Lokalpolitik

„Auch eine Erleichterung“: Landtagsabgeordnete Ulrike Alex blickt auf 27 Jahre als Stadtverordnete zurück

Landtag im Fokus: Die ehemalige Stadtverordnete Ulrike Alex möchte sich in Zukunft voll auf ihre Arbeit in Wiesbaden und im Wahlkreis konzentrieren.
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Landtag im Fokus: Die ehemalige Stadtverordnete Ulrike Alex möchte sich in Zukunft voll auf ihre Arbeit in Wiesbaden und im Wahlkreis konzentrieren.

Mehr als 27 Jahre war Ulrike Alex Stadtverordnete. Bei der vergangenen Kommunalwahl ist die 64-jährige Dietzenbacherin nicht mehr angetreten. Sie will sich nun vollkommen auf ihre Arbeit als Landtagsabgeordnete der SPD für den Kreis Offenbach konzentrieren. In der Rückschau erinnert sie sich an eine aufregende Zeit.

Dietzenbach – Geboren 1956 in Bremen und aufgewachsen in der Nähe der Hansestadt in Niedersachsen deutet noch nicht viel darauf hin, dass die junge Ulrike Alex mal in die Politik geht: „Ich hab’ mich zwar schon immer für Politik interessiert, aber damals war das noch kein Thema für mich“, erinnert sich die Landtagsabgeordnete. „In unserer Familie wurde allerdings ausschließlich SPD gewählt, und als ich erwachsen genug war, um mir selbst eine politische Meinung zu bilden, hab’ ich mich auch für die Partei entschieden.“ Es vergeht aber noch einige Zeit, bis sie selbst der SPD beitritt.

Zunächst studiert sie Lehramt für Gymnasien mit den Fächern Deutsch und Geschichte in Braunschweig. Nach dem Examen und einem Umzug nach Nordhessen folgt bald darauf der Umzug nach Dietzenbach, da ihr damaliger Mann einen Job in Frankfurt annimmt. Sie tritt 1989 der Partei bei und meldet sich als Schriftführerin: „Das war etwas, das einfach niemand machen wollte, also hab’ ich das gemacht.“ Trotz der Geburt ihres zweiten Sohnes habe sie zu dieser Zeit kein Protokoll verpasst. 1993 folgt dann die erste Kandidatur und Wahl zur Stadtverordneten: „Das war damals alles ziemlich aufregend für mich“, sagt Ulrike Alex.

Turbulente Zeiten als Stadtverordnete

„Bei meiner ersten Rede fing ich an mit ,können Sie mich alle hören und können Sie mich alle sehen?’; das sorgte für einige Lacher.“ Immer wieder habe ihre Körpergröße von 1,52 Meter für Gesprächsstoff gesorgt. Bei Reden sei das mittlerweile zu einer Art Markenzeichen von ihr geworden: „Immer wenn ich an das Rednerpult trete, muss ich erst mal mit der Hand das Mikrofon runterziehen, einer meiner Söhne hat schon zum Spaß aus dieser Handbewegung eine Video-Collage gebastelt“, erzählt die ehemalige Stadtverordnete.

Auch einige turbulente Ereignisse seien als Stadtverordnete dabei gewesen, blickt sie zurück: „Bei der Wahl zum Ersten Stadtrat im Jahr 2001 zum Beispiel.“ Damals tritt der CDU-Kandidat Patrick Pötzsch gegen den Sozialdemokraten Werner Hoch an – und plötzlich kommt Raimund Wolf als zusätzlicher Kandidat der Freien Wähler für den hauptamtlichen Posten dazu. In der Abstimmung bekommt der CDU-Mann Pötzsch dann null Stimmen, der parteilose Bewerber dagegen erhält alle Stimmen von CDU und FWG. Alex: „Alle wunderten sich erst, warum die CDU und die FWG sich nicht auf einen Kandidaten einigten, um die Chancen zu erhöhen, allerdings hatten sie vermutlich gehofft, dass jemand aus unserer Koalition umfällt. Plötzsch war nur ein Scheinkandidat.“ Letztlich vereinigt Hoch 24 der 45 Stimmen auf sich und wird erster Stadtrat.

Zeit als kostbares Gut

Zu jener Zeit arbeitet Alex auch als Förderschullehrerin an der Helen-Keller-Schule (HKS), nachdem sie zuvor befristet an der Aue-Schule angestellt war. An der HKS begleitet sie eine Klasse von der Einschulung bis zum Abschluss.

2008 folgt dann der erste Versuch als Landtagskandidatin bei der SPD. Erst im Jahr 2013 ist sie dann erfolgreich und zieht in den Hessischen Landtag ein. Alex bleibt Stadtverordnete und ist zu dieser Zeit auch Vorsitzende der SPD-Stadtverordnetenfraktion und Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, außerdem auch Mitglied in vielen gemeinnützigen Organisationen wie der Arbeiterwohlfahrt. Bei der Awo Kreis Offenbach ist sie ebenfalls Vorsitzende.

Da wird die Zeit zum kostbaren Gut: „Aktuell durch Corona geht es noch, aber wenn das alles vorbei ist, stehen wieder mehr Termine an und die Menschen in meinem Wahlkreis wollen ja auch noch was von mir“, sagt Alex. „Es ist nicht so, dass ich das nicht mehr schaffen würde, aber das Amt soll jemand übernehmen, der sich voll darauf konzentrieren kann, wir haben ja gute Leute.“ Zwar bedauere sie diesen Schritt, sie blicke aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Entscheidung: „Es ist am Ende auch eine Erleichterung für mich.“ (Von Lukas Reus)

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