Keinen ausschließen

Die Gesellschaft vereinen: Antrag zum Helete-Kreisel wird geschoben

Eine Momentaufnahme? Die Einwohnerzahl von Dietzenbach ist von 2017 auf 2018 von 34  055 auf 34 019 gesunken.
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Einige Stadtverordnete besuchten eine Sitzung des Ausländerbeirats

Ein Ort im Südosten der Türkei sorgt derzeit für ausgiebige Diskussionen. Helete, vor einer türkischen Gebietsreform in der Kreisstadt besser als Düzbag bekannt, soll Namensgeber für einen neuen Kreisel sein, der an der Ecke Offenbacher Straße/Rodgaustraße entsteht. Wie bereits in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert, begründet ein entsprechender Antrag des Ausländerbeirates (ALB) die Namensgebung damit, dass zahlreiche Dietzenbacher ihre familiären Wurzeln dort haben.

Dietzenbach – Da in der Parlamentssitzung keine Einigung erzielt werden konnte, nahmen nun vor allem Vertreter der CDU-Fraktion an einer Sitzung des ALB teil. Mit dem Ergebnis, dass der Antrag derzeit nicht abgestimmt, sondern geschoben wird. „Wir haben erkannt, dass wir noch einiges an Vorarbeit leisten müssen“, sagte die ALB-Vorsitzende Saliha El Achak.

Hin und her debattiert wurde unter anderem die Zahl der Menschen vor Ort, die selbst oder durch ihre Vorfahren dem Ort Helete verbunden sind. Das betreffe etwa 1 500 Bürger, teilten ALB-Mitglieder mit. Genug, um ein besonderes Zeichen zu setzen? „Nein“, sagte etwa Stephan Gieseler (CDU). Spanne man den Kreis über mehrere Generationen von Dietzenbachern hinweg, dann müsse man das auch für andere Nationalitäten machen. Darüber hinaus zweifelte der ehemalige Bürgermeister an, dass eine Betonung der familiären Herkunft immer gewünscht sei. „Wollen denn wirklich alle als Heletianer wahrgenommen werden?“, fragte er. Sei doch erst kürzlich über einen jungen Kreisstädter berichtet worden, der nicht auf seine nationalen Wurzeln reduziert werden möchte, sondern selbstverständlich sage: Ich komme aus Dietzenbach.

Indes sei es „gut und wichtig“, einen Ort zu schaffen mit einem Bekenntnis zu den multikulturellen Gegebenheiten Dietzenbachs. „Aber wir sollten dabei nicht eine bestimmte Stadt aussuchen“, betonte Gieseler. Vielmehr könne sich der Kreisel dem Thema „Heimat“ widmen, derart, dass möglichst viele Nationalitäten sich präsentieren und ihn entsprechend gestalten könnten. „Unser Ziel ist es doch, etwas gesellschaftlich Verbindendes zu schaffen.“

Auch der SPD-Stadtverordnete und ehemalige Vorsitzender des ALB, Cengiz Hendek, bestätigte, dass es „Nachholbedarf“ beim Thema Helete gebe. „Vielleicht müssten sich die entsprechenden Dietzenbacher stärker präsentieren mit Infoveranstaltungen oder Ähnlichem“, schlug er vor. Am Ende sollte es aber keinesfalls zu einer Namensgebung kommen, an der die Bürger der Stadt nicht beteiligt waren. „Das ist schon beim Ludwig-Kreisel in Steinberg schief gegangen“, erinnerte Hendek an die Diskussionen um die dortige Kunstfigur „Ratte Ludwig“ der Künstlerin Uschi Heusel (wir berichteten). Vielmehr schlug er einen Ideenwettbewerb vor, der nicht nur den Namen, sondern auch die Gestaltung des Kreisels anregen könnte. Hinsichtlich der Beteiligung von Bürgern oder Gremien zeigte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Ahmed Idrees allerdings skeptisch. „Bei ähnlichen Vorschlägen in der Vergangenheit wurden meist auch keine Bürger befragt, da wurde einfach nach Mehrheitsverhältnissen abgestimmt.“ Daher würde er sich von dem jetzigen Dialog auch ein Signal für die Zukunft wünschen. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Manuel Salomon lobte den jetzigen „offenen Dialog“ mit dem Ausländerbeirat als „extrem hilfreich“.

Die Stadt mit dem früheren Namen Düzbag wird seit vielen Jahren immer auch als Partnerstadt für Dietzenbach ins Gespräch gebracht. Zuletzt im Jahr 2018, als die Verschwisterung mit Kunming in China diskutiert wurde. Gieseler, der Düzbag in seiner Amtszeit besucht hatte und vor Ort Kontakte knüpfte, sagte damals: „Ich finde es bedauerlich, dass wir keine Städtepartnerschaft mit Düzbag eingegangen sind.“ Am Ende der Sitzung bilanzierte die ALB-Vorsitzende El Achak: „Wir haben jetzt Vorschläge und Anregungen, um etwas zu schaffen, das wirklich verbindet.“ (Von Barbara Scholze)

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