Nachfragen und Zeit nehmen

Das Beratungszentrum Mitte bietet Hilfe in vielen Lebenslagen

Das Beratungszentrum Mitte bietet Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen, mit unterschiedlichen Problemen Rat und Unterstützung (Symbolbild)
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Das Beratungszentrum Mitte bietet Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen, mit unterschiedlichen Problemen Rat und Unterstützung (Symbolbild)

Das Beratungszentrum Mitte bietet Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen, mit unterschiedlichen Problemen Rat und Unterstützung. In der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer gibt Ola Gussmann Hilfestellung für ein selbstständiges Leben in Deutschland.

Dietzenbach – 135 Menschen aus verschiedenen Nationen hat Ola Gussmann im vergangenen Jahr beraten, unterstützt, begleitet. 135 Menschen, die im Beratungszentrum (BZ) Mitte unter dem Dach des Diakonischen Werks nach Unterstützung gesucht haben für ihren Start in Deutschland. Einige von ihnen kommen nur einmal, haben eine kurze Frage, andere haben Probleme, für die es eine Vielzahl von Sitzungen braucht.

„Die meisten stammen aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Marokko“, sagt Ola Gussmann. Die Sozialarbeiterin und ausgebildete Mediatorin ist seit Anfang 2018 zuständig für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) im Beratungszentrum an der Offenbacher Straße, eine von mehreren MBE-Stellen verschiedener Träger im Kreis Offenbach. Schon im Studium habe sie einen Schwerpunkt auf Sozialberatung gelegt und sich intensiv mit dem Thema Migration befasst, erzählt Ola Gussmann. Bevor sie die Stelle am BZ Mitte antrat, engagierte sie sich bereits in der Flüchtlingshilfe.

„Die Hauptaufgabe der MBE ist es, die Menschen bei der Integration zu unterstützen und vor allem mit den hiesigen Strukturen und Hilfssystemen vertraut zu machen“, erläutert die Sozialarbeiterin. Das Ziel: Selbstständigkeit. In die Beratung zu Ola Gussmann kommen Menschen mit allerlei Fragen zum alltäglichen Leben. „Am häufigsten geht es um Behördenschreiben, die nicht richtig verstanden werden. Von Jobcenter, Ausländerbehörde, Familienkasse, Wohngeldstelle“, sagt Ola Gussmann. Sie hilft und berät, wenn es um Familiennachzug geht, um Kindergeld, um Sprachkurse. Sie erklärt, welche Unterlagen benötigt werden, verweist an die richtigen Stellen, macht Anrufe bei Behörden.

Ein Problem dabei ist oft die Sprache. „Ich spreche Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch, aber das sind natürlich nicht die Sprachen, die die Ratsuchenden in erster Linie sprechen.“ Dolmetscher gibt es nicht. Häufig würden Verwandte oder Bekannte zum Übersetzen mitgebracht oder telefonisch zugeschaltet. Hin und wieder seien auch Kinder dabei, die schneller Deutsch lernten als ihre Eltern. „Aber da bin ich immer vorsichtig, man muss im Blick behalten, ob der Inhalt der Beratungsgespräche nicht zu belastend ist.“

Trotz aller Hürden, die aufgrund der Sprache in der Beratung überwunden werden müssen, setzt Ola Gussmann darauf, geduldig zu sein. „Viele Leute kommen ein, zwei Mal mit Sprachmittlern, später alleine, und dann können wir uns auch irgendwie verständigen.“ Nach einer Zeit werden ihre Klienten entspannter, verstehen oft schon mehr, als sie sich selbst zugetraut hätten, das zeigt Ola Gussmanns Erfahrung. Sie frage nach, ermuntere die Leute, ebenfalls nachzufragen, das schaffe Vertrauen. „Ich freue mich, zu sehen, was für Fortschritte die Menschen machen, wenn man ihnen Zeit gibt, ihnen zuhört.“ Die Sprachförderung ist und bleibt für Ola Gussmann das A und O, wenn es um die Integration geht. Zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist darum auch die Vermittlung in Sprachkurse. Auch das ist eine Aufgabe, die mit einigen Herausforderungen einhergeht. Zum einen gebe es bei vielen Migranten große Unterschiede, was die Voraussetzungen anbelangt. „Einige haben in ihren Heimatländern studiert, andere sind selbst in ihrer Muttersprache nicht alphabetisiert“, erläutert Ola Gussmann.

Die studierte Sozialarbeiterin weist darauf hin, dass die Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, zudem häufig mit gesundheitlichen Problemen, Traumata und der Sorge um Familienmitglieder zu kämpfen haben. „Sie besuchen dann zwar einen Kurs, sind aber natürlich nicht voll bei der Sache, das macht das Lernen schwer.“ So könne sich ein Familiennachzug über mehrere Jahre hinziehen, sei nervenaufreibend und kostenintensiv. Ola Gussmann appelliert darum, nicht vorschnell Urteile zu fällen, genervt zu sein von mangelnden Sprachkenntnissen. Das wünscht sie sich auch von zuständigen Behörden, die oftmals leider keine Kapazitäten hätten, sich ausreichend Zeit zunehmen, obwohl das ihrer Meinung nach vieles von Anfang an erleichtern würde. Die Sozialarbeiterin ruft zu mehr Verständnis auf: „Nicht jeder kann um all die widrigen Umstände wissen, aber mir ist es wichtig, dass alle daran denken, dass viele dieser Menschen von Dingen belastet sind, die sich die meisten von uns gar nicht vorstellen können.“

Von Lena Jochum

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