Einzelhandel

Thomis Kunsthandwerk in Dietzenbach schließt: „Corona hat die Entscheidung verstärkt“

Figuren aus dem Erzgebirge wird Thomas Stich zukünftig nicht mehr verkaufen. Dafür bleibt „Thomis Betoncafé“ seinen treuen Kunden erhalten.
+
Figuren aus dem Erzgebirge wird Thomas Stich zukünftig nicht mehr verkaufen. Dafür bleibt „Thomis Betoncafé“ seinen treuen Kunden erhalten.

Wegen der Corona-Pandemie muss Thomas Stich sein Geschäft für Kunsthandwerk in Dietzenbach schließen. Seinen Kunden bleibt „Thomi“ aber in anderer Form erhalten.

Dietzenbach – Er hat die Erzgebirgische Volkskunst nach Dietzenbach und in den Kreis Offenbach gebracht: Seit fast vier Jahrzehnten ist Thomas Stich, allgemein Thomi genannt, bekannt für seine Gesellen und Gegenstände, die vor allem die Weihnachtszeit in vielen Haushalten verschönern. Unter dem Namen „Thomis Kunsthandwerk“ ist sein Geschäft auf dem Wingertsberg ein Tummelplatz für Engel, Weihnachtsmänner, Räuchermännchen, Nussknacker, Spieldosen und Pyramiden. Ebenso für Osterhasen und Ganzjahresdekoration. Jetzt wird Stich diesen Teil seines Betriebes schließen.

„Die Nachfrage geht schon länger zurück und die Corona-Pandemie hat die Entscheidung verstärkt“, sagt er. Was seine Kunden aber freuen wird: „Thomis Betoncafé“ bleibt erhalten und wird sich sogar vergrößern.

Die Anfänge von „Thomis Kunsthandwerk“ in Dietzenbach

Im Jahr 1984 begann der studierte Grafikdesigner neue Wege zu gehen. In Offenbach-Bieber eröffnete er einen kleinen Laden mit Kunsthandwerk. Dass die meisten Dekostücke dabei aus dem Erzgebirge stammten, war kein Zufall. Thomas Stich ist in Glauchau, im Landkreis Zwickau groß geworden und kennt die Handwerksbetriebe dort gut. „Das Interesse war damals groß, die Erzgebirgskunst lag voll im Trend“, erinnert er sich. Das erforderte mit der Zeit mehr Platz. Nach rund einem Jahrzehnt in Offenbach siedelte Thomas Stich mit seinem Geschäft in die Landwehrstraße am Harmonieplatz in Dietzenbach um. Dort erweiterte er sein Sortiment unter anderem mit Dekofiguren aus Metall und Keramik für den Außenbereich. Doch immer wieder reizte es ihn, selbst zu gestalten. „Am meisten hat es mir das Modellieren angetan“, erzählt er. Den Anfang machten dann Spiegellandschaften, also Berge, Flüsse und Auen, die er auf Spiegelglas darstellt.

Im Jahr 2007 folgte der nächste Umzug: Aus „Thomis Kunstlädche“ wurde in der Hochstraße auf dem Wingertsberg „Thomis Kunsthandwerk“. Und die Käufer zogen mit. Weiterhin begeisterte Stich seine zahlreichen Stammkunden, die ihre Sammlungen Jahr um Jahr vergrößerten, für die Erzgebirgskunst mit Produkten von Weltfirmen wie Wendt und Kühn und Björn Köhler.

Neben diesem vielseitigen Angebot arbeitete Stich auch auf dem Wingertsberg kontinuierlich an seiner eigenen Kunst und probierte Werkstoffe aus. „Irgendwann habe ich dann mein Material gefunden“, sagt er. Seine Wahl fiel auf Beton in unterschiedlichen Mischungen, so wie der Vorreiter der Beton-Kunst, Sven Backstein, sie anbietet. Auf dem Wingertsberg entstanden Plastiken und Skulpturen, oft Fabelwesen, die einen ganzen Zauberwald bevölkern könnten. Ein Werk, das in Dietzenbach besonders bekannt ist, ist die überdimensionale grüne Blattlaus, die Stich eine Zeit lang zur Ausstellung auf dem Hügel an der SG-Kreuzung zur Verfügung gestellt hatte.

Schluss nach fast 40 Jahren: Kunden können weiter bei „Thomis Kunsthandwerk“ in Dietzenbach einkaufen

Im Jahr 2017 wagte Thomas Stich einen weiteren großen Schritt und gründete neben seinem Kunsthandwerks-Geschäft „Thomis BetonCafé“. Dort wirkt er nicht nur selbst an seinem künstlerischen Werk, das er unter anderem in seinem lauschigen Garten präsentiert, er ermöglicht mittels Workshops auch Interessierten, die Betonkunst zu erlernen. „Aber leider musste ich in den letzten Jahren auch feststellen, dass das Interesse an der Erzgebirgskunst zurückgeht“, sagt Stich. Mancher Sammler hätte keinen Platz mehr, für junge Familien seien die edlen Holzschnitzereien oft zu teuer. „Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass viele meiner treuen Kunden auch der Betonkunst etwas abgewinnen können“, freut er sich. So habe er die Corona-Zeit genutzt, um Bilanz zu ziehen und eine Entscheidung zu treffen. „Schweren Herzens schließe ich also Thomis Kunsthandwerk“, sagt er. Ein besonderer Dank richte sich entsprechend an alle treuen Kunden. Um ihnen etwas zurückzugeben, gibt Thomas Stich in den nächsten Wochen noch einmal die Gelegenheit zu einem Einkauf mit Sonderpreisen, situationsbedingt auf Bestellung. Auskünfte dazu gibt er unter 06074 28998. (Barbara Scholze)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare