Auszeit in der Wildnis

Anwohner klagen seit Jahren über den Zustand der Parkanlage Taunusplatz

Defekte Bänke, verwilderte Grünflächen: Der Zustand der Parkanlage ist den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Aktuell sprieße alles und man könne im Stadtgebiet nur nach und nach mähen, sagt Thomas Vollmuth von den Städtischen Betrieben, außerdem wolle man Insekten nicht die Nahrungsquellen nehmen.
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Defekte Bänke, verwilderte Grünflächen: Der Zustand der Parkanlage ist den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Aktuell sprieße alles und man könne im Stadtgebiet nur nach und nach mähen, sagt Thomas Vollmuth von den Städtischen Betrieben, außerdem wolle man Insekten nicht die Nahrungsquellen nehmen.

Die Parkanlage Taunusplatz in Dietzenbach ist schon lange ein Ärgernis. Anwohner warten auf eine Reaktion der Verantwortlichen.

  • Der Taunusplatz in Dietzenbach ist ein Ärgernis
  • Müll und Verwilderung bestimmen den Platz
  • Eine Veränderung ist nicht in Sicht

Dietzenbach – Brennnesseln, die beinahe zu Büschen herangewachsen sind, säumen den Weg. Dieser wiederum ist von Kippenstummeln übersät. Am anderen Ende der Parkanlage zwischen Pestalozzistraße und Taunusstraße wächst wildes Getreide. Daneben steht seit Monaten ein abgemeldetes Auto als ungebetener Dauerparker. Die Parkanlage Taunusplatz hat mit der namensgebenden grünen Idylle wenig gemein. Lediglich das Vorkommen von Bergen teilen sie sich – diese bestehen allerdings zum Ärger der Anwohner vorwiegend aus unsachgemäß entsorgtem Sperrmüll und anderem Unrat.

Anwohner sehen zwei Probleme beim Taunusplatz in Dietzenbach

Die Anwohner sehen dabei zwei Probleme, die sich gegenseitig befruchten: Zum einen werde die Grünanlage „seit Jahren vernachlässigt“. Der Weg wird immer schmaler, weil er überwuchert wird. Die Rückenlehne einer Sitzbank hat sich gelöst, der Müll liegt überall, nur nicht im dafür vorgesehenen Behältnis. Zum anderen werden die angrenzenden Glascontainer als Rest-, Plastik- und Biomülldeponie missbraucht. „Und ständig steht hier Sperrmüll“, berichtet ein Anwohner aus der Taunusstraße. Eine Anwohnerin aus der Pestalozzistraße ergänzt: „Aus alten Brettern und Matratzen bauen sich Kinder teilweise Hütten zum Spielen – das ist alles andere als schön.“

Auf Anfrage unserer Zeitung bei Stadtverwaltung und Städtischen Betrieben, teilt Thomas Vollmuth, Betriebsleiter der Städtischen Betriebe, mit:  Die Stadtwerke Entsorgungs-Service fahren den Standort regelmäßig an, um die illegalen Abfälle einzusammeln.“ Da die Taunusanlage allerdings den ganzen Tag über sowie auch spät abends genutzt werde, wirke die Reinigung nur temporär.

Neugestaltung des Taunusplatz in Dietzenbach „nicht möglich“

Die 28-jährige Anwohnerin findet, dass der verwilderte Park geradezu dazu einlädt, den Müll bei den Containern abzuladen. „Wäre die Fläche gepflegt, würde das ganze Stück einen ganz anderen Eindruck machen“, meint sie. Mit diesem Anliegen habe sie sich schon mehrfach an die Stadt gewandt. Sie beobachtet den Taunusplatz schon seit einigen Jahren. „Langsam macht es den Eindruck, als vergesse man das Grünstück mit Absicht“, sagt sie.

Illegale Müllablagerungen neben den Containern vervollständigen das chaotische Bild.

Auf ein Schreiben vom vergangenen Sommer habe die Stadt zwar reagiert, doch mit ernüchterndem Ergebnis: Eine Neugestaltung sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Bei der Familie aus der Pestalozzistraße trifft das auf Unverständnis. „Wir erwarten ja keinen Golfrasen.“ Auch der 65-jährige Anwohner aus der Taunusstraße schüttelt den Kopf: „Regelmäßig mähen und vielleicht eine Blühfläche für Insekten daraus machen – so schwer ist das doch nicht.“

Stadt Dietzenbach erklärt den Zustand des Taunusplatz

Thomas Vollmuth von den Städtischen Betrieben nennt als Grund für zugewucherten Grünflächen das warme und sonnige Wetter, bei dem Pflanzen und Gräser im gesamten Stadtgebiet gleichzeitig wachsen und sprießen. Die Mäh- und Pflegekolonnen seien aber dabei alle Flächen nacheinander abzuarbeiten. Er bittet um Verständnis dafür, dass nicht alles gleichzeitig passieren könne. 

„Darüber hinaus muss allerdings auch beachtet werden, dass es an bestimmten Stellen im Stadtgebiet vorgesehen ist, bestimmte Büsche, Gräser und andere Pflanzen im Rahmen einer naturnahen Pflege wachsen und sich entwickeln zu lassen“, ergänzt Vollmuth. Ein zu früher und kurzer Rückschnitt mache diese Entwicklung nicht möglich und nehme Insekten die Nahrungsquelle. Also alles so gewollt, wie es ist?

Anregungen von Anwohnern des Taunusplatz in Dietzenbach scheinen zu verpuffen

Parkanlage oder Wildnis? Bereits mehrfach haben sich die Anwohner bei der Stadt beschwert.

Verständnis für den Zustand des Taunusplatzes haben die Anwohner jedenfalls längst nicht mehr. Ein Höhepunkt der Toleranz wurde mit einem Motorblock erreicht, der ein halbes Jahr am Park gestanden haben soll. „Der ist zwar weg, aber dafür steht da jetzt ein Auto ohne Nummernschilder“, sagt die 28-jährige Dietzenbacherin. In letzter Zeit werde wenigstens vermehrt der Müll abtransportiert, berichtet der 65-jährige Anwohner der Taunusstraße. „Das ist schön, ich habe es nämlich oft selbst gemacht und langsam keine Lust mehr.“ Das sei allerdings lediglich die Bekämpfung des Symptoms, nicht aber die der Ursache.

Bienenwiesen pflanzen, dem Nabu überlassen, die Sitzbänke entfernen, um die Klientel fernzuhalten. Vorschläge, die in den Augen der Steinberger kostengünstig wären, haben sie bei den Verantwortlichen vorgebracht. Eine Reaktion darauf gab es bislang nicht.

VON LISA SCHMEDEMANN UND LENA JOCHUM

Ein unschönes Problem hat sich in Corona-Zeiten noch verstärkt: Wilder Müll. Es werde immer schlimmer, sagen Beobachter.

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