Tochter Anneke übernimmt Fahnen-Fuchs

Nahtloser Generationenwechsel

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Marianne Fuchs (rechts) übergibt symbolisch die Fahnen an Tochter Anneke, die seit Jahresbeginn das Geschäft an der Offenbacher Straße führt.

Dietzenbach -  Am Kreishaus hängen sie, am Rathaus wehen sie im Wind, und auch das Bürgerhaus zeigt Flagge: Immer wenn in der Kreisstadt Fahnen gefragt sind, fällt automatisch der Name Fuchs. Mehr noch: „Übers Internet verkaufen wir deutschlandweit“, sagt Anneke Fuchs. Von Ronny Paul 

„So wurde unser Geschäft, aber auch die Konkurrenz größer“, fügt die 25-Jährige an, die mit Jahresbeginn die Geschäftsführung von Mutter Marianne bei Fahnen- Fuchs an der Offenbacher Straße übernommen hat. Damit übergibt die 65-Jährige nach 35 Jahren nahtlos das Geschäft an die nächste Generation: „Die Zeit ist reif für die Übergabe und in Rente zu gehen“, sagt sie und lacht. Dabei scheint es, als ob Marianne Fuchs keineswegs so einfach loslassen kann vom Fahnengeschäft. Immerhin sind Firma und Wohnung der Familie unter einem Dach.

Begonnen hatte alles 1980 mit einer Firmenreise nach Südafrika. Ihr Mann Harald sei damals als Ingenieur viel im Ausland unterwegs gewesen, erzählt Marianne Fuchs. „Als er am Flughafen Johannesburg ausstieg, fiel ihm auf, dass die deutsche Fahne gehisst war.“ Das habe ihn gewundert, und er fragte, aus welchem Anlass die Flagge im Wind wehe: „Ihm wurde gesagt, die Fahne wehe für den deutschen Gast im Wind.“ So sei es auch beim Abflug gewesen, schildert Marianne Fuchs. „Das hat uns fasziniert, und wir wollten unseren internationalen Gästen das Gleiche bieten.“

Doch schon die Suche nach verschiedenen Länderfahnen und einem passenden Mast habe sich schwierig gestaltet. „Dann sind wir auf eine Firma in Bonn gestoßen.“ Von da an wehte im Garten der Familie stets die jeweilige Länderflagge des Gastes.

Geschäftsidee beinahe begraben

Da sich so in der Zwischenzeit unzählige Länderflaggen angesammelt hatten, kamen die Dietzenbacher Schützen auf die Familie zu, um sich Fahnen für eine Veranstaltung zu leihen. „Da kam uns die Idee, einen Fahnenverleih zu eröffnen.“ Und schon bald folgte der nächste Schritt: „Ein Gartenbaubetrieb aus Heusenstamm fragte bei uns an, ob wir Fahnen mit Firmenlogo anfertigen könnten. Daraufhin habe ich Angebote eingeholt und bin schließlich mit sechs Firmenfahnen nach Heusenstamm gefahren“, erinnert sich Marianne Fuchs. Tochter Anneke wirft ein: „Oh, dein Trauma.“ Die Mutter erzählt weiter: „Da stand ich da mit den Fahnen, und der Inhaber sagte, er könne sie nicht bezahlen. Da wollte ich die ganze Geschäftsidee schon begraben“, sagt die 65-Jährige. „Doch letztendlich haben wir uns darauf geeinigt, dass die Rechnung in den kommenden sechs Wochen beglichen wird.“ Und so kam es dann auch. „Von da an habe ich für jedes kleinste Fähnchen eine Auftragsbestätigung erstellt. Das war mir eine Lehre.“

1988 – die Familie war fünf Jahre zuvor aus Ober-Roden an die Offenbacher Straße nach Dietzenbach umgezogen – machten sie sich selbstständig. Auch Harald Fuchs stieg mit ein: „Er ist der Macher im Hintergrund“, sagt seine Frau. Eine Näherin gehört ebenfalls zum Betrieb. „Den Siebdruck haben wir früher stets in die Hände von anderen Firmen gegeben“, sagt sie. Mittlerweile wird digital gedruckt, was alles sehr viel einfacher mache. Die Materialien seien alle aus Europa: „Kinderarbeit unterstützen wir nicht. Unsere Produkte enthalten keine Giftstoffe“, betont Marianne Fuchs.

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Anneke Fuchs ist von klein auf mit Fahnen aufgewachsen: „In der Grundschule habe ich immer gesagt: Niemals werde ich die Firma übernehmen.“ Doch in der Oberstufe habe sich ihre Einstellung geändert: „Ich habe während der Sommerferien reingeschnuppert und gemerkt, dass es mir Spaß macht.“ Nach der Schule absolvierte Anneke Fuchs eine Lehre zur Bürokauffrau bei einer Bank und danach ein duales BWL-Studium: Drei Tage im elterlichen Betrieb, zwei Tage Uni in Darmstadt. Seit vier Jahren nun ist sie fest dabei: „Jetzt ist es meine Lebensaufgabe“, verrät sie. „Überall wo ich hinkomme, achte ich auf Fahnen.“

Anneke Fuchs will den Familienbetrieb mit dem selben Angebot wie bisher weiterführen, damit Großkonzerne, Handelsketten, mittelständische Betriebe, Vereine, Schulen, Kirchen und Privathaushalte auch weiterhin Flagge zeigen können.

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