„Das kann nicht von Vorteil sein“

Bebauungsplan für Innenohr des Spessartviertels nicht aufgehoben

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Es grünt im Innenohr des Spessartviertels. Die unbebaute Fläche zwischen Brückwiesenweg und Laufacher Straße soll zwar nicht bebaut werden, der Bebauungsplan bleibt allerdings weiter bestehen

Dietzenbach - Keiner der Lokalpolitiker möchte im sogenannten Innenohr bauen. Allerdings will die Mehrheit den bestehenden Bebauungsplan für die Grünfläche im Spessartviertel aufrecht erhalten. Von Ronny Paul 

Vögel zwitschern, Grillen zirpen im fast meterhohen Grün im sogenannten Innenohr. Ein plattgetrampelter Pfad führt durch hochgewachsenes Gestrüpp von der Kita IX, Rodgaustraße, in Richtung Hochhäuser. Die rund ein Hektar große Brach- beziehungsweise verwilderte Grünfläche trennt die Mehrfamilienhäuser am Brückwiesenweg von den fünf Hochhäusern des östlichen Spessartviertels. Was mit der ungenutzten Fläche passieren soll, darüber debattieren die Stadtverordneten in immer wiederkehrenden Intervallen seit Jahrzehnten.

Die Fraktionen der CDU und der Grünen haben jüngst mit Anträgen in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) den Vorstoß gemacht, den für das Innenohr bestehenden Bebauungsplan „8JEa“ aufzuheben. Das Vorhaben scheiterte an den Gegenstimmen.

In den 60er- und 70er Jahren waren dort Hochhäuser angedacht, generell sollte Dietzenbach möglichst schnell wachsen, resümierte der CDU-Stadtverbandschef Stephan Gieseler den Werdegang des Innenohrs. Nach den Problemen und daraus resultierenden Erfahrungen in den 70er Jahren habe man festgestellt, dass Hochhäuser nicht so optimal sind. In den 80ern sollten Häuser mit sechs bis acht Etagen entstehen, das Vorhaben wurde aber nie verwirklicht. Richtung Jahrtausendwende war der Gedanke, dass es klug sei, dort eine Grünfläche anzulegen, berichtete Gieseler weiter. Mit dem Programm „Soziale Stadt“ wurden im Innenohr randaliersichere Laternen aufgestellt und von Anwohnern Bäume gepflanzt. Gieseler sieht das Innenohr als „städtebauliche Friedenswiese, weil sie verhindert, dass Wohnquartiere sich gegeneinander entwickeln“. Sein Fraktionskollege Dietmar Kolmer brachte es auf den Punkt: „Auf nicht einmal einem Quadratkilometer leben 8000 Menschen. Das kann nicht von Vorteil sein.“ Der Grünen-Stadtverordnete René Bacher betonte, „wir wollen ohne Wenn und Aber, dass die grüne Wiese weiter existiert“ und DL/FW-UDS-Fraktionschef Jens Hinrichsen machte deutlich: „Eine weitere Verdichtung in dem Gebiet ist mit uns nicht zu machen.“ Gieseler warnte davor, solange der Bebauungsplan fürs Innenohr bestehe, könne Wohnansiedlung in Randgebieten – wie etwa auf dem Friedhofserweiterungsgelände oder entlang der Feldstraße im Westend – nicht geplant werden, da erst innerstädtisch verdichtet werden müsse.

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Allerdings waren CDU, Grüne und DL/FW-UDS die einzigen Fraktionen, die den Bebauungsplan aufheben wollten. Letztendlich scheiterten die Anträge an den Gegenstimmen der anderen Fraktionen. Der WIR-BFD-Fraktionschef Harald Nalbach entgegnete Gieseler: „Was sie beantragen ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Wenn wir nichts tun, erreichen wir das Gleiche und sparen Geld.“ Man wolle zwar das Grün erhalten und keiner wolle dort bauen, brauche aber den Bebauungsplan nicht ändern, weil die Fläche im Besitz der Kreisstadt sei. In den Tenor stimmte die SPD mit ein, Fraktionschef Rainer Engelhardt merkte an, sich Optionen für die Zukunft offenlassen zu wollen. Bürgermeister Jürgen Rogg erläuterte, es sei „unschädlich“, dem Antrag zuzustimmen. Der eine wie der andere Weg sei für die Verwaltung das Gleiche.

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