Künstler auf Ursachensuche

Wer bei der Ausstellung „ARTig“ abgelehnt wird, bekommt keinen Grund genannt

Dieses Jahr „nur“ privat auf der „ARTig“: Thomas Stich bekam mit seinen Betonkunstwerken eine Absage für die Ausstellung.
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Dieses Jahr „nur“ privat auf der „ARTig“: Thomas Stich bekam mit seinen Betonkunstwerken eine Absage für die Ausstellung.

Wenn die Kunstausstellung „ARTig“ vom 13. bis zum 15. März die Capitol-Türen öffnet, wird wohl auch Thomas Stich dort sein – sich mit anderen Künstlern unterhalten, Exponate begutachten. Nur selbst ausstellen, das wird er nicht.

Dietzenbach – Der gelernte Grafikdesigner, der aus seiner Leidenschaft für Beton schon zahlreiche Skulpturen wie die Blattlaus an der SG-Kreuzung hat wachsen lassen, bekam nämlich eine Absage. Beklagt hätte er sich über den uns von anderer Stelle zugetragenen Umstand eigentlich nicht, war aber auf Nachfrage dennoch für ein Gespräch zu haben.

Er stehe da eigentlich drüber, dass es vorerst bei seinen zwei „ARTig“-Teilnahmen –bei der letzten hat er unter anderem ein Relief mit Dietzenbachs Altstadt ausgestellt – bleiben wird. Ohnehin habe er auch Ausstellungen in anderen Kommunen in Planung. Eines hätte er aber dann doch gerne gehabt, eine Begründung, warum es denn nicht geklappt hat. Er wolle sich auch nicht über die Jury beschweren, schätze es sehr, dass Schulen ebenfalls zur Ausstellerliste gehören. „Ich war dann aber doch erstaunt und habe keine Vorstellung, weshalb es zu der Absage kam.“ Er mache nicht einfach kitschige Engel, sondern arbeite mit Verfremdung, moderner Gestaltung, betont er in seinem Garten, umringt von zahlreichen Skulpturen, die aus vielen verschiedenen Betonarten gefertigt sind, vom Glasfaser- bis hin zum Knetbeton.

Was sich aus Beton alles herstellen lässt, hat längst die Runde gemacht – und Interesse geweckt. Zu seinen Workshops im „BetonCafé“ an der Hochstraße, erzählt Stich, kommen die Menschen etwa auch aus München oder der Schweiz. „Eigentlich ist es doch eine gute Werbung für eine Stadt, wenn man kunstschaffende Ortsansässige hat“, sagt er. Nur seines Namens wegen aber hätte er nicht eingeladen werden wollen, sondern weil das, was er macht, überzeugt. Bewerben will er sich im nächsten Jahr jedenfalls wieder.

Mehr als einmal hat der Heusenstammer Wolfgang Franz schon während der „ARTig“ ausgestellt. Sieben- oder achtmal schätzt er. Zwar ist der Maler stets bei den Ausstellungen des Schlossstädter Künstlervereins, dessen Vorsitzender er seit vielen Jahren ist, präsent. Doch ihm ist es wichtig, seine Werke auch außerhalb Heusenstamms zeigen zu können.

Zur „ARTig“ ist er nun schon zum zweiten Mal nicht angenommen worden. „Erklären kann mir das niemand“, sagt Wolfgang Franz.

Es sei neu, dass eine Jury darüber entscheide, wer seine Bilder dort zeigen darf. Man müsse ein Bild einreichen, dann erhalte man eine Zu- oder Absage. Wer in der Jury sitzt, weiß er allerdings nicht. „Vermutlich Sachverständige“, meint er. Wenn Lokalpatriotismus so aussehe, dann mache er aber ohnehin lieber nicht mit, fügt der Modellbauer hinzu, der schon immer malt, das Fach aber in der früheren DDR aus politischen Gründen nicht studieren durfte.

Freilich könne man eine ganze Menge Gründe aus dem Hut zaubern, warum man sein Bild nun nicht akzeptiert habe. Aber diesen Maßstab könne man ja auf alle eingereichten Werke anlegen. Franz sieht es dennoch ohne Groll, dass er zum zweiten Mal nicht dabei ist. Einerseits gibt es ja die Ausstellungen des Künstlervereins im Heusenstammer Haus der Stadtgeschichte. Und andererseits habe er ein gutes Verhältnis zu Dietzenbacher Künstlern. Diese hatten ihn schon aufgefordert, bei einer Sonderausstellung im Rathaus mitzumachen. Und die Ratsstube im Capitol hat ihn eingeladen, seine Werke im nächsten Jahr dort zu zeigen.

Auf Nachfrage informiert die Stadt, dass die Auswahl der Künstler für die ARTig eine Jury übernimmt, deren Vorsitz eine landesweit bekannte Kuratorin innehat. Namen werden in dem Schreiben nicht genannt. Städtischer Mitarbeiter zu sein jedenfalls, auch solche finden sich auf der Ausstellerliste, habe keine Auswirkung auf den Bewerbungsprozess. Die Kuratorin „kennt die Bewerber nicht persönlich und weiß entsprechend nicht, ob städtische Mitarbeiter darunter sind. Ein Arbeitsverhältnis bei der Stadt spielt überhaupt keine Rolle bei der Platzvergabe“. Voraussetzung für die Auswahl sei, wie im Anmeldeformular beschrieben, mindestens eine Kunstprobe zur Jurysitzung abzugeben. Es habe Bewerber gegeben, die wegen nicht eingereichter Originale abgelehnt wurden. Gründe für Absagen gebe es generell nicht, bei keinem Fest oder Markt. Aufgrund der „Qualität und der langen Tradition“ der Ausstellung gebe es stets mehr Bewerber als Teilnehmer. Auch dazu, dass es seit 2018 eine Standgebühr – Aussteller, die 1995 oder später geboren sind ausgenommen – äußert sich die Stadt. Die Veranstaltung ist defizitär, ohne Standgebühren stehen den Kosten der Veranstaltung keinerlei Einnahmen gegenüber. Als Schutzschirmkommune ist diese Rechnung nicht tragbar. Durch die Standgebühr kann zumindest ein Teil der Kosten gedeckt werden.“

Unverständnis weckt das Absageprozedere indes ebenfalls bei einer teilnehmenden Künstlerin. Auch sie möchte die Jury nicht angreifen, betont Uschi Heusel. „Es geht auch nicht darum, dass man jeden nehmen muss, sondern um eine Art von Menschlichkeit.“ Aktuell gebe man ein Bild ab, das durchaus kaltschnäuzig rüberkomme. Künstler seien eben durchaus gefühlvolle Menschen, fügt sie an.

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