Vor 50 Jahren

Dietzenbach: Eine Gemeinde im Umbruch

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Zu mehreren Gelegenheiten diskutierten die Dietzenbacher die Entwicklung ihrer künftigen Stadt. Hier der politische Frühschoppen der SPD im Mai 1970. 

„Eine Gemeinde im Umbruch“. Das ist nach Mitteilung der Gemeinde-Post die Situation Dietzenbachs im Mai 1970.

Dietzenbach –  Vor einem halben Jahrhundert war Dietzenbach noch eine kleine Gemeinde mit rund 10 300 Einwohnern. In dieser Zeit wurden die Weichen gestellt für die rasante Entwicklung des Ortes.  Anhand zeitgenössischer Beiträge in der Offenbach-Post und der Gemeinde- Post zeigen wir, was die Bürger damals bewegt hat.

„Eine Gemeinde im Umbruch“. Das ist nach Mitteilung der Gemeinde-Post die Situation Dietzenbachs im Mai 1970. Erst kürzlich habe die Volkshochschule mit einer Veranstaltung unter dem Titel „Moderne Stadtplanung – Siedlungsschwerpunkt Dietzenbach“ einen großen Kreis Interessierter versammelt. Dabei habe der Referent, Stadtplaner Schirmer, festgestellt: „Dietzenbachs Entwicklung vom Dorf zur Stadt, die Entwicklung des Kreises Offenbach, geschieht innerhalb eines Ballungsgebietes, das seine Wirtschaftskraft aus Dienstleistungen entwickelt hat. Alles, was geschieht, hat als wirtschaftliche Grundlage das Rhein-Main-Gebiet. Dietzenbach, im Einflussbereich von Frankfurt und Offenbach, ist praktisch ein Vorort von Frankfurt, der sich zu einem autarken Stadtteil entwickelt. Diese Entwicklung in den Griff zu bekommen, ist Sinn der Regionalplanung.“

Ein wichtiger Punkt innerhalb der Planung sei das zukünftige Wohnen. Die Zeitung schreibt: „Die aus den großen städtischen Zentren abwandernden Menschen haben andere Wohnbedürfnisse als die ursprünglich in den Dörfern wohnenden Menschen. So ist es erforderlich, dass die neuen Häuser und Wohnungen den mehr städtischen Wohnbedürfnissen angepasst werden.“ Die Städteplanung in Dietzenbach sei auf ein Wachstum auf etwa 45 000 Einwohnern ausgerichtet. Dementsprechend sollten die neuen Baugebiete den Charakter der künftigen Stadt bestimmen. Dazu müsse der Blick auch in den alten Ort gehen, wo ein Teil der Geschäfte verstreut sei: „Sie sollen zusammengefasst werden. Im Zuge der Sanierung des alten Ortskerns bemüht sich die Gemeinde um die Schaffung von Ladengruppen.“ Darüber hinaus werde Dietzenbach in Zukunft ein „bevorzugter Gewerbestandort“ sein.

In der gleichen Ausgabe befasst sich ein Kommentar ebenfalls mit dem Ausbau der Gemeinde und der Stadtwerdung. Der Schreiber betont: „Dietzenbach will Stadt werden und wird es auch, denn es hat inzwischen die dafür gesetzlich vorgeschriebene Einwohnerzahl erreicht. Und noch dazu feiert es in diesem Jahr sein beurkundetes 750-jähriges Bestehen, ein weiterer würdiger Anlass, aus der Gemeinde Dietzenbach die Stadt Dietzenbach zu machen.“ Entsprechend dürften sich die Gemeindevertreter künftig Stadtverordnete nennen, der Gemeindevorstand werde zum Magistrat, die Beigeordneten zu Stadträten.

Im Hinblick auf die nun zu erwartenden Feierlichkeiten heißt es: „Die Vereine und Institutionen mühen sich redlich, den 750 Jahren einen würdigen Rahmen zu geben“, was aber bisher fehle, das sei die Beteiligung der Einwohner der künftigen Stadt Dietzenbach. „Einige Dutzend Veranstaltungen sind in den letzten Monaten und Wochen schon über die Bühne gegangen und nur zwei von ihnen haben keine roten Zahlen gebracht. Nur zwei von ihnen haben viel Interesse und Beteiligung gefunden.“ Es zeige sich also, dass nur der Erfolg habe, der selbst etwas tue, der seine Veranstaltungen ansprechend anbiete und sich nicht nur auf „Propaganda“ verlasse.

Der Kommentator merkt an: „Und was vielleicht noch bei manchen Veranstaltungen fehlt, das aber ist in Dietzenbach schon seit eh und je der Fall, die wenigsten Dietzenbacher Vereine und Institutionen verstehen es, ihnen einen gewissen festlichen Rahmen zu geben. Manche auswärtigen Besucher und auch Dietzenbacher stellen es fest, man ist beinahe etwas ungehobelt.“

VON BARBARA SCHOLZE

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