Der Kontakt bleibt

Flüchtlingshilfe: Ehrenamt in Zeiten des Coronavirus – Wie geht das?

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Betreuung ja, nur nicht persönlich: Die Aktiven der Flüchtlingshilfe halten den Kontakt mit den Geflüchteten, die unter anderem in der städtischen Flüchtlingsunterkunft an der Lise-Meitner-Straße leben, derzeit per Telefon und Mail aufrecht.

Das gesellschaftliche Leben steht in Dietzenbach dieser Tage nahezu still. Doch wie geht es im Ehrenamt und in der Flüchtlingshilfe weiter?

  • Coronavirus sorgt für stilles Dietzenbach
  • Für das Ehrenamt ist die Corona-Krise eine große Herausforderung
  • Der Kontakt in der Flüchtlingshilfe bleibt

Dietzenbach – Wie berichtet sind auch in der Kreisstadt mittlerweile alle Veranstaltungen abgesagt, öffentliche Einrichtungen geschlossen, ab heute, 12 Uhr, auch Restaurants und Gaststätten geschlossen sowie sämtliche Aktivitäten von Vereinen auf Eis gelegt. So auch bei der Flüchtlingshilfe Dietzenbach. Bei einem Telefongespräch mit dem Vorsitzenden des Vereins, Gerd Wendtland, erzählt er, wie es während der Corona-Krise um die Flüchtlingshilfe und vor allem auch um die von den ehrenamtlichen Helfern betreuten Menschen steht.

Coronavirus in Dietzenbach: Viele Ehrenamtler gehören zur Riskogruppe

„Auch wir haben alle unsere Veranstaltungen entsprechend der Empfehlungen abgesagt“, sagt Gerd Wendtland. Heißt: Bis auf Weiteres sind etwa der Treffpunkt International, die Fahrradwerkstatt, Sprachkurse, aber auch alle anderen Zusammenkünfte, bei denen die Ehrenamtler die Geflüchteten beraten und unterstützen, gecancelt.

„Die meisten unserer Helfer sind ja lebensältere Menschen, gehören also zu den Risikogruppen.“ Es sei sehr wichtig, sie möglichst gut zu schützen und sie darauf hinzuweisen, die empfohlenen Verhaltensregeln einzuhalten. „Das führt dann natürlich dazu, dass die bilaterale Betreuung der Geflüchteten in Dietzenbach erst einmal zurückgeht“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Flüchtlingshilfe in Coronavirus-Zeiten: Der Kontakt bleibt

Doch nur weil die persönliche Betreuung derzeit wegfällt, bedeutet das nicht, dass die ehrenamtlich Aktiven der Flüchtlingshilfe komplett auf den Kontakt mit ihren Schützlingen verzichten. Wie seine Mitstreiter ist auch Gerd Wendtland froh, dass es mittlerweile viele Wege gibt, miteinander in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen, füreinander da zu sein. Er zählt auf, worauf es derzeit in Sachen Kommunikation ankommt: „WhatsApp, E-Mail, Telefon.“

Es gebe ja heute zum Glück vielerlei Möglichkeiten. So stehen auch Gerd Wendtland und seine Frau Barbara weiterhin in regem Kontakt mit den Geflüchteten, die sie auf ihrem Werdegang in Deutschland begleiten. „Die syrische Familie, die wir betreuen, hat uns jetzt sogar angeboten, für uns einzukaufen“, erzählt Gerd Wendtland. Eine Geste, über die er sich freut.

Dietzenbach: Coronavirus-Infos für Flüchtlinge auf vielen Sprachen

Ebenso wichtig wie der Schutz derjenigen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, ist aber auch ein weiterer Aspekt, das macht Gerd Wendtland deutlich: „Wir hoffen außerdem, dazu beizutragen, dass keine Infektionen in den Gemeinschaftsunterkünften vorkommen.“ Soweit es geht, sei die Flüchtlingshilfe aus diesem Grund darum bemüht, in den Unterkünften in der Kreisstadt entsprechend aufzuklären.

„Mittlerweile stehen uns Handreichungen mit kurzgefassten Infos zur aktuellen Lage in diversen Sprachen zur Verfügung“, berichtet Gerd Wendtland. Darunter nicht nur die gängigen Fremdsprachen wie Englisch, Französisch und Spanisch, sondern eben auch Farsi, Arabisch oder Tigrinya, den Sprachen, die für die Geflüchteten, die mittlerweile in Dietzenbach leben, relevant sind. „Das ist sehr hilfreich.“

Dietzenbach: Kein größeres Coronavirus-Risiko in Flüchtlingsunterkünften

Auf die Frage nach weiteren entsprechenden Vorkehrungen in den beiden städtischen Unterkünften an der Lise-Meitner- und der Justus-von-Liebig-Straße, heißt es aus der Pressestelle im Rathaus, alle Veranstaltungen für Gruppen seien abgesagt, neben der Flüchtlingshilfe hätten auch die Betreuer der Awo, der „ProArbeit“ und der städtischen Projektstelle „Flüchtlinge“ den öffentlichen Beratungs- und Besuchsverkehr eingestellt, seien aber telefonisch und per Mail erreichbar. Größer als andernorts scheint man das Infektionsrisiko in den Unterkünften nicht einzuschätzen. „Die Bewohner wohnen in Einzelzimmern und in Mikroappartements. Diese sind räumlich voneinander getrennt, wie in anderen Großwohnanlagen in der Kreisstadt auch“, teilt die Stadt mit.

Gerd Wendtland jedenfalls ist zuversichtlich, dass auch die Menschen mit Migrationshintergrund in Dietzenbach gut aufgeklärt werden über die aktuelle Situation. „Klar sind die Leute verunsichert, aber das sind wir ja derzeit alle.“

Das Coronavirus breitet sich in Hessen immer weiter aus. Im Kreis Offenbach gibt es bereits einen Corona-Todesfall.

Während das Coronavirus Unternehmen und Hotels wirtschaftlich bedroht, können sich Arztpraxen und Apotheken kaum vor Patienten retten. Wie sich Betriebe in Dietzenbach in der Corona-Krise* behelfen.

VON LENA JOCHUM

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