„Haben wir nicht zu verantworten“

AWO-Verantwortliche poltern nach Feldmann-Affäre auf Jubiläumsfeier

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Jubiläumsfeier im Kreishaus: Awo-Vorsitzende Ulrike Alex (am Rednerpult) findet klare Worte. 

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat in Dietzenbach ihren 100. Geburtstag gefeiert. Überschattet wurde das Jubiläum jedoch durch die Affäre rund um Frankfurts OB Peter Feldmann.

Dietzenbach – Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) trägt ein Herz in ihrem Logo. Unzählige ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter setzen sich rund um die Uhr für das Wohl Schwacher und hilfebedürftiger Menschen ein. Den 100. Geburtstag des von Marie Juchacz gegründeten Sozialverbands hat die Awo Offenbach Land nun im Kreishaus gefeiert.

Eigentlich sollte es ein wunderbares Fest werden, doch die Awo-Affäre um Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann hat auch den Kreisverband Offenbach erreicht. 

Dietzenbach: AWO feiert Jubiläum, sieht sich aber mit der Feldmann-Affäre konfrontiert

Bei der Feier im Kreishaus bezog die Awo-Kreis-Vorsitzende Ulrike Alex klar Stellung zur Frankfurter Affäre und stellte sich damit vor die Mitarbeiter ihres Kreisverbandes. „Wir hätten uns gefreut, wenn es ein reines Jubelfest geworden wäre“, sagte Alex bei der Begrüßung der vielen Gäste. „Dass es das nicht geworden ist, haben wir nicht zu verantworten – aber wir müssen feststellen, dass es in anderen Kreisverbänden anders zugeht. Sie sind hier im Landkreis Offenbach und nicht im Landkreis Frankfurt – und auch nicht in Wiesbaden.“ Für ihre klaren Worte erhielt Alex Unterstützung der Gäste, gemessen am lange anhaltenden Applaus.

Auch der Geschäftsführer des Kreisverbandes Dirk Hartmann griff die negative Berichterstattung in den Medien auf. „Die Wellen aus den Nachbarkreisen sind auch bei uns in Offenbach angekommen und die vielen Helfer –wie bei ,Essen auf Rädern" werden mit dieser Situation konfrontiert.“ Die verspätete Stellungnahme von Oberbürgermeister Feldmann habe auch nicht geholfen, die Situation zu verbessern.

Dietzenbach: AWO durch Feldmann-Affäre in Aufruhe

Hartmann begrüßte auch den neuen Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Wiesbaden Murat Burcu mit den Worten: „Ich drücke dir die Daumen, dass ihr den Verband wieder in ruhiges Fahrwasser bringt.“

Dass ihn die Situation auch persönlich belastet, bekundete Hartmann ebenfalls: „Ich bin ehrenamtlicher Beisitzer im Präsidium der Awo-Frankfurt“, sagte er. „Die Aufgabe des Präsidiums ist die Aufsicht zu führen.“ Das sei an der ein oder anderen Stelle nicht gelungen. „Wir arbeiten mit der Staatsanwaltschaft vollumfänglich zusammen, Verflechtungen werden aufgelöst.“ Und er erhöht den Druck auf das Präsidium: „Ich werde mein Amt dort niederlegen, wenn es uns in der Kreisausschusssitzung am Dienstag nicht gelingt, Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und Maßnahmen zu treffen, damit sich dass alles nicht wiederholen kann.“

Doch schon gestern schrieb Hartmann im Nachgang des Abends, er habe dem Präsidium in Frankfurt mitgeteilt, dass er sein Amt sofort ruhen lasse.

Dietzenbach: Jubiläum der AWO - Feldmann-Affäre ist allgegenwärtig

Die Festrede hielt der Generalsekretär der hessischen SPD, Christoph Degen. Er beglückwünschte den Kreisverband Offenbach zu seiner herausragenden Arbeit, die die vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zum Wohle der bedürftigen Bevölkerung täglich ausüben. „100 Jahre Awo heißt auch 100 Jahre Frauenwahlrecht und 100 Jahre Demokratie.“ 

Und er hob den sozialen Kitt, der die Mitarbeiter auszeichne, hervor: „100 Jahre Awo ist auch 100 Jahre Miteinander, denn Menschen, die sich in der Awo ehrenamtlich organisiert haben, pflegen ihre Bindung untereinander.“ Besonders das Projekt „Demokratie Leben!“ sei ein sehr wichtiges, denn es gelte, die Demokratie gegen „Rechts“ zu verteidigen. Mit Blick auf die Wahl in Thüringen deutete er auf die große Unsicherheit hin, die die Menschen zu demokratiefeindlichen Parteien treibe. Dort setze sich die Awo in der Prävention verstärkt ein. Degen sieht die Aufgabe der Arbeiterwohlfahrt darin, dass sie Menschen Sicherheit gibt, sei es in der Schuldnerberatung oder bei sozialen Treffen.

AWO in Dietzenbach: Feldmann-Affäre bleibt Thema Nummer eins

Der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller, lobte den Kreisverband und sieht ihn als wichtigen Sozialpartner in der konkreten Arbeit an und mit den Menschen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von den „Chorios“ des AGV „Vorwärts“.

Trotz der Frankfurter Affäre ließen es sich die Gäste nicht nehmen, den 100. Geburtstag bei intensiven Gesprächen im Foyer des Kreishauses zu feiern.

VON BURGHARD WITTEKOPF

Unterdessen wurden in Dietzenbach (Hessen) die Bau-Pläne für das neue Wohnquartier vorgestellt. Das hat die MB-Massiv-Bau GmbH im Sinn, die östlich der Schillerstraße und südlich der Grenzstraße auf rund 1,16 Hektar für 55 Wohneinheiten sorgen möchte.

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