Auftakt im Mordprozess

Drei Angeklagte nach tödlichem Raub und Brand vor Gericht

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Bild vom Wohnungsbrand im Wertheimer Weg in Dietzenbach.

Darmstadt/Dietzenbach - Wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlich begangenen Mordes müssen sich drei 18 Jahre alte Angeklagte ab heute vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

Neun Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 80-Jährigen stehen drei junge Männer vor dem Landgericht Darmstadt. Sie müssen sich seit heute wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Die Angeklagten, sie alle gaben ihr Alter mit 18 Jahren an, sollen den alten Mann im April vergangenen Jahres in Dietzenbach „aus Habgier“ auf der Suche nach Geld überfallen haben. Der 80-Jährige wurde laut Staatsanwaltschaft in seiner Wohnung gefesselt, geschlagen, ihm wurde laut Ermittlungen der Mund zugehalten und Gasspray ins Gesicht gesprüht. Der Mann sei erdrosselt worden. Erbeutet wurden den Angaben zufolge 550 Euro sowie ein Handy. Auch Schmuck habe das Trio geraubt. Dann sei die Kleidung des Mannes angesteckt sowie die Wohnung in Brand gesetzt worden, um Spuren zu verwischen. Einer der Angeklagten wies den Vorwurf zurück, der Tod des Mannes sei geplant gewesen. „Unser Ziel war nur das Geld“, sagte der Mann. „Wir wollten dem Opfer nichts weiter antun. Wir waren alle betrunken und hatten Drogen genommen.“

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Eine Schreckschusspistole und einen Schlagstock hätten sie nur deshalb dabei gehabt, damit sie selbst keine Angst hätten. Die Hoffnung auf große Beute habe sich in Luft aufgelöst. Der 80-Jährige habe nicht wie vermutet nach einem Hausverkauf viel Geld in der Wohnung aufbewahrt. Der Prozessverlauf zog sich hin, da die Aussagen der Angeklagten erst übersetzt werden mussten. Der Vorsitzende Richter Marc Euler fragte immer wieder nach, weil zur eigentlichen Tat trotz Aufforderung keine genauen Angaben gemacht wurden. Der Angeklagte sagte zu Beginn, er sei „mit Hilfe von Schleusern“ aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, sein Elternhaus habe dafür 20.000 US-Dollar hingeblättert. Er habe aus dem Land fliehen müssen, „weil mein Leben gefährdet war“. Ein anderer 18-Jähriger berichtete, er habe seine afghanische Heimat verlassen, „um aus meinem Leben etwas besseres zu machen“. Zu Hause habe er früh die Schule verlassen und gejobbt, sogar mal als Sanitäter gearbeitet. Er sei allerdings drogenabhängig gewesen. Seine Mutter habe ihm Opium in seine Milch getan, damit er besser habe schlafen können. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen.

Archivbilder:

Brand auf dem Hexenberg in Dietzenbach

dpa

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