den zukünftigen Grünabfallsammelplatz“, mahnt Hinrichsen. Zu erwarten seien zudem Zusatzinvestitionen in das Abwassersystem. Angesichts der vielen offenen Fragen sei es möglicherweise sinnvoller, die für die Stadtverordnetenversammlung am Freitag, 28. Mai geplante Abstimmung zur Offenlage zu verschieben.

Dietzenbach: Ausführungen der Anwohner seien ernst zu nehmen

„Wir brauchen ausführlichere Informationen von Verwaltung und Bauträger“, betont ebenso SPD-Chef Ahmed Idrees. Die Ausführungen der Anwohner seien ernst zu nehmen. In den Blick nehmen müsse man neben dem Verkehr den Grünflächenanteil und die Höhe der Bebauung. Fraglich sei, was hinsichtlich der nicht eingeplanten Zisternen geschehe. „Das Regierungspräsidium hat das vorerst bis zum Jahr 2036 genehmigt, aber wer ist dann verantwortlich und übernimmt eventuelle Kosten?“

Das Gebiet auf jeden Fall städtebaulich weiterentwickeln, möchte die CDU. „Aber es müssen wahrscheinlich Kompromisse gefunden werden“, sagt Stadtverbandsvorsitzender Christoph Mikuschek. Der Christdemokrat empfiehlt, Bauträger, Anwohner und Vertreter der Stadtverwaltung an einen Tisch zu holen, um die Fragen zu beantworten. Auch Edeltraud Chawla (Grüne) plädiert für Besonnenheit. „Es ist das letzte große Baugebiet, das wir aktuell entwickeln können, da sollten wir alle Beteiligten zu Wort kommen lassen.“ (Von Barbara Scholze)

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