Kein kleiner Fisch

Nach Drogenhandel im Spessartviertel: Dietzenbacher zu Haftstrafe verurteilt

Vor dem Schöffengericht in Offenbach hat sich ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Obertshausen verantworten müssen. (Symbolbild)
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Vor dem Schöffengericht in Offenbach hat sich ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Obertshausen verantworten müssen. (Symbolbild)

Letztlich ist ein Video dem Mann aus Dietzenbach zum Verhängnis geworden. Das Schöffengericht verurteilte ihn in Offenbach wegen Drogenhandels im Spessartviertel zu einer Haftstrafe von 32 Monaten.

Dietzenbach – Der Angeklagte H. stand wegen Drogenhandels in insgesamt vier Fällen vor Gericht. Zwei davon hatte Rechtsanwalt Thorsten Tuma am ersten Verhandlungstag eingeräumt (wir berichteten). Im Februar 2018 verkaufte H. verdeckten Ermittlern gut sechs Gramm Haschisch, wobei er versprach, auch Kokain liefern zu können. Ein paar Monate später stoppte ihn die Polizei mit 700 Gramm Cannabis. Tuma zielt darauf, den 28-Jährigen als kleinen Fisch darzustellen, der ab und zu mal Drogen verkauft, um den eigenen Konsum zu decken. Die Polizisten, die am dritten Verhandlungstag aussagen, beschreiben H. jedoch als arbeitsteilig agierenden Straßenhändler, der seine Geschäfte mit dem gesondert verfolgten A. betreibe.

Zur Videoaufnahme erklärt Rechtsanwalt Tuma, sein Mandant stehe lediglich dort, wo gerade Drogenhandel stattfinde. Die Polizei wertet die Präsenz von H. jedoch als Beobachten des Umfelds, um das Geschäft zu sichern. Ein Beamter erklärt, der Angeklagte habe außerdem gezielt Passanten angesprochen, um ihnen Drogen anzubieten. Auf dem zweiten Filmbeitrag ist zu sehen, wie H. einem potenziellen Kunden ein Päckchen übergibt, der sich eine Substanz über die Unterlippe reibt. Anwalt Tuma zweifelt nicht, dass es sich um Speed oder Kokain handelt, „klar, das ist kein Cannabis“.

In der Verhandlung geht es außerdem darum, ob sich H. auch bewaffneten Drogenhandel anheften lassen muss. Unstrittig ist, dass er die Ablage in einen Altglas- und einen Papiercontainer als Bunker für Cannabis und Kokain nutzte. Zwischen zwei Containern hatten griffbereit ein Messer und ein Fahrradlenker gelegen, der sich als Schlagstock eignet.

Die Staatsanwältin erwähnt in ihrem Plädoyer, der Angeklagte sei teilgeständig, in einem Fall, den er nicht gesteht, sehe man jedoch eindeutig, dass H. hier nicht lediglich ein Geschäft vermittele, sondern seinen Arbeitsbeitrag leiste. In der Zeit habe H. über keinerlei anderweitiges Einkommen verfügt. Die Staatsanwältin fordert drei Jahre und vier Monate Haft, auch, „weil nach der allgemeinen Lebenserfahrung“ die Waffen dem Angeklagten zuzuordnen seien.

„Da sind wir meilenweit entfernt“, betont Rechtsanwalt Thorsten Tuma. Weder hätten sich DNA noch Fingerabdrücke an den Gegenständen gefunden. Der Platz, wo sein Mandant handelte, habe ohnehin weit weg von den vermeintlichen Waffen gelegen. Drogenfunde beim mutmaßlichen Kompagnon A. seien seinem Mandanten nicht zuzuordnen, „wusste er überhaupt, dass A. 36 Gramm Haschisch bei sich trägt?“ Der Verkauf an die Polizei sei schließlich provoziert worden, die gefundenen knapp fünf Gramm Kokain mit einem Reinheitsgrad von gerade mal 37 Prozent „waren doch von unterirdischer Qualität“. Die Vorstrafen wegen Beleidigung und Fahrens ohne Führerschein seien nicht einschlägig. Tuma hält sieben Monate Gefängnis plus Arbeitsstunden für angemessen.

Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen verhängen schließlich zwei Jahre und acht Monate Haft. Die Waffen hätten tatsächlich weit weg vom Handelsplatz gelegen, begründet Beck, warum das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft bleibt. Der Vorsitzende erklärt, „die Abläufe in dem Film zeigen, dass sie als Dealer ein Profi sind“.

Von Stefan Mangold

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