Lieder in Gebärdensprache

Erstes inklusives Jugendkulturfestival bringt Menschen mit und ohne Handicap zusammen

Was nicht passt, wird passend gemacht: Störrische Legosteine bearbeitet Racel (Mitte) mit einem Hammer.

„Wir sind alle 1!“, so lautete der Slogan des ersten inklusiven Jugendkulturfestivals im Kreis Offenbach. 

Dietzenbach – Die Veranstaltung hatte sich das Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Partner und Institutionen, die sich für das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung einsetzt, zusammenzubringen und Informationen auszutauschen. Letztlich soll so das Miteinander aller zu einer Selbstverständlichkeit werden. Aber nicht nur der Austausch stand im Vordergrund. „Wir wollen heute zusammen feiern“, sagte Moderator Stephan Toss bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste.

Seit März plante das Organisationsteam um Anette Kirsch und Sabine Ehret vom Fachdienst Jugend und Familie das Fest. Die entsprechenden Partner mit ihren Ständen wurden eingeladen und ein umfangreiches Bühnen- und Mitmachprogramm auf die Beine gestellt. „Wir haben uns entschieden, dass wir das Festival wie einen Tag der offenen Tür gestalten“, sagte Ehret. „Keiner musste sich anmelden, jeder ist herzlich eingeladen, heute mitzumachen.“

Jugendsozialdezernent des Kreises Offenbach Carsten Müller begrüßte die Gäste, lobte das Organisationsteam für seine hervorragende Arbeit und wünschte allen viel Spaß miteinander. „Ich freue mich, dass das Festival auf eine große Resonanz trifft.“ Während die Zahl der Besucher zu Beginn überschaubar war, füllte sich der große Saal im Capitol im Verlauf der Veranstaltung nach und nach. Mehr als zehn Bühnenauftritte, Mitmachaktionen und Workshops erwarteten die Gäste.

Zu Beginn heizte die Musikgruppe „Aimless“ dem Publikum mit ihrem fetzigen Auftritt ein. Anschließend betrat die Hip-Hop-Gruppe „Heartbeat“ mit Schülern der Adolf-Reichwein-Schule die Bühne und animierte die Gäste zum Breakdance. Damit auch Kinder mit Rollstühlen mitmachen konnten, verlegte „Heartbeat“-Mitglied Rico Montero die Aufführung kurzerhand vor der Bühne. Breakdancer wie Philipp und Rico schnappten sich die Rollis und entführten die Kinder auf die Tanzfläche. Bei den Kindern kam das gut an, sie dankten den beiden Breakdancern mit einem breiten Lächeln.

Tanzen lernen konnten die Besucher bei Lulja Déja Vue, die mit allen Kindern Tanzschritte übte. Clown Jurij begeisterte alle mit seiner lustigen und offenen Art. Er blödelte mit den Kleinsten und tanzte mit der im Rollstuhl sitzenden Aya einen flotten Tango. Dass auch hörgeschädigte Menschen singen können, zeigte die aus Frankfurt stammende Gruppe „Lukas 14“. Die ehrenamtlichen Mitglieder sangen Lieder in Gebärdensprache. Viele weitere musikalische und tänzerische Einlagen bereicherten den Tag.

Doch auch abseits der Bühne gab es viel zu erkunden. Die Eventgruppe „Ankaro“ lud Kinder zum Schminken ein. Inhaberin Katharina Löbl, die auch im Orga-Team mitgearbeitet hat, lobte die Veranstaltung und freute sich über den regen Zulauf an ihrem Stand. Einen Mitmachkurs in Gebärdensprache veranstalteten die Mitglieder von „Lukas 14“. Wie Sehbehinderte die Welt wahrnehmen, erfuhren die Anwesenden bei der Aktion „Schau mal“. Dort wurde eine speziell präparierte Brille aufgesetzt, die ein Sehvermögen von nur noch zehn Prozent simulierte.

Der Verein „Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit“, der im Europahaus Kurse wie den Klettergarten anbietet, informierte an seinem Stand über die Arbeit mit Jugendlichen. Friedericke Kühn und Rosali Dietrich beantworteten die zahlreichen Fragen der Besucher. Die Behindertenhilfe Stadt und Kreis Offenbach hatte einen großen Kasten mit vielen Legosteinen dabei. Damit konnten die Kinder eine Lego-Rampe bauen. Die junge Racel ließ sich nicht zweimal bitten und baute die Rampe selbst auf. Störrische Legosteine, die nicht immer passten, wurden dann einfach mit einem Hammer leicht fixiert.

VON BURGHARD WITTEKOPF

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