Firma versorgt Flugzeuge mit Energie

Cavotec Germany: Auftanken zum Abheben

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Cavotec-Mitarbeiter Markus Jakob erläutert seiner Kollegin (von links), Eva Geithe, Niclas Aull und Julia Interwies von der Firma Müller ein System für die Stromversorgung im Flugzeug.

Dietzenbach - Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Von Tamara Schempp 

Diesmal haben wir das Unternehmen Cavotec Germany GmbH besucht. Mit neugierigen Blicken betrachten Eva Geithe, Niclas Aull und Julia Interwies die bunten Kabel und Knöpfe, die sich unter der metallenen Klappe befinden, die Markus Jakob gerade hochfahren lässt. Jakob erläutert den drei Besuchern der Hausmesse anlässlich des 50. Geburtstags der Firma Cavotec das sogenannte Hatch Pit, ein aufklappbares Anschlussystem für die Bodenstromversorgung eines Flugzeugs. Die beiden 16-jährigen angehenden technischen Produktdesigner Aull und Interwies sowie ihre fünf Jahre ältere Mentorin Geithe interessieren sich jedoch hauptsächlich für eines: die Blechteile.

Die entwerfen und konstruieren die drei nämlich täglich in ihrer Firma Müller GmbH. Der im Spessart ansässige Spezialist für Feinblechbautechnik ist einer von mehr als 100 Zulieferern der Cavotec Germany GmbH, die seit 2012 ihren Standort in Dietzenbach mit rund 100 Mitarbeitern hat. Das börsennotierte Technologieunternehmen produziert flexible Energieversorgungssysteme, die an Flughäfen zum Einsatz kommen.

Eines der Schwerpunkte von Cavotec sind 400-Hertz-Systeme für die Stromversorgung sowie Klimageräte und Schläuche, die kalte Luft ins Innere des Flugzeugs blasen. Mittels spezieller Ladestationen, die in den Boden eingelassen sind und fahrbaren Geräten, die teils an metallene Bollerwagen erinnern, versorgt Cavotec auf dem Flughafen-Vorfeld selbst Super-Jumbos wie den Airbus A 380 mit allem, was sie für die Reise benötigen: Strom, Luft, Wasser oder Kerosin. Dass die dafür verwendeten Kabel und Schläuche gelb sind, habe mit der Wirkkraft der Farbe zu tun, erläutert der Operations-Direktor am Cavotec-Standort in Dietzenbach, Thomas Dreyer: „Am Flughafen herrscht nachts diffuses Licht.“

Das Ziel des Spezialisten für Airport-Technologie sei es, den „Carbon footprint“, also die CO2-Bilanz, auf ein Minimum zu reduzieren, informiert Dreyer. Das internationale Unternehmen habe drei Philosophien: sogenannte In- und On-ground-Systeme – in den Boden eingelassen oder auf dem Boden fahrbar – sowie Installationen unter Passagierbrücken. Diese lassen sich je nach Bedarf aufklappen, hochfahren oder andocken und funktionieren über Gegengewichte.

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Dreyer hat anlässlich des 50. Geburtstags der Firma rund 70 Kunden und Zulieferer nach Dietzenbach eingeladen. Bei der feierlichen Rede auf Englisch weiht der 54-Jährige seine Gäste in die Firmengeschichte ein. 1968 gründete Manfred Fladung eine gleichnamige GmbH, die sich zu einem global agierenden Familienunternehmen entwickelte. 2004 musste Fladung seine Firma aus gesundheitlichen Gründen verkaufen. In diesem Jahr wurde die Fladung GmbH vom international marktführenden Cavotec-Konzern aus Schweden akquiriert. Der Umzug vom deutschen Standort in Mömbris bei Aschaffenburg folgte 2012. In Dietzenbach profitiert die Firma von der Nähe zum Frankfurter Flughafen.

Dass die Technik- und Metallbranche noch immer eine Männerdomäne ist, wird beim Kundenevent sichtbar. Frauen sind bei den Gästen neben den Männern im Anzug deutlich in der Unterzahl. Auch in der Produktionshalle ist keine einzige zu sehen, obwohl dort und in der Konstruktion bei Cavotec „einige“ arbeiten, wie Thomas Dreyer auf Nachfrage erläutert. „Bei den Ingenieuren könnten es mehr sein“, gibt der Geschäftsführer zu.

„Ich wollte keinen typischen Frauenberuf, mir macht das Konstruieren Spaß“, erläutert die 21-jährige technische Produktdesignerin Eva Geithe auf die Frage, was sie an ihrem Job bei einem Feinblechunternehmen fasziniert. Geithe und die beiden Azubis Aull und Interwies sehen ihre am Computer entworfenen Blechteile das erste Mal als Endprodukt. „Das ist schon cool“, findet Geithe.

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