DIETZENBACH

Gewalt gegen Einsatzkräfte in Dietzenbach: Ermittler arbeiten unter Hochdruck

Rettungskräfte stehen vor einem Feuerwehrwagen
+
Aufruf zu Solidarität und gegen Gewalt gegen Einsatzkräfte: Ralf Ackermann, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen, (vordere Reihe von links), Innenminister Peter Beuth, Bürgermeister Jürgen Rogg, Landespolizeipräsident Roland Ullmann und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger zusammen mit Einsatzkräften an der Feuerwache an der Rodgaustraße.

Die Angriffe auf Polizei und Feuerwehr am 29. Mai im Spessartviertel in Dietzenbach reihen sich in Vorfälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte in Deutschland ein. Die Ermittler arbeiten unter Hochdruck.

Dietzenbach – Die Angriffe auf Polizei und Feuerwehr am 29. Mai im Spessartviertel reihen sich in Vorfälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte in Deutschland ein (wir berichteten). Ein Thema, das bei einem gemeinsamen Besuch des Hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) mit Landespolizeipräsident Roland Ullmann und dem Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes, Ralf Ackermann, in der Kreisstadt im Mittelpunkt stand. Das Trio besuchte die „zentralen Stützen des Gemeinwesens“ in Dietzenbach, sowohl die Polizeistation an der Darmstädter Straße als auch das Feuerwehrhaus an der Rodgaustraße und warb für mehr Solidarität mit den Einsatzkräften.

„Es war mir ein wichtiges Anliegen, meinen Dank für diesen gefährlichen Einsatz zum Ausdruck zu bringen“, sagte Innenminister Beuth und erinnerte an den Hinterhalt, in den die Einsatzkräfte in jener Nacht gelockt und mit Steinen beworfen worden sind. Beuth mutmaßte, Teile der Gesellschaft scheinen Polizisten zu verachten. Dies sei alarmierend und stehe exemplarisch für eine Verrohung der Umgangsformen gegenüber Einsatzkräften des Landes. Vielmehr verdienten Einsatzkräfte „Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit sowie das Vertrauen der gesamten Gesellschaft“. Wer gegenüber Einsatzkräften gewalttätig werde, müsse „klare Konsequenzen spüren und hart bestraft werden“.

Der Minister versprach zudem, dass in persönliche Schutzausrüstung der Polizisten investiert und für Solidarität mit ihnen geworben werde. Landespolizeichef Ullmann, der zum Zeitpunkt der Ausschreitungen noch an der Spitze des Polizeipräsidiums Südosthessen stand, sagte, der Gewaltexzess und der offene Hass jener Nacht habe ihn persönlich sehr betroffen gemacht. Er versicherte aber, um die Aufklärung der Ereignisse kümmerten sich „erfahrene Ermittler“. Diese arbeiteten unter Hochdruck, „damit die Täter den Rechtsstaat zu spüren bekommen“. Nach der Nacht gab es zunächst eine Festnahme und zwei mutmaßliche Täter wurden in Gewahrsam genommen. Alle drei wurden aber wieder freigelassen.

Ullmann kündigte an, man werde für die hessische Polizei „400 weitere Body-Cams neuester Generation beschaffen, die potenzielle Aggressoren abschrecken und etwaige Straftaten gerichtsfest aufzeichnen können“. Perspektivisch sollen der hessischen Polizei 700 Body-Cams zur Verfügung stehen, sodass künftig jede Streife über eine solche Körperkamera verfügt, die je nach Einsatzlage genutzt werden kann. Jahrelang gemachte Erfahrungen hätten gezeigt, so der Innenminister, dass die Body-Cam zu einer Deeskalation von Kontrollmaßnahmen beitrage und potenzielle Straftäter abschrecke. Diese sollen künftig in Brennpunktbereichen und im täglichen Streifendienst noch stärker eingesetzt werden.

Die angesprochenen Maßnahmen und Ideen zum Schutz „waren gut zu hören“, sagt Oliver Schuster, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr in der Kreisstadt. Der Innenminister habe sich viel Zeit genommen, auch die ehrenamtlichen Brandschützer zu Wort kommen lassen und deren Fragen beantwortet. Für ihn sei einmal mehr deutlich geworden, sagt Schuster, „die Politik steht hinter den Einsatzkräften“.

Andreas Bamberg, Dienststellenleiter der Dietzenbacher Polizeiwache, spricht von einem „anregenden Gedankenaustausch“ zwischen Wach- und Streifendienst sowie Innenminister und Landespolizeichef. Der Besuch des Innenministers habe ihn und seine Kollegen gefreut, sagt Bamberg, der im Hinblick auf die Situation im Spessartviertel berichtet, dass es dort in den vergangenen Wochen keine Auffälligkeiten gegeben habe.

Die überwiegend ehrenamtliche, 24 Stunden an sieben Tagen der Woche geleistete Hilfe in jeder Notlage von rund 71 000 Einsatzkräften in Hessen hob Landesfeuerwehrchef Ackermann hervor, der im Bezug zu den Ausschreitungen in Dietzenbach von einem Ausmaß in „neuer Dimension“ sprach. Diese Gewaltbereitschaft verurteile er auf das Schärfste. Er forderte: „Keine Gewalt gegen Einsatzkräfte!“

Für Bürgermeister Jürgen Rogg, der sich als zuständiger Dezernent für die Feuerwehr über Beuths Besuch gefreut hat, sei zudem dieser Respekt und die Anerkennung für die ehrenamtlichen Brandschützer wichtig. Wichtig sei auch die Information, „dass die Ermittlung der Täter nach wie vor durch Sonderkräfte der Polizei vorangetrieben wird“. Da es sich um laufende Ermittlungen handele, werde darüber wenig berichtet, sagt der Rathauschef auf Anfrage. Er habe zudem bei dem Treffen den Vorschlag gemacht, das Thema „Haus des Jugendrechts“ für den Kreis Offenbach mit allen Beteiligten auf die Agenda zu setzen und Möglichkeiten der Umsetzung zu besprechen. (Von Ronny Paul)

Nach dem Angriff auf Einsatzkräfte in Dietzenbach sucht die Polizei weiter nach Tätern – und bittet deshalb erneut die Bevölkerung um Mithilfe.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare