Kreis Offenbach

Coronavirus: Viele Menschen draußen unterwegs - trotz Warnungen

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Hessentagspark: Zumindest der Spielplatz ist menschenleer.

Landkreis Offenbach: Der Appell wegen des Coronavirus möglichst zu Hause zu bleiben, scheint nicht bei allen Menschen in Dietzenbach angekommen zu sein. 

  • Appell an Bürger wegen des Coronavirus möglichst zu Hause zu bleiben
  • Bürger im Landkreis Offenbach halten sich nicht daran 
  • Kreisstadt Dietzenbach im Ausnahmezustand

Dietzenbach – Die Narzissen rekeln sich im Sonnenlicht, der Frühling hat Einzug in die Kreisstadt gehalten. Das Vogelzwitschern untermalt die Idylle. Menschen gehen mit ihren Kindern, dem Hund oder beiden gleichzeitig spazieren. Jugendliche rotten sich zusammen und genießen ein Eis auf der steinernen Abgrenzung des Europaplatzes. Der Verkehr auf den Straßen ist etwas weniger als üblich, fast wie an einem Sonntag. Einem ziemlich langen Sonntag, mitten unter der Woche.

Vom Gebot, möglichst in den eigenen vier Wänden zu bleiben, scheinen manche Dietzenbacher noch nicht viel gehört zu haben. In Vergleich zu den geöffneten Geschäften herrscht im Rathaus-Center reges Treiben. Dabei hatte Bürgermeister Jürgen Rogg an die Dietzenbacher appelliert, „Solidarität, Vernunft und Herz“ zu zeigen. Einfach Augen zu und durch sei kein Mut, betonte Rogg.

Coronavirus in Dietzenbach (Landkreis Offenbach):  Geschäfte bis auf Weiteres geschlossen

Einzig die Mannequins in den Schaufenstern des Rathaus-Centers schweigen wie immer und verstecken sich hinter Hinweisschildern, die eilig mit Klebestreifen an den Schaufensterscheiben angebracht worden sind: Bis auf Weiteres geschlossen. Daneben hängen Verweise auf Onlineshops, die während der Schließzeit als Alternative dienen. Für große Ketten kein Problem, für kleine Läden vielleicht ein Todesurteil.

Vereinzelt haben sich Unternehmen und Firmen an die Wirtschaftsförderung der Stadt gewandt. Die Nachfragen gingen eher in die Richtung der vierten Verordnung der Bekämpfung des Coronavirus vom Land Hessen, sagt Wirtschaftsförderer Michael Krtsch auf Nachfrage. 

Coronavirus in Dietzenbach (Landkreis Offenbach):  Bisher wenige Anfragen für finanzielle Hilfe

Auch bezüglich Hilfen kamen bislang wenige Anfragen. Krtsch versichert aber: „Wir sind im guten Austausch mit den Kollegen der Nachbarkommunen, um einen bestmöglichen Service für die Unternehmen in dieser schwierigen Situation zu liefern.“

An anderer Stelle im Rathaus ist ebenfalls Ausnahmezustand: „Der Verwaltungsstab hat auch am Wochenende gearbeitet und trifft sich täglich, um die aktuelle Situation zu besprechen, die Fakten zu bewerten und darauf basierende Maßnahmen zu beschließen.“ Bei der Umsetzung der Maßnahmen könne der Verwaltungsstab aber auf die engagierten Mitarbeiter zählen, teilt die Stadt mit.

Coronavirus in Dietzenbach (Landkreis Offenbach):  Servicehotlines stark genutzt

Die beiden am Wochenende eingerichteten Service-Hotlines sind stark genutzt. Am ersten Tag gingen rund 50 Anfragen ein. Davon haben sich etwa 90 Prozent mit Anliegen beschäftigt, die den Bürgerservice betreffen, teilt die Stadt mit. Dabei sei es unter anderem um Meldebescheinigungen und Passangelegenheiten gegangen.

 „Die Anrufer waren durchweg freundich und hatten Verständnis dafür, dass gewisse Angelegenheiten nur noch telefonisch oder per Mail zu erledigen sind“, heißt es weiter. Die Service-Hotlines für das Rathaus, z 06074 373-555, und für den Kita-Bereich, z 06074 373-777, sind weiterhin geschaltet. Die „Kita-Hotline“ haben am ersten Tag sieben Bürger gewählt.

Coronavirus in Dietzenbach (Landkreis Offenbach):  Eltern zeigen sich wegen Schließungen gefasst

Hinsichtlich der Kitaschließungen haben die Eltern „sehr gefasst und kooperativ“ reagiert. Die Zahl der in Anspruch genommenen Notbetreuungen liege im zweistelligen Bereich. Um das Ziel zu erreichen, möglichst wenig Sozialkontakte zu haben, hat die Stadt sechs ihrer Kindertagesstätten komplett geschlossen.

Die Verwaltung ist erfreut über die vielen freiwilligen Initiativen der Nachbarschaftshilfe, insbesondere wenn es um die Versorgung von Risikogruppen gehe. „Wir denken in diesem Zusammenhang auch über eigene Initiativen – beispielsweise im Seniorenbereich – nach.“ Wichtig sei dabei allerdings, dass sich die Helfenden strikt an die Hygienevorgaben halten, um weder sich selbst noch die Risikogruppen zu gefährden.

Coronavirus in Dietzenbach (Landkreis Offenbach): Verordnetenversammlung abgesagt

Die kommende Stadtverordnetenversammlung und die damit in Verbindung stehenden Ausschusssitzungen hat Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer abgesagt. Diese Entscheidung wurde in enger Abstimmungen mit Bürgermeister Jürgen Rogg, den Fraktions- und Ausschussvorsitzenden getroffen. Auch da gelte es, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen und Risikogruppen zu schützen.

So, wie auch an öffentlichen Plätzen. Zumindest der Spielplatz im Stadtpark bleibt gestern leer. Anstatt Kinderlachen tönt das krächzende Gelächter stimmbrüchiger Halbstarker durch die nahezu leere Anlage.

Von Ronny Paul und Lisa Schmedemann

Der Bürgermeister der Stadt Dietzenbach (Kreis Offenbach) richtete wegen des Coronavirus einen Appell an die Bürger.

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