Jahrgang 1940

Diese Dietzenbacher sind seit 76 Jahren eng befreundet

+
Damals und heute: 1946 wurde der Jahrgang 1940 eingeschult, das Bild zeigt die Schüler in der sechsten Klasse. Noch heute treffen sie sich regelmäßig.

Vor 76 Jahren wurde der Jahrgang 1940 in Dietzenbach eingeschult. Seitdem verging kein Jahr, in dem sie sich nicht getroffen haben – bis heute. 

Dietzenbach – 76 Jahre ist es her, dass Margarete Fenchel, die damals noch Eckert mit Nachnamen hieß, und ihre Klassenkameraden eingeschult wurden. Im Oktober 1946 begann in der Alten Schule in der Darmstädter Straße für die Erstklässler des Jahrgangs 1940 der Ernst des Lebens. Kein Jahr ist seither vergangenen, in dem sich der Jahrgang nicht gesehen hat. „Unser Motto: Freundschaft halten macht doch Sinn“, sagt Margarete Fenchel. Gemeinsam mit Anneliese Weilmünster, Gerlinde Schickedanz und Willi Jaschek kümmert sie sich um die Organisation der Treffen.

Diesmal ist ein Teil des Jahrgangs im Restaurant des Hotels Sonnenhof zusammengekommen, beim Mittagessen wollen die Rentner die gemeinsamen Erlebnisse Revue passieren lassen. In den vergangenen 76 Jahren sind einige zusammengekommen. „Das ist schon lange her, ihr Leut‘“, sagt Gerlinde Schickedanz, nachdem ihre früheren Mitschüler alle Platz genommen haben. Die Getränke sind geordert, schnell kommen die 13 Männer und Frauen auf ihre Schulzeit zu sprechen. Die Erinnerungen sind längst nicht mehr frisch, vor allem die an die erste Zeit. Dass viele von ihnen als Erstklässler aber nicht ganz so begeistert waren von ihrer Lehrerin, das wissen die meisten noch. Streng sei sie zu den Abc-Schützen gewesen. „Im zweiten Schuljahr wurde dann Herr Wolfert unser Lehrer“, erinnert sich Margarete Fenchel. Mit dem kamen die Schüler deutlich besser zurecht. „Mit ihm haben wir viele Spaziergänge gemacht“, sagt Fenchel. Die Kinder waren davon begeistert.

Auch in den Jahren nach dem Ende ihrer Schulzeit sind die Klassenkameraden oft unterwegs, machen Ausflüge und Spaziergänge, feiern Jubiläen. Zu den einzelnen Jahrgangsfeiern hat sich Margarete Fenchel Notizen gemacht, zum Mittagessen im Sonnenhof hat sie sie dabei, um der Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. Sie liest vor. Etwa vom 50. Geburtstag des Jahrgangs, 1990. Den feierten die Dietzenbacher im Wirtshaus „Zur Linde“, am 3. November. „Da hatten wir sogar eine Bauchtänzerin“, sagt Margarete Fenchel und in der Runde bricht Gelächter aus. Später am Abend nämlich, die Gruppe klärt auf, sei dann der ebenfalls anwesende Pfarrer Dieter Wiegand in die Kiste gestiegen, aus der die Tänzerin zu Beginn ihres Auftritts gestiegen war. Zehn Jahre später ging es anlässlich der 60-Jahr-Feier nach Bad Salzungen. Um den 70. Geburtstag zu feiern, reiste der Jahrgang dann im Mai 2010 in den Harz, nach Wernigerode. „Da war es so kalt, dass einige ihre Schlafanzughosen unter der Kleidung anbehielten“, erinnert sich Margarete Fenchel und lacht.

Die Frauen und Männer, die meisten von ihnen sind mittlerweile 79 Jahre alt, teilen viele Erinnerungen. Erinnerungen aus der Schulzeit, noch mehr aus der Zeit danach. Wenn sie so beisammen sitzen, fällt ihnen manches ein, was längst vergessen war. „Der Manfred muss mal die Geschichte mit dem Klappstuhl erzählen“, sagt Margarete Fenchel. Manfred Weilmünster weiß gleich, worauf seine ehemalige Schulkameradin hinaus will. Er erzählt, wie ein Mitschüler immer so auf der Schulbank gehangen hat, dass der Lehrer in die Klasse gefragt hat, ob denn vielleicht jemand einen Liegestuhl für den Jungen habe. Manfred Weilmünster meldete sich. „Wir hatten noch einen zu Hause, den hab ich dann am nächsten Tag auch mitgebracht.“ „Der ist da tatsächlich mit dem Liegestuhl in die Schule marschiert“, sagt Margarete Fenchel, der Gedanke daran amüsiert die Truppe auch heute noch. Furchtbar aufgeregt habe sich der Lehrer, sogar den Rektor gerufen. Manfred Weilmünster zuckt mit den Schultern. „Na gut, da hab ich den Stuhl wieder mit nach Hause genommen.“

Viel Schabernack sei damals getrieben worden, da sind sich die anwesenden Jahrgangsmitglieder einig. „Das war ganz anders als heute“, sagt Margarete Fenchel. Anders in vielerlei Hinsicht. Es war kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als der Jahrgang 1940 zur Schule ging. „Das war auch eine schwere, arme Zeit“, erinnert sich Fenchel. Gerlinde Schickedanz stimmt ihr zu. Ihr Vater war aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. „In der Schule bekamen die Kinder aus armen Familien, deren Väter gefallen oder verschollen waren, die Schulspeisung.“ Während die Mitschüler für die Pause Verpflegung dabei hatten, wurden sie in der Schule versorgt. „Wir anderen waren ganz wild auf das Essen, das da ausgeben wurde.“ Das weiß Margarete Fenchel noch genau. „Da gab es Schokolade und diesen leckeren Kakao.“

1955 war dann für die meisten Schüler des Jahrgangs 1940 die Schulzeit vorbei. Aus den Augen verloren haben sich die meisten nicht. „So ist das eben in Dietzenbach“, sagt Margarete Fenchel. Sie und das restliche Planungskomitee sind bereits mitten in der Organisation fürs kommende Jahr. Dann nämlich wird der 80. Geburtstag gefeiert.

Das nächste Treffen hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Der Jahrgang trifft sich am Freitag, 12. Juli, um 11.30 Uhr an der Trauerhalle des Dietzenbacher Friedhofs (Offenthaler Straße), um ihrem verstorbenen Schulkameraden Ingbert Stirnweiß die letzte Ehre zu erweisen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare