Artenschutz trifft auf Bodendenkmalpflege

Damit es in einem geplanten Gewerbegebiet weitergehen kann, ist im Winter viel zu tun

Gefährdete Art: Für die Zauneidechsen braucht es geeignete Ersatzhabitate. Foto: WAC (b)
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Gefährdete Art: Für die Zauneidechsen braucht es geeignete Ersatzhabitate.

Dass eine umsichtige Planung beim Umsiedeln von Zauneidechsen durchaus entscheidend ist, zeigte sich auf kreisstädtischer Gemarkung zuletzt etwa an der Waldstraße, wo die Firma Eichler-Kammerer bauen will (wir berichteten).

Dietzenbach –  War man dort allerdings zeitlich flexibel, sieht das im Planbereich für das Baugebiet 67, das zwischen der Johannes-Gutenberg-Straße und der Kreisquerverbindung liegt, anders aus. Wie im Ausschuss für Städtebau, Verkehr und Umwelt unlängst zu hören war, ist die Offenlage und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange für das „Gewerbegebiet Kaupendicke“ inzwischen vollzogen. Im Ergebnis offenbarten sich umfangreiche Abstimmungs- und Änderungserfordernisse.

Diese Erfordernisse betreffen sowohl die Bodendenkmalpflege als auch den Artenschutz. Denn kaum ist auch die ansässige Zauneidechse aus der Winterstarre erwacht, könnte etwa die Feldlerche in den Startlöchern stehen: Ab dem Frühling nisten nämlich die Vögel. Zudem zeigt eine Karte der Hessischen Verwaltung und Bodenpflege, dass mit dem ein oder anderen Fund aus längst vergangenen Tagen durchaus zu rechnen sein könnte. Um das Gelände herum reihen sich etwa ein altsteinzeitlicher Einzelfund, eine spätbronzezeitliche Siedlung, die mittelalterliche Siedlung „Wüstung Ippenhausen“ und vieles mehr aneinander. All das hat für den Winter nun eine straffe Zeitplanung zur Folge.

Die Fläche muss gemäht werden, auch eine sogenannte geophysikalische Prospektion, eine Erkundung der oberen Bereiche der Erdkruste, steht an. Neben einer artenschutzrechtlichen Entscheidung der Unteren Naturschutzbehörde gilt es auch abzuwarten, wie viele Baggerschnitte die Denkmalbehörde anordnet. Die Schnitte müssen ökologisch begleitet werden. Für die Zauneidechsen wiederum braucht es Übergangsquartiere und Ersatzhabitate, die den Ansprüchen der kleinen Reptilien genügen.

Wird der Zeitplan eingehalten, kann es ab März weitergehen, sprich das Bebauungsplanverfahren fortgeführt und eine Vorlage zur zweiten Offenlage auf den Tischen von Dietzenbachs Parlamentariern platziert werden. Sollte man in diesem Winter allerdings nicht mit den Arbeiten fertig werden, wird sich alles um ein Jahr verzögern. Ursula Becking-Noller, Leiterin der Abteilung Stadtplanung, betont: „Einen solchen Aufwand hatten wir noch in keinem anderen Baugebiet.“ Dass allerdings ein Fund der Denkmalbehörde das Unterfangen in Gänze verhindert, sei unwahrscheinlich. „Das müsste schon ein Fürstengrab sein.“ Generell habe es von den Behörden bislang ein großes Entgegenkommen gegeben.

Bei der Wirtschaftsförderung freut man sich über die Pläne, dass auf rund 30 000 Quadratmetern neues Gewerbe ansässig werden soll. Wie deren Leiter Michael Krtsch erläutert, werde man bei der Ansiedlung neuer Unternehmen – oder wenn sich bestehende erweitern – auch die strategische Zielplanung für die Stadt im Auge behalten. Demnach habe man Gewerbesteuern, Arbeitsplätze und Innovationskraft im Fokus.

Von Christian Wachter

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