Kultur

Das erste Mal in der „Heimatstadt“: Ex-Städel-Meisterschüler Harro Erhart präsentiert Kunst in Ratsstube

Erste öffentliche Ausstellung in Dietzenbach: Harro Erhart präsentiert in der Ratsstube 40 Bilder und drei Kleinskulpturen. Sein größtes Werk ist große Wandrelief zum Thema der biblischen Offenbarung in der Neu-Isenburger Johanneskirche.
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Erste öffentliche Ausstellung in Dietzenbach: Harro Erhart präsentiert in der Ratsstube 40 Bilder und drei Kleinskulpturen. Sein größtes Werk ist große Wandrelief zum Thema der biblischen Offenbarung in der Neu-Isenburger Johanneskirche.

Es ist eine Retrospektive seines künstlerischen Lebens: 40 Bilder und drei Kleinkunst-Skulpturen wird Harro Erhart ab September für drei Monate in der Ratsstube ausstellen. Kaum zu glauben, aber es ist die erste öffentliche Schau des 82-Jährigen in Dietzenbach, seiner „Heimatstadt“, in der er bereits seit 1969 seinen Lebensmittelpunkt hat.

Dietzenbach – Die Kunst des ehemaligen Städel-Meisterschülers ist den meisten Dietzenbachern unbekannt. Das soll sich ändern, finden Norbert Kern und Heinz Robens. Kern, ehemaliges Wirtschaftsratmitglied, kennt Erhart seit der Jugend in Frankfurt und hält große Stücke auf ihn: „Dietzenbach kann stolz sein, so einen großen Künstler zu haben“, sagt Kern, der die Ausstellung initiiert hat. Robens, der die erfolgreiche Reihe „Kunst in der Ratsstube“ seit 2018 organisiert, ist ebenfalls angetan: „Ich war sofort begeistert von seinen Werken.“ Es habe ihm eine Riesenfreude gemacht, die Werke für die Ausstellung mitauszuwählen. „Die Bilder haben eine herausragende Qualität“, findet Robens.

Info

Ausstellung vom 6. September bis 13. Dezember in der Ratsstube (Offenbacher Straße 11). Weitere Infos gibt’s auf online.

Unter den in der Ratsstube ausgestellten Werken sind unter anderem Akte, Skulpturen, Proletarierfiguren, Literaturillustrationen und Reisebilder vom Weltenbummler. Erhart war mit seiner „Galerie der Begegnung“ etwa schon in der ehemaligen Sowjetunion, in Venezuela oder in Mexiko. Sein Fernweh hat ihn immer wieder auch an die entlegensten Orte der Welt gebracht, die ihn und seine Kunst maßgeblich beeinflusst haben, etwa nach Kamtschatka. Landrat Oliver Quilling, der sich freut, dass Kunst und Kultur im Kreis Offenbach wieder aufblühen und der die Schirmherrschaft für die Ausstellung übernommen hat, sagt anerkennend: „Als außergewöhnlicher Künstler mit einer faszinierenden Schaffensgeschichte, die ihn durch die ganze Welt geführt hat, versteht Erhart es auf einzigartige Weise, mit seinen Werken zu begeistern.“

Johanneskirche in Neu-Isenburg beherbergt mehrere Kunstwerke

Aber man muss nicht unbedingt weit fahren, um das Schaffen des bekennenden Pazifisten bestaunen zu können. In der Johanneskirche in Neu-Isenburg etwa hat der ehemalige Städel-Meisterschüler neben einem großen Wandrelief zum Thema der biblischen Offenbarung nahezu die gesamte Inneneinrichtung, unter anderem den Altar, die Kanzel und den Taufstein, entworfen. Mitte der 1960er Jahre hatte Erhart den Wettbewerb zur Neugestaltung der Kirche gewonnen. „Es ist das größte Objekt meiner künstlerischen Arbeit geworden“, blickt der 82-Jährige zurück, der durch die Erfindung eines neuen technischen Verfahrens zum Betongießen zum Meisterschüler seines Ausbilders Professor Hans Mettel wurde. „Ich begann in Schalungskästen aus Holz die Negativformen für den Betonguss zu bearbeiten, sie wurden in den Rohbau eingesetzt und gegossen“, erläutert Erhart.

Entwurf entstand Mitte der 1970er Jahre

Und auch in Dietzenbach steht seit vergangenem Jahr ein Werk Erharts im öffentlichen Raum, der Fischstein im Garten der Religionen auf dem Friedhof. Dieser entstand bei Therapieprojekten mit Kunst, die Erhart in der Psychiatrischen Klinik am Stadtkrankenhaus Offenbach in den 1980er Jahren Angeboten hatte. Und es soll noch ein weiteres Werk im öffentlichen Raum hinzukommen: Kern schenkt der Stadt Dietzenbach Erharts Herakles-Statue, die im Eingangsbereich des Capitols aufgestellt werden soll. Diese hatte der gebürtige Frankfurter ursprünglich für den Wettbewerb „Kunst am Bau“ Mitte der 1970er Jahre entworfen. „Er sollte auf dem Europaplatz vom Rathaus wegschreiten in der stolzen und kraftvollen Haltung, dort mal aufgeräumt zu haben“, sagt Erhart. Den Wettbewerb gewonnen hatte damals allerdings Inge Hagner, deren Stahlplastik „Die vier Fraktionen“ auf der Grünachse vor dem Rathaus steht. Für Erhart hatte die Vergabe damals ein Geschmäckle: Hagner war die Tochter eines hochrangigen Mandatsträgers im Landkreis Offenbach, erinnert er sich.

Doch das ist Schnee von gestern: Die Vernissage zur Ausstellung steigt am 10. September, 19 Uhr, die Finissage mit der Versteigerung des Werks „Poet und Muse“ für einen guten Zweck ist für den 3. Dezember geplant.  ron

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