30-jähriges Jubiläum

Ebbelwoi trifft Thüringer – Städtepartnerschaft mit Neuhaus am Rennweg

Erinnerungen einer langen Partnerschaft: Ein Ereignis, an das sich Organisatorin Birgit Göckes gerne erinnert, ist der Besuch des Folkloreensembles aus Neuhaus.
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Erinnerungen einer langen Partnerschaft: Ein Ereignis, an das sich Organisatorin Birgit Göckes gerne erinnert, ist der Besuch des Folkloreensembles aus Neuhaus.

Mit der Einheit von West- und Ostdeutschland sollten die Menschen kulturell und sozial durch Städtepartnerschaften zusammenwachsen. Auch Dietzenbach verschwisterte sich mit einer der ehemaligen DDR-Städte. Seit drei Jahrzehnten ist die Kreisstadt mit Neuhaus am Rennweg verbunden.

Dietzenbach – Vor einigen Wochen waren sie wieder da: Die Feuerwehrleute aus Neuhaus verkauften die beliebten Thüringer Bratwürste auf dem Weihnachtsmarkt der Kreisstadt. Ihr Besuch ist Tradition. Denn die Stadt ist seit dem Fall der Mauer mit Dietzenbach verbunden. Dieser Bund wird nun 30 Jahre alt.

Kurz nach der Wiedervereinigung baute die Stadt Dietzenbach den Kontakt zum thüringischen Neuhaus auf. „Das war zu der Zeit Mode gewesen“, erläutert Organisatorin Birgit Göckes. Denn mit der Mauer fielen auch die politischen, verwaltungstechnischen und sozialen Strukturen der damalige DDR. Es war Hilfe aus dem Westen nötig, um diese wieder aufzubauen.

„Dass die Wahl auf Neuhaus fiel, war naheliegend“, sagt Göckes. Es hatte bereits Jahre vor der Einheit Besuche aus der thüringischen Stadt gegeben: Die dortige Röhrenfabrik – der Hauptarbeitgeber im Ort – hatte ein Folkloreensemble, das Dietzenbach besuchen durfte. „Die Stadt war früher sehr links orientiert, womöglich durften sie daher für Auftritte ausreisen“, vermutet die städtische Mitarbeiterin. Im Laufe der Jahre entwickelten sich Kontakte, zum Teil auch Beziehungen, weshalb einige Dietzenbacher – historisch bedingt – nach Neuhaus zogen. „Daher bestanden schon Kontakte.“

Zehn Jahre lang leisteten die Kreisstädter Hilfe, vor allem auf der Amtsebene: „Von heute auf morgen waren alte Strukturen nicht mehr gültig“, beschreibt Göckes die damalige Situation. Nach dem Mauerfall und der Umstellung auf westliche Computersysteme musste die Röhrenfabrik schließen. Von den zirka acht Kindertagesstätten, die den Nachwuchs der Fabrikangestellten betreuten, blieb eine übrig.

Viele Erzieher gingen in den Osten, um dort offene Stellen zu besetzen. Auch aus Dietzenbach reisten für mehrere Wochen am Stück Erzieher und Beamte nach Neuhaus. „Wir lieferten auch materielle Hilfe“, erinnert sich Göckes. Bis heute sind noch Dietzenbacher Feuerwehrautos in der thüringischen Stadt unterwegs. Jedoch schlief der Kontakt ein.

Viele Jahre lang fuhr Göckes (Zweite von rechts) selbst in die thüringische Stadt, um Dietzenbach auf dem Weihnachtsmarkt zu vertreten. 

Mit dem Bürgermeisterwechsel in Neuhaus lebte die Partnerschaft wieder auf, „wir besuchten jährlich den Weihnachtsmarkt“. Die Delegation der Kreisstadt bot an ihrem Stand heißen Ebbelwoi an. „Das wollte am Anfang niemand trinken, auch geschenkt nicht“, sagt Göckes und schmunzelt. Viele Vorurteile herrschten gegen das hessische Getränk. Erst mit dem Namen „Apfelglühwein“ ging er über die Theke.

Bis vor zwei Jahren fuhr Göckes mit Kollegen zum Weihnachtsmarkt nach Neuhaus. „Zurzeit ist der Kontakt leider wieder eingeschlafen.“ Zumindest auf offizieller, städtischer Ebene. „Auf privater sieht das anders aus“, berichtet die Organisatorin. Die Feuerwehren beispielsweise pflegen auch nach Jahren noch einen engen Kontakt. So versorgen die Blauröcke aus Neuhaus die Dietzenbacher jedes Jahr mit Thüringer Bratwürsten auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt.

Solche Partnerschaften bringen auch eine finanzielle Belastung mit sich, die den Kontakt erschweren: „Solch eine Fahrt kann einer Privatperson schon einiges kosten“, erläutert Göckes. Dennoch wünscht sie, dass der Kontakt mit dem aktuellen Bürgermeister der Kleinstadt, Uwe Scheler, wieder aufgenommen und gestärkt werden kann. „Wir haben ihn zum Tag der Städtepartnerschaft eingeladen“, sagt Göckes und hofft, dass sie eine Delegation aus Thüringen zu dem Fest begrüßen kann.

VON YVONNE FITZENBERGER

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