Sorgen um die Zukunft

Tagesmütter berichten von den Herausforderungen während der Corona-Krise

Existenzängste quälen Rebecca Sochor (links) und Janine Keranovic ebenso wie viele andere Tagesmütter und -väter im Kreis Offenbach.
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Existenzängste quälen Rebecca Sochor (links) und Janine Keranovic ebenso wie viele andere Tagesmütter und -väter im Kreis Offenbach.

Rebecca Sochor und Janine Keranovic haben nervenaufreibende Monate hinter sich. Die beiden Frauen arbeiten als Tagesmütter. Die Corona-Pandemie hat ihnen schwer zu schaffen gemacht. Und das tut sie weiterhin.

Dietzenbach – Wie Kitas, Krippen und Horte konnten während des Lockdowns auch in der Tagespflege vorübergehend keine Kinder betreut werden, es sei denn, es bestand Anspruch auf Notbetreuung.

Rebecca Sochor und Janine Keranovic erzählen von den Existenzängsten, die seither nicht nur sie, sondern viele ihrer Kolleginnen und Kollegen plagen. Rebecca Sochor arbeitet seit fünf Jahren als Tagesmutter in Dietzenbach, betreut in der Altstadt vier Kinder, zusätzlich ihre eigene zweijährige Tochter. Ihre Kollegin Janine Keranovic lebt und arbeitet in Dreieich, ist schon seit 13 Jahren im Job, betreut fünf Kinder. Seit Corona machen sich beide Sorgen um die Zukunft.

„Nachdem uns die Nachricht erreicht hatte, dass wir schließen müssen, bin ich in eine Schockstarre verfallen“, erinnert sich Janine Keranovic. Sie habe sich gefragt, ob und wie sie weiterhin bezahlt werde, schließlich arbeiteten Tagesmütter auf selbstständiger Basis. Die Beiträge für die Betreuung richten die Eltern an den Kreis Offenbach, der wiederum zahlt die Gelder inklusive aller Fördermittel an die Tagesmütter und -väter aus. Darüber, wie es mit der Bezahlung weitergeht, wenn keine Betreuung stattfindet, herrschte lange Unklarheit. „Auch weil der zuständige Fachbereich natürlich selbst in einer völlig neuen Situation war“, sagt Rebecca Sochor.

Zunächst sei dann die Rede davon gewesen, dass die Tagespflegepersonen zwar vorerst weiter bezahlt werden, sich aber um Unterstützungen wie die Soforthilfe kümmern müssen, um ihre Verdienstausfälle auszugleichen. „Da wir aber voll bezahlt wurden, war das gar nicht möglich“, berichtet Janine Keranovic. Des Weiteren habe man sie darauf hingewiesen, dass eventuelle Rückforderungen möglich seien. „Inwiefern und in welcher Höhe, darüber gab es keine weiteren Infos“, ergänzt Rebecca Sochor. Es habe viele Unsicherheiten gegeben.

Beinahe wöchentlich gab es neue Informationen, auch darüber, welche nun Anspruch auf eine Notbetreuung haben. Rebecca Sochor betreute ab der dritten Woche wieder zwei Kinder, Janine Keranovic hatte von Anfang an Kinder in der Notbetreuung. „Zum Glück“, sagt sie. Im Lauf der Wochen sei dann nämlich festgelegt worden, dass den Tagesmüttern und -vätern, bei denen das nicht der Fall war und die darum die ganze Zeit über keine Kinder betreuten, fünf der insgesamt 30 Schließtage abgezogen werden, die ihnen im Jahr für Urlaub oder Krankheit bezahlt zustehen. „Darauf bezog sich also die angekündigte Rückforderung“, sagt Rebecca Sochor. Eine fragwürdige Lösung, finden die beiden Frauen. „Man stand ja quasi ständig auf Abruf bereit, wusste nicht, wie es in der kommenden Woche weitergeht“, erinnert sich Janine Keranovic. Auch die Kolleginnen und Kollegen, die keine Kinder in der Notbetreuung hatten, seien darum ständig darauf gefasst gewesen, dass es bald soweit sein könnte, bereiteten ihre Räume vor, um sie den neuen Gegebenheiten anzupassen, entwickelten Hygienekonzepte. „Mit Urlaub und Freizeit hatte das nichts zu tun.“

Am 25. Mai startete dann in der Kindertagespflege wieder der Regelbetrieb. Die Sorgen aber sind geblieben. Rebecca Sochor und Janine Keranovic erzählen, dass sie sich wie viele andere Tagesmütter und -väter im Kreis viele Gedanken darum machen, was passiert, wenn erneut ein Lockdown notwendig wird. „Oder wenn bei einem von uns ein Coronafall auftritt und wir deshalb schließen müssen“, sagt Janine Keranovic. Wie in diesen Fällen verfahren wird, ist weiter ungeklärt. „Immer wieder sagt man uns, dass dann je nach Einzelfall entschieden wird“, berichtet sie weiter.

„Niemand von uns kann darum aktuell Urlaub planen“, fügt Rebecca Sochor hinzu. Zu groß sei die Angst davor, dass bei einer erneuten Schließung weitere freie Tage abgezogen werden und so letzten Endes das Geld ausbleibt. Beide Frauen haben Verständnis dafür, dass die aktuelle Lage für alle Beteiligten Neuland ist, dass es allerhand zu bedenken und zu berücksichtigen gibt. Dennoch wünschen sie sich mehr Sicherheit für die bevorstehenden Monate, die weiterhin vom Coronavirus bestimmt sein werden. Falls nicht, sehen sie die Existenz vieler Tagesmütter und -väter im Kreis bedroht und damit auch wertvolle Betreuungsplätze „Wir spielen für die Kinderbetreuung eine wichtige Rolle, darum wollen wir auch abgesichert sein“, betont Janine Keranovic. (VON LENA JOCHUM)

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