Ein verflixtes 800. Jahr

Die Festwoche zum Jubiläum Dietzenbachs und weitere Veranstaltungen sind nun abgesagt

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Die Gläser auf dem Europaplatz bleiben leer: Die Stadt hat nun das Weinfest ebenso wie die Festwoche zum 800-jährigen Bestehen abgesagt.

Wenn eins klar ist: Ein Virus schert sich einen Dreck um besondere Jubiläen. Das bekommen nun auch die Bürger Dietzenbachs zu spüren. Es ist ein verflixtes 800. Jahr. 

Dietzenbach – Lange war darüber spekuliert worden, was denn nun mit dem Weinfest und vor allem mit der für Mitte August geplanten Festwoche zu „800 Jahre Dietzenbach und 50 Jahre Stadtrechte“ angesichts der Corona-Pandemie passieren würde. Nun hat die Stadt den Schritt gemacht, den viele Vereine wegen der gänzlichen Untersagung von Großveranstaltungen bis Ende August schon im Vorfeld gefordert hatten (wir berichteten): Die Festwoche ist abgesagt.

„Es sollte ein unvergessliches Jahr für Dietzenbach werden. Es wurde mit Kreativität, Engagement und Liebe zum Detail viel vorbereitet, um die heutige Kreisstadt gebührend zu feiern“, heißt es in dem Absageschreiben aus dem Rathaus. In der Tat wurden viele Räder in Bewegung gesetzt, in vielen Sitzungen des Festtagskomitees und auch der Stadtverordnetenversammlung über Programmumfang, -gestaltung und Finanzmittel teils kontrovers diskutiert. Geplant waren in der Festwoche unter anderem ein „Abend der Städtepartnerschaften“, die „FFH Hit Arena“, ein Kinder-Spiele-Fest, eine Rocknacht, die „Nacht der Lichter“ oder ein Elektro-Festival.

Nun steht unterm Strich die unvermeidliche Absage des Ganzen. „Es ist besonders bitter, solch eine Entscheidung treffen zu müssen und mitzuteilen“, schreibt Bürgermeister Rogg und verweist auf „Herzblut, Innovationskraft und unzählige Stunden“, die bereits in die Vorbereitungen gesteckt worden seien. Das stimme ihn „schon traurig“.

Eine zunächst diskutierte „Eins zu eins“-Verlegung ins kommende Jahr scheint allerdings auch vom Tisch. So heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus: „Einen Nachholtermin der kompletten Festwoche im Jahr 2021 wird es sehr wahrscheinlich nicht geben.“ Die Verwaltung gehe in Anbetracht der Corona-Krise und den damit einhergehenden finanziellen Herausforderungen nicht davon aus, dass eine Festwoche wie sie für 2020 geplant wurde, für 2021 realistisch sei. „Doch davon lassen wir uns nicht unterkriegen“, betont Rogg optimistisch. „Wir wären nicht Dietzenbach, wenn wir nicht trotz der schwierigen Umstände etwas Positives aus der Situation machen würden.“

Angedacht sei, einige neu konzipierte Veranstaltungsformate in einem kleineren Rahmen auf das kommende Jahr zu verlegen. Verschiedene Akteure prüften aktuell, wie man trotz der Corona-Einschränkungen vereinzelt Akzente im Geiste der Jubiläen setzen könne. „Es kann kein vergleichbares Angebot werden, da sich die Rahmenbedingungen und auch die finanziellen Möglichkeiten verändert haben, aber die Jubiläen sind nun mal in diesem Jahr und wir behalten diese trotz der aktuellen Lage im Auge“, versichert der Bürgermeister und Kulturdezernent. Kleine Aktionen, Veranstaltungen und natürlich auch Online-Angebote könne er sich gut vorstellen und appelliert an die Kreativität der Menschen.

Die finanziellen Auswirkungen könnten noch nicht beziffert werden, heißt es aus dem Rathaus auf Nachfrage. Aktuell sei man dabei, Verträge in Bezug auf Veranstaltungen umzubuchen beziehungsweise in Einzelfällen uz stornieren. Es gebe allerdings unterschiedliche Vertragsmodelle. Auch seien Kosten unabhängig von konkreten Veranstaltungen angefallen, wie etwa für den Druck des Programmheftes oder Flaggen. Diese seien allerdings gering, teilweise mit Einnahmen refinanziert und weiterhin passend für das Jubiläumsjahr, das „leider anders verläuft, als geplant“.

Ebenfalls der Corona-Pandemie zum Opfer fallen das Weinfest auf dem Europaplatz und das „Fest ohne Grenzen“.

VON RONNY PAUL

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