Zustellung sorgt für Ärger

Dietzenbacherin wütend über Deutsche Post: „Das ist einfach unerhört!“

Ein Trolley eines Zustellers der Deutschen Post steht auf der Straße.
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Zahlreiche Menschen machten ihrem Ärger über nicht zugestellte Post in Dietzenbach Luft. (Symbolbild)

In Dietzenbach im Kreis Offenbach sorgen Zustellungsprobleme der Deutschen Post für Ärger. Viele Bürger sind sauer.

Dietzenbach – Einige Postkunden haben es vermutlich schon einmal erlebt, dass eine Sendung verspätet oder gar nicht beim Empfänger ankommt. Doch dass die Resonanz auf unseren Bericht über eine Dietzenbacherin, deren Glückwunschkarten regelmäßig nicht das Ziel erreichen, so groß sein würde, hatte unsere Redaktion nicht erwartet. Ob in Anrufen, Mails oder Leserbriefen: Zahlreiche Menschen machten ihrem Ärger über nicht zugestellte Post Luft.

Wie berichtet, hatte eine Frau aus Dietzenbach unserer Zeitung geschildert, dass seit November vergangenen Jahres etwa ein Viertel ihrer abgeschickten Glückwunsch-Karten bei der Zustellung verloren gingen. In einem Fall bekam sie die Rückmeldung eines Empfängers aus Wiesbaden, dass ihre Karte angekommen sei – allerdings mit dreijähriger Verspätung.

Ärger mit Deutscher Post in Dietzenbach: Sprecher äußert sich

Inzwischen hat sie nochmals mit dem Mann gesprochen, der ihr erzählte, dass der Briefumschlag der reichlich verspäteten Gratulationspost seitlich aufgeschlitzt gewesen sei. In einem beiliegenden Schreiben habe die Post um Entschuldigung gebeten und außerdem darüber informiert, dass die Polizei eingeschaltet worden sei. Eine weitere Anzeige bei der Polizei sei deshalb nicht notwendig.

Die betriebsinternen Sicherheitsexperten der Post arbeiteten eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen, betont Unternehmenssprecher Stefan Heß auf Nachfrage. Erkennbare Straftaten würden angezeigt. „Selbstverständlich kann der Empfänger auch selbst noch einmal auf die Polizei zugehen.“ Der Vermerk solle lediglich als Hinweis dienen, „dass wir bereits tätig geworden sind und schon Anzeige erstattet haben“. Wie viele solcher Fälle angezeigt und aufgeklärt werden, möchte die Post jedoch nicht mitteilen: Um die Arbeit der betrieblichen Security zu schützen, kommuniziere man in diesem Kontext grundsätzlich keinerlei Daten extern, so der Sprecher.

„Das interessiert sie alles gar nicht“, regt sich ein Dietzenbacher über die Deutsche Post auf

Helga Leber, die früher im Kreis Offenbach lebte und in ihrem neuen Wohnort Bad Kreuznach weiterhin die Offenbach-Post bezieht, berichtet in einem Anruf ebenfalls über regelmäßige Zustellungsprobleme. Weil sie Überweisungen per Post verschickte und diese nicht ankamen, wurden sogar Mahngebühren fällig. Die Deutsche Post habe als Entschuldigung zwar 20 Briefmarken spendiert, die entstandenen Unkosten habe sie jedoch erst nach mehrmaliger Aufforderung erstattet.

Auch Uli Fischer aus Dietzenbach meldete sich nach dem Artikel und berichtete von Mahngebühren infolge nicht korrekt zugestellter Rechnungen und Steuerbescheide. Besonders ärgert er sich über die Reaktionen der Service-Mitarbeiter: „Das interessiert sie alles gar nicht.“ Er habe mehrfach reklamiert und auch den Kontakt mit der Chef-Etage gesucht, aber dann mangels befriedigender Resonanz vor zwei Jahren die „Korrespondenz beendet“.

Brigitte Puhlmann kann den Ärger gut verstehen: „Seit dem 20. Oktober 2020 habe ich bereits sieben Nachforschungsanträge gestellt über Briefsendungen, die beim Empfänger nicht ankamen – alle erfolglos“, berichtet sie. „Ob vielleicht noch mehr Briefe nicht ankamen weiß ich nicht, weil ich ja nicht jeden Empfänger anrufe und nachfrage, ob mein Brief, meine Weihnachts- oder Geburtstagspost ankam.“

Deutsche Post in Dietzenbach: „Das ist einfach unerhört!“

Zu ihren Nachforschungsanträgen habe sie jedes Mal nach einigen Wochen zwei Standardbriefe erhalten: Im ersten wurde sie darüber informiert, dass die Suche nach der vermissten Post eine Weile dauern könne, im zweiten erhielt sie die Nachricht, dass die Suche erfolglos war.

„Da ich weiß, dass sich viele Leute, besonders ältere Leute, über Post freuen, schreibe ich nach wie vor gerne Karten oder Briefe an Bekannte und Freunde. Es ist aber nicht nur das Porto, das man bezahlt, sondern auch die Karte und dazu kommt die Mühe und Zeit“, ärgert sie sich. „Die verlorenen Karten müssen doch irgendwo auffindbar sein. Wenn nicht, verlange ich zumindest für die Sendungen, die nicht ankamen, eine entsprechende Ersatzleistung“, fordert die Dietzenbacherin. „So einfach kann es sich doch kein anderer Betrieb oder anderes Dienstleistungsunternehmen machen wie die Deutsche Post. Das ist einfach unerhört!“

Sprecher der Deutschen Post widerspricht Vorwürfen

Bei der Deutschen Post widerspricht man indes dem Eindruck der Unzuverlässigkeit: Repräsentative und vom TÜV zertifizierte Messungen zeigten, dass der Versand in Deutschland nicht nur sehr schnell, sondern auch zuverlässig und sicher funktioniere. 89 Prozent aller Inlandsbriefe erreichten demnach ihre Empfänger in ganz Deutschland bereits nach einem einzigen Tag und mehr als 98 Prozent nach spätestens zwei Tagen, rechnet Stefan Heß vor. Das seien im internationalen Maßstab Spitzenwerte. „Wohl wissend, dass das nicht weiterhilft, wenn man persönlich betroffen ist und andere Erfahrungen gemacht hat, gehört dies aber trotzdem auch zur Wahrheit.“

Er verweist auf ein neues Angebot der Post: „Mit der Einführung der Matrixcode-Briefmarken Anfang Februar sind wir auch im Bereich der herkömmlichen Briefmarken ein Stück transparenter geworden.“ Die Kunden könnten in App von Post und DHL sehen, wann ihr Brief im Briefzentrum in der Abgangsregion bearbeitet wurde und wann er in der Zielregion angekommen ist. „Allerdings ist mit dem Matrixcode keine lückenlose Nachverfolgung, wie zum Beispiel bei Paketen, möglich. Insbesondere werden die Sendungen bei der Zustellung nicht nochmals erfasst“, räumt er ein. Wer einen rechtsverbindlichen Nachweis über die Zustellung an den Empfänger haben wolle, müsse auch weiterhin die Sendung per Einschreiben verschicken. (Niels Britsch)

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