Mehr Menschen suchen Hilfe

Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach verzeichnet für 2019 steigende Fallzahlen

Konflikte ohne Gewalt zu lösen, lernen Männer im Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach.
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Konflikte ohne Gewalt zu lösen, lernen Männer im Beratungszentrum Mitte in Dietzenbach.

Es ist die erste Anlaufstelle für diejenigen, die einen Schritt in Richtung Problemlösung wagen. Das in der Kreisstadt Dietzenbach angesiedelte Beratungszentrum Mitte des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau bietet Unterstützung für Menschen, die dem Kreislauf aus Problemen mit sich selbst oder mit ihrem Umfeld nicht mehr alleine entkommen können.

Dietzenbach – Dass der Bedarf an den Angeboten steigt, zeigt der vorliegende Bericht zum vergangenen Jahr.Rund 1700 Fälle hat das Team bearbeitet, fünf Prozent mehr als noch 2018. Allein 600 Vorgänge waren oder sind in der Schuldner- und Insolvenzberatung anhängig. Dicht gefolgt von der Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche; 452 Familien haben dort um Hilfe gebeten, stellt Lilya Ramme-Traczyk, Leiterin des Zentrums, in ihrem Jahresbericht fest.

Lilya Ramme-Traczyk, Leiterin des Beratungszentrums Mitte

Grundsätzlich ist der höchste Bedarf bei den Neuanmeldungen in der Altersgruppe der Sechs- bis Zwölfjährigen zu finden, mittlerweile allerdings mit einer Tendenz zu noch Jüngeren. „Eltern mit Kindergartenkindern haben mehr Fragen und die Fachkräfte einen aufmerksameren Blick“, betonen die Berater. Meist geht es um eingeschränkte Erziehungskompetenz oder familiäre Konflikte wie Sorgerechtsstreitigkeiten. Oft helfe schon ein einziges Beratungsgespräch. Allerdings: „Viele Ratsuchende melden sich erneut an und kommen mit neuen Fragestellungen je nach der aktuellen Lebenslage.“ Auch mit dem Angebot „Konzentration steigern für Grundschulkinder“ auf Grundlage des Marburger Konzentrationstrainings versucht das Beratungszentrum frühzeitig einzugreifen. „Die Kinder lernen, Aufgaben besser zu planen, selbstständiger zu arbeiten und sich selbst mehr zuzutrauen.“ Einbezogen seien dabei die Eltern, die sich damit auseinandersetzen, wie sie die Kinder auch daheim in ihrer Aufmerksamkeit fördern können.

Eine Besonderheit in der Schuldnerberatung seit Anbeginn der Arbeit des Beratungszentrums sei die hohe Zahl der Ratsuchenden mit Migrationshintergrund. „Knapp 60 Prozent haben keine deutsche Staatsangehörigkeit“, heißt es in dem Bericht. Das führe unter anderem zu sprachlichen Problemen, die nicht immer zufriedenstellend gelöst werden könnten. Mehrsprachige Informationsbroschüren, Infos in einfacher Sprache und bebilderte Flyer sollen Abhilfe schaffen. Lediglich etwa ein Viertel der Ratsuchenden strebten ein Insolvenzverfahren an. „Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen.“ Viele der Klienten seien allerdings nicht in der Lage, das komplizierte Verfahren über die vorgeschriebenen sechs Jahre durchzuhalten. „Daher ist es zu begrüßen, dass der Gesetzgeber die Verfahrensdauer bis Juli 2022 schrittweise auf drei Jahre verkürzen will“, heißt es.

Auch im Fachbereich Ehe-, Familien- und Lebensberatung nahmen 2019 mehr Menschen das Angebot an. Mit-Finanziert wird es von der Evangelischen Kirche. Probleme in Ehe und Partnerschaft, Schwierigkeiten im eigenen Leben, Familienprobleme, auch Mobbing sind dort die Themenstellungen. Auffallend ist: Mehr als die Hälfte der Ratsuchenden sind sogenannte Silberpaare, also Paare, die länger als 25 Jahre verheiratet sind.

Alle Beratungsangebote sind grundsätzlich freiwillig und kostenfrei. Auch die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer. Dort stammen die meisten der Klienten aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Marokko, Voraussetzung für die Beratung ist, dass sie einen sicheren Aufenthaltsstatus haben. „Hier hat die Komplexität der Fälle zugenommen“, stellt das Team fest. Häufig kämen Personen mit verschiedenen Anliegen, von Problemen mit Schulden aus einem Mobilfunkvertrag über Fragen zu behördlichen Schreiben bis hin zur Begleitung im Familiennachzugsverfahren. Ein Problem sei verstärkt, dass die Kosten im Nachzugsverfahren komplett selbst getragen werden müssen. Der „finanzielle Druck“ sei daher sehr hoch. Entsprechend auch der Wunsch nach Sprachkursen und einer Arbeit.

Mit rund 34 Prozent nutzen vor allem die Dietzenbacher Bürger die Beratung, gefolgt von den Einwohnern aus Obertshausen mit rund 25 Prozent. „Für die Zukunft müssen wir auch neue Beratungsformen und -orte suchen und öffnen“, überlegt Einrichtungsleiterin Ramme-Traczyk. Dabei seien auch virtuelle Möglichkeiten zu bedenken und die sozialen Netzwerke zu nutzen. (Von Barbara Scholze)

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