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Den Eltern Respekt zollen: Karina Ressel leitet mit ihrer Mutter den „Hof Akita“

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Von: Anna Scholze

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Pferdewirtin Karina Ressel übernimmt den Hof Akita von ihren Mutter.
Pferdewirtin Karina Ressel übernimmt den Hof Akita von ihren Mutter. © Anna Scholze

Wenn in familiengeführten Unternehmen die nächste Generation das Steuer übernimmt, stehen nicht selten Veränderungen an. Aber auch alte Werte werden weitergegeben. In unserer Serie „Generationswechsel“ stellen wir in loser Reihenfolge Dietzenbacher Unternehmen vor, die solch einen Prozess durchlaufen. Heute mit dem „Hof Akita“.

Dietzenbach – Dass Karina Ressel einmal ihrer Mutter Uschi Baist folgen würde, zeichnet sich früh ab. Bereits mit einem Jahr sitzt sie auf dem Rücken eines Pferdes. Geht ihre ersten Schritte als Reiterlehrerin im jungen Alter von elf Jahren. Doch eine von Ärzten gestellte Diagnose sorgt dafür, dass Ressel ihr zum Greifen nahes Ziel erst auf Umwegen erreicht. „Sie sagten mir, ich könne aufgrund eines Rückenleidens nicht reiten und solle mir einen anderen Beruf suchen“, erinnert sie sich an eines der schwierigsten Kapitel in ihrem Leben.

Um herauszufinden, was ihr jenseits der Reiterei liegen könne, macht Karina Ressel verschiedene Praktika. Am Ende entscheidet sie sich dafür, Mathematik und Informatik zu studieren und tritt damit zunächst in die Fußstapfen ihres Vaters Gerhard Baist. Der heutige Ruheständler, der den Reiterhof gemeinsam mit seiner Frau aufgebaut hatte, war bis vor wenigen Jahren Lehrer für Physik und Mathematik an der Heinrich-Mann-Schule. Seine Tochter merkt jedoch schon zu Beginn ihres Studiums, dass sie nicht mit ganzem Herzen dabei ist. Und so kommt es, dass sie im Jahr 2011 zunächst zusätzlich in den Familienbetrieb einsteigt. „Ich war überzeugt, dass ich neben meiner Arbeit als Lehrerin die Reitschule leiten könne“, erzählt Ressel. Der „Pferdehof Akita“ befindet sich zu dieser Zeit in einer schwerwiegenden Umbruchphase. Denn die Familie Baist muss ihren ursprünglichen Standort in Messenhausen verlassen. „Wir haben damals sogar überlegt, ob wir den Betrieb komplett aufgeben sollen“, blickt die 31-Jährige zurück. Alle Beteiligten entscheiden sich schlussendlich jedoch für einen Umzug und somit für Dietzenbach. Seit 2015 hat der Hof seinen Sitz „In den Löcherwiesen 1“.

Karina Ressel selbst beschließt in dieser schwierigen Phase, ihr Studium auf Eis zu legen. Trotz ihrer Rückenprobleme beginnt sie eine Ausbildung zur Pferdewirtin. Entgegen des Wunsches ihrer Mutter macht sie ihre Lehre jedoch nicht im eigenen Betrieb, sondern auf „Gut Neuhof“ in Dreieich. „Mir war es wichtig zu sehen, wie andere Reitställe funktionieren, um etwas für meinen Stall lernen zu können“, sagt die Pferdewirtin. Und tatsächlich habe sie auf Neuhof sehr viel erfahren können und sei ihrer Ausbilderin Ellen Bontje dankbar. „Aber ich habe mich am Schluss auch darauf gefreut, meinen Betrieb nach meinen Vorstellungen leiten zu können“, so Ressel weiter. Sie lege viel Wert darauf, dass die Pferde nicht in der Box stehen, sondern sich frei entscheiden können, wie sie ihre Zeit verbringen wollen. So werden die Tiere des Akita-Hofs in einer offenen Stallhaltung gehalten. Sie können also jederzeit zwischen Liegehalle und Weide wechseln.

Die Zusammenarbeit mit ihrer Mutter, so gesteht die Reiterlehrerin, funktioniere nicht immer reibungslos. „Dabei habe aber auch ich lernen müssen, dass ich ihr und meinem Vater mehr Zeit geben muss, um über meine neuen Ideen nachzudenken“, sagt sie. Zudem müsse sich die nachfolgende Generation immer daran erinnern, dass es die Eltern waren, die den Familienbetrieb aufgebaut haben und ihnen dafür den angemessenen Respekt zollen. „Außerdem haben wir bisher immer einen Kompromiss gefunden“, macht Ressel deutlich.

Uschi Baist hat ihr zudem durchaus die Möglichkeit gegeben, sich in die Reitschule mit ihren eigenen Ideen einzubringen. „Ich habe etwa für den Unterricht die Gruppen verkleinert und im Pony-Club ein Longen-Programm eingeführt“, sagt Karina Ressel. Zudem hat sie ihr Wissen aus der Ausbildung genutzt, um die Haltung der Pferde weiter zu optimieren. Auf ihren bisherigen Erfolgen ausruhen will sie sich jedoch nicht. So ist Ressel derzeit dabei, ihren Meister zu machen. (Von Anna Scholze)

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