„Ein goldenes Netz“

Dietzenbach feiert zehnjähriges Bestehen des Integrationskonzeptes

„Hänsel und Gretel“ im Zeitraffer: Die Theatergruppe „Märchenfee“ gibt auf der Bühne des Capitols eine Kostprobe ihrer Arbeit.
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„Hänsel und Gretel“ im Zeitraffer: Die Theatergruppe „Märchenfee“ gibt auf der Bühne des Capitols eine Kostprobe ihrer Arbeit.

Seit einem Jahrzehnt gibt es in der Kreisstadt ein Integrationskonzept. Was dahinter steckt und wie vielfältig die seither geleistete Arbeit ist, zeigte sich nun während der Feierlichkeiten zum Geburtstag. Unter den Gästen im Capitol befanden sich etwa Vertreterinnen des Jugendbeirates, wie auch Integrationslotsinnen und die Sachgebietsleiterin der städtischen Seniorenarbeit, Kirsten Wolf, mit ihrem Team. Im Fokus der Letztgenannten steht unter anderem die Unterstützung von älteren Menschen mit Migrationshintergrund.

Dietzenbach - Auch die beiden Sport-Coaches Afaf Mengler und Ralf Schmidt waren zur Feier erschienen. Ebenso anwesend war die neu gewählte Ausländerbeiratsvorsitzende Saliha El Alchak. In ihrem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung trug sie ein Gedicht vor, das von dem Wunsch handelt, eine Spinne zu sein, um so ein „goldenes Netz“ spinnen zu können, in dem alle Menschen eingewebt sind und das aus Liebe besteht. Neben der Versinnbildlichung des Wortes Integration machte El Achak deutlich, wie wichtig es weiterhin ist, dass jeder seine Stärken und Fähigkeiten einsetzt, damit sich Dietzenbach zu seiner multikulturellen Gesellschaft bekennt.

Auch der Erste Stadtrat und Sozialdezernent Dieter Lang verdeutlichte, dass „deutsch sein“ nicht länger bedeute, Eltern aus München oder Köln zu haben, sondern etwa auch aus Aleppo. „Es geht um eine neue Identitätsfindung“, betonte der zukünftige Bürgermeister. Für die einstigen Gastarbeiter aus Griechenland, der Türkei und Italien sei Dietzenbach längst zur Heimat geworden. „Wir sind doch keine Gäste in einem Haus, das wir selbst mitgebaut haben“, zitierte Lang einen Satz aus der Rede von Frank Walter Steinmeier, die der Bundespräsident anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum Thema „sechzig Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“ gehalten hatte.

Boris Berner, Vorstandsvorsitzender der Pro Arbeit, sagte im Verlauf der Feier, dass Dietzenbach verstanden habe, dass es sich bei Integration um einen beweglichen Prozess handele, der stetig an neue Gegebenheiten angepasst werden müsste. Indes konnte die städtische Integrationsbeauftragte Sonja Hoffmann aufgrund einer Corona-Quarantäne nicht persönlich erscheinen. Sie wandte sich jedoch mit einer Grußbotschaft per Video an die Geburtstagsgäste.

Mit dem emeritierten Professor Friedrich Heckmann der Universität Bamberg trat einer der Hauptakteure des Integrationskonzeptes ans Rednerpult. Der einstige Erste Stadtrat Dietmar Kolmer hatte Heckmann gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Forums für europäische Migrationsstudien beauftragt, das Konzept zu entwickeln. „Es ist erfreulich zu sehen, dass Dinge sich gut entwickelt haben, die man angestoßen hat“, sagte der Soziologe. Ebenso freute er sich darüber, dass die Arbeitsgruppen, die bei der Entwicklung des Integrationskonzeptes mitgeholfen hatten, auch heute noch bestehen.

Welche Themen im Mittelpunkt der insgesamt fünf AGs stehen, erfuhren die Gäste während der Workshops im zweiten Teil der Veranstaltung. Zudem konnten sie sich beim „Markt der Möglichkeiten“ einen Eindruck davon verschaffen, welche Projekte die einzelnen Akteure bereits auf die Beine gestellt haben. Darunter sind etwa die im Jahr 2014 gegründete Fahrradwerkstadt sowie die von Perminder Kaur-Jasuja geleiteten Sport- und Gedächtnisspiele für Senioren verschiedener Herkunft. Ebenso dazu gehört auch das generationsübergreifende Theaterprojekt „Märchenfee“, das Kinder spielerisch dabei unterstützt, Deutsch zu lernen. Eine Kostprobe davon gab es auch während der Geburtstagsfeier. Da führte die Gruppe das Märchen „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm im Zeitraffer auf. (Anna Scholze)

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