Bauausschuss

Geld aus der Grube: Konzept zum Abbau von Quarzsand

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Langfristige Angelegenheit: Sollte das Projekt zustande kommen, wird es Jahrzehnte dauern, bis es abgeschlossen ist.

Dietzenbach – Das Projekt, für das die drei Besucher im jüngsten Bauausschuss warben, könnte ungefähr dann fertig sein, wenn Eltern ihren Kindern erzählen, wie es war bei der 800-Jahr-Feier, damals, als sie noch jung waren. Von Christian Wachter

Vor zwei Jahren, berichtete Bürgermeister Jürgen Rogg, habe ihn Peter Ruhm darauf hingewiesen, dass es in Dietzenbach die Möglichkeit zum Quarzsandabbau gebe. Als Kämmerer sei es nun mal auch seine Aufgabe zu schauen, wo man den Haushalt mit Einnahmen füttern könne.

Bis es überhaupt zu Verhandlungen kommt, ist allerdings noch so mancher bürokratische Weg zu ebnen, eine Machbarkeitsstudie etwa, aber natürlich auch der eines Beschlusses durch die Stadtverordneten. Es geht um ein Areal mit unmittelbarer Nähe zu einem anderen, das einst eine Kiesabbaustätte war. In der Willersinn‘sche Grube, heute ein Naturschutzgebiet, bauten die Gebrüder Willersinn in den Fünfzigerjahren Flugsand ab. Der Fleck Erde, der nun in Frage kommt, liegt ein Stück weiter südlich und reicht am einen Ende bis dorthin, wo sich Vélizystraße und Kreisquerverbindung treffen. Dort, berichtete Peter Ruhm, Generalbevollmächtigter bei der Firma Q-Sand, habe man schon gebohrt und quarzhaltigen, hochwertigen Rohstoff vorgefunden. Die Kosten, die auf das Unternehmen zukämen, seien extrem hoch, allein wegen der für den Naturschutz nötigen Untersuchungen. „Deshalb müssen wir wissen, wie die Stadt dazu steht, ob sie uns hilft, an das Gelände zu kommen.“ Beachten müsse man auch die Interessen des Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO).

Wie Gesellschafter Wim Swippe erläuterte, soll nicht das ganze Gelände – zur Debatte stehen rund 60 Hektar – beackert werden. So hat man vor, immer jeweils fünf Hektar zu roden und nach dem Verfüllen mit dem Aufforsten zu beginnen. Wenn es nach dem Investor geht, böten sich für die Nutzung des Geländes allerdings zahlreiche Alternativen. „Man kann einen kleinen See kreieren oder Freizeitangebote schaffen, Klettern oder Fahrradfahren, alle Möglichkeiten sind da.“ Bis es soweit ist, könnten allerdings selbst E-Bikes längst wieder aus der Mode gekommen sein. Nach bisherigen Erkenntnissen geht man von 60 Hektar aus, die sich bei einer mittleren Abbautiefe von 20 Metern umsetzen lassen. Ein Gesamtvolumen von 12 Millionen Kubikmetern entspräche einer Abbau- und Verfülltonnage von 18 Millionen Tonnen. Das jährliche Volumen wiederum wird auf rund 350.000 Tonnen geschätzt. Ohne den zeitlichen Rahmen also konkret zu fassen – mit Jahrzehnten wird man rechnen müssen.

Recht konkrete Vorstellungen gibt es von der Vergütung. 75 Cent je Tonne würde die Kreisstadt bekommen, und das zwei Mal, weil der Betrag auch für die Verfüllung anfällt. Bei dem Beispiel mit 350.000 Tonnen wäre der Stadtsäckel also um 525.000 Euro im Jahr schwerer.

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Anmerkungen gab es schon reichlich, weitere Fragen sollen, wenn die Fraktionen die Unterlagen schriftlich vorliegen haben, über den Magistrat an Ruhm weitergeleitet werden. An eine Abstimmung ist also erst danach zu denken. Philipp Eckert (AfD) betonte, dass man den Wald, wie er ist, nicht wiederbekommen würde. „Außerdem haben wir hier einen gesunden Rohstoff, der im Preis nicht fallen, sondern steigen wird. Und was, wenn sich die Firma abmeldet?“ René Bacher (Grüne) befand ebenfalls, dass man „auf einer Schatztruhe“ sitzt. „Wir müssen uns auch über den Zeitraum im Klaren sein, damit werden unsere Kinder und deren Kinder zu tun haben.“ Das Vogelschutzgebiet sei ein einzigartiger Naturraum, durch die Lkw gäbe es eine merkliche Verkehrsbelastung.

Ausschussvorsitzender Harald Nalbach (WIR-BfD) wollte wissen, ob man lokalen Unternehmen damit nicht Konkurrenz machen würde. Der Markt, betonte der Investor Christoph Kopper von der Firma Omlor, habe diese Menge nötig, gerade im Raum Frankfurt gebe es Engpässe. Verneinen musste er allerdings, ob man sich in der unmittelbaren Nähe ein ähnliches Projekt anschauen könnte. So gebe es in Dietzenbach die Besonderheit, dass man konstant über dem Grundwasserspiegel bleibt. Ein Bild könne man sich aber im Saarland machen. „Notfalls fahren wir auch ins Saarland, das sollten wir schon gesehen haben“, befand Rogg.

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