Grünes Dietzenbach

Stadtplaner Bernd Weber fordert mehr Bäume für Dietzenbach

Unverzichtbar fürs Klima: Bernd Weber von der Abteilung Stadtplanung setzt sich für mehr Bäume im Stadtgebiet ein.
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Unverzichtbar fürs Klima: Bernd Weber von der Abteilung Stadtplanung setzt sich für mehr Bäume im Stadtgebiet ein.

Jeder Garten sollte einen kleinkronigen Baum haben, fordert Stadtplaner Bernd Weber für Dietzenbach.

Dietzenbach – Wer Dietzenbach hört, denkt nicht zuerst an Wälder, Wiesen und Natur. Dabei ist zum Beispiel mehr als ein Drittel der Gemarkungsfläche bewaldet. Und auch darüber hinaus ist Dietzenbach grüner, als man glaubt. Wir schauen uns in den kommenden Wochen in der Natur um, sprechen mit Menschen, die sich für deren Schutz und Erhalt einsetzten und nehmen einschlägige Projekte unter die Lupe.

Bernd Webers Credo lautet: „Jeder kann etwas für die Umwelt tun – etliche kleine Schritte bewirken in der Gesamtheit viel.“ Weber von der Abteilung Stadtplanung setzt sich aktiv für mehr Grün in Dietzenbach ein. Etwa mit dem Ratgeber zur Gestaltung privater Hausgärten, „Grün in der Stadt“ (wir berichteten), der im Rathaus ausliegt. Aktuell tüftelt er an einer zweiten Broschüre, die Bürger dazu animieren und bei ihrem Vorhaben stärken soll, ihre Gärten klimafreundlicher zu gestalten. Der Titel seines noch in Arbeit befindlichen zweiten Ratgebers lautet: „Die Wichtigkeit von Bäumen“.

Bernd Weber: Fassadenbegrünung hat viele Vorteile

Schon auf der Straße ist unschwer zu erkennen, in welchem Haus der gelernte Gärtner, Landschaftsgärtner und Gärtnermeister wohnt. Wein wächst die Hausfassade hoch, „ein Hotel für Spatzen“, schwärmt der 53-Jährige. Bis zu 40 der kleinen Vögel übernachten dort regelmäßig. Wein könne jeder die Fassade hochwachsen lassen, „da braucht man keine Genehmigung“. Aber Weber, der häufig in der Kreisstadt mit offenen, aufs Grün fokussierten Augen unterwegs ist, weiß: „Das wird zu wenig gemacht.“ Dabei biete Fassadenbegrünung viele Vorteile, spende vor allem Schatten und halte Feuchtigkeit von der Wand weg.

Er bittet in seinen Garten. Während das Thermometer die 30-Grad-Marke überschritten hat, die Sonne von oben und der aufgeheizte Straßenbelag von unten den Körper gehörig ins Schwitzen bringen, fällt sofort auf: Beim Eintreten in Webers grüne Idylle kühlt es schlagartig ab. „Hier sind es bestimmt zehn Grad weniger“, schätzt er. Dafür sind vor allem zwei rund zwölf Meter hohe Riesen verantwortlich, ein Amber- und ein Walnussbaum. Womit Weber bei seinem Hautpanliegen des Treffens angelangt ist, der Wichtigkeit von Bäumen.

Gartenplanung: „Immer das größte Gehölz zuerst“

Kleinkronige Bäume sollten in jedem Garten stehen, findet er. Auch bei städtischen Baumaßnahmen schaue er immer, dass genügend von ihnen gepflanzt werden. Leider müsse man lange warten, bis ein Baum wächst. Wer das nicht möchte und Geld in die Hand nimmt, könne sich etwa an Großgärtnereien wenden. Die beiden Riesen in Webers Garten sind 30 und 40 Jahre alt, der Walnussbaum sogar vom Großonkel des „eschte Ditzebäschers“ aus einer Nuss gezogen.

Überhaupt folgt in Webers Garten ein Blickfang auf den nächsten. Eine Hanfpalme, ein Trompetenbaum, ein „Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch“, ein Biotop und noch viel mehr. „Auf die Vielseitigkeit kommt es an.“ Und auf einfach blühende Pflanzen. „So können Bienen den Nektar besser schlürfen.“

Wer sich einen insektenfreundlichen Garten, einen Ort, an dem man „Urlaub zuhause machen kann“, anlegen möchte, sollte von Groß nach Klein planen, „immer das größte Gehölz zuerst“, empfiehlt Experte Weber. Also zunächst ein bis zwei Bäume pflanzen, je nach Platz, dann Sträucher und zuletzt Pflanzen und Blumen. Dann die Frage: Rasen oder Wiese? „Eine Wiese kann man als Mensch nicht gut nutzen, aber man tut etwas für die Insekten.“

Bäume kein Kostenfaktor, sondern Wertsteigerung eines Grundstückes

Weber ist entschiedener Gegner von Steingärten, findet, diese gehörten per Satzung verboten, seien entgegen landläufiger Meinung auch eben nicht pflegeleicht und bereiteten unter anderem wegen der Bodenversiegelung auch Probleme. „Viele denken immer, ein Garten sei aufwendig zu pflegen.“ Das stimme aber nicht. Vielmehr sei „ein fauler Gärtner besser für den Garten“, sagt er und ergänzt: „für die Tiere trifft das auf jeden Fall zu.“

Weber schwenkt wieder zum Thema Bäume und spricht von deren Bedeutung fürs Stadtklima und dass diese noch mehr aushalten müssten als jene im Wald. Der Stadtentwickler sähe Dietzenbach gerne „grüner“. Aber an Investitionen in Grünflächen werde meist gespart, was einfach nicht sein könne. Er hoffe, dass die Stadtverordneten diesbezüglich ihre Sichtweise ändern. Denn Bäume seien entgegen der Meinung vieler kein Kostenfaktor, sondern steigerten sogar den Wert eines Grundstückes. „Ein ausgewachsener Baum ist in Dietzenbach rund 10 000 Euro wert – und das ist noch tiefgestapelt.“ Und Vorgärten böten sich regelrecht für die Anpflanzung an, betont Weber, der Bürgern gerne beim Anlegen oder der Gestaltung eines Gartens zur Seite steht.. „Ich berate gerne, schaue mir alles auch vor Ort an – einfach anrufen.“ (Ronny Paul)

Kontakt: Bernd Weber von der Abteilung Stadtplanung berät unter 06074 373-371 oder per Mail an berndweber@dietzenbach.de.

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