Hoffen auf Normalität

In der Corona-Krise: Musikschule sucht Wege, um Lehrern und Schülern gerecht zu werden

Joachim Neumann, Leiter der Musikschule, und die Lehrkräfte haben Wege gefunden, die Krise zu überbrücken. (Archiv)
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Joachim Neumann, Leiter der Musikschule, und die Lehrkräfte haben Wege gefunden, die Krise zu überbrücken. (Archiv)

Das Beste aus der Situation machen und zusehen, dass es irgendwie weitergeht. Wie für nahezu alle Unternehmen, Vereine, Organisationen und Privatleute ist das auch für die Musikschule Dietzenbach derzeit das Gebot der Stunde.

Dietzenbach – Nichts läuft mehr so, wie es noch vor Kurzem selbstverständlich war. Ob Klavier, Gitarre oder Klarinette, in gewohnter Form kann der Musikunterricht wegen des Coronavirus nicht stattfinden. Trotzdem: Es geht weiter. „Wir haben jetzt das Beste rausgeholt aus der Lage“, sagt Joachim Neumann, Leiter der Musikschule. Seit dem 16. März, der Tag, seit dem auch die hessischen Schulen geschlossen haben, ist der reguläre Betrieb der Musikschule im Capitol eingestellt. „Aber wir haben Möglichkeiten entwickelt, damit der Unterricht wenigstens in irgendeiner Form weitergehen kann“, erzählt der Musikschulleiter. Denn Alternativen mussten her, um der Schüler und der Lehrkräfte Willen.

Die Musikschule habe sich im Falle des Coronavirus auf den Passus der höheren Gewalt berufen, erläutert Joachim Neumann. Die Gebühren müssen also weiterhin gezahlt werden, auch wenn der Musikunterricht derzeit nicht wie gewohnt stattfindet. „Wir brauchen die Einnahmen, um die Honorarkräfte zu bezahlen.“ Dass die 30 Musiklehrer, die entsprechend ihrer geleisteten Unterrichtsstunden bezahlt werden, nicht von jetzt auf gleich ohne Geld dastehen, sollte unbedingt vermieden werden. „Es ist ja schlimm genug, dass den Musikern gerade schon alle Auftritte abgesagt werden“, sagt Neumann. Er ist darum froh, dass zumindest im März vorerst jeder wie üblich bezahlt werden konnte.

Gleichzeitig sollte aber auch eine Lösung gefunden werden, damit die Musikschüler nicht leer ausgehen. „Und die Lehrkräfte wollen ja auch was tun.“ Um weiterhin mit ihren Schützlingen in Kontakt zu bleiben, haben sie sich darum verschiedene Methoden überlegt. „Material wird per Mail verschickt, Lehrer und Schüler machen Videochats, andere haben sich auch schon am Telefon was vorgespielt“, berichtet Joachim Neumann. Hilfestellung bei der Entwicklung und Umsetzung entsprechender Methoden gab es vom Musikschulverband auf Landes- und Bundesebene. „Und auch der Austausch mit den anderen Musikschulen im Kreis Offenbach ist rege. So wie uns geht es den anderen ja ebenfalls.“

Viele Schüler machen derzeit von den Angeboten gebrauch, aber nicht alle Kinder und Jugendlichen können sie wahrnehmen, etwa aufgrund der technischen Ausstattung. „Wir werden aber auch jeweils in der letzten Woche der Sommer- und Herbstferien Nachholstunden anbieten“, kündigt der Musikschulleiter an. Bisher seien alle Beteiligten zufrieden mit den Lösungen. „Die Kinder kommen nach wie vor zum Musizieren, die Eltern sind dankbar, dass was passiert.“ Joachim Neumann freut sich es, dass sich bislang noch niemand beschwert oder Forderungen stellt. „Lediglich der Musikunterricht im Rahmen unserer Schulkooperationen und die musikalische Früherziehung fallen derzeit komplett aus.“ Dafür Nachholtermine anzubieten, werde schwierig. Neumann und sein Team überlegen trotzdem, wie sie das anstellen könnten.

All das, darüber ist sich der Musikschulleiter im Klaren, wird aber nur eine Zeit lang funktionieren. „Es ist nun mal kein vollwertiger Ersatz für den richtigen Unterricht, aber ein Weg, den man vorübergehend gehen kann.“ Er setzt aktuell noch darauf, dass ab dem 20. April, nach den Osterferien, langsam wieder Normalität einkehrt, auch in der Musikschule. „Wenn es länger dauert, wird es schwierig, ab einem gewissen Punkt kann ich mich nicht mehr auf höhere Gewalt berufen, das wäre einfach nicht in Ordnung.“

VON LENA JOCHUM

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