Hinter den Kulissen in Dietzenbach

Firma Novatec produziert Corona-Antikörpertests

Novatec-Produktionsleiterin Dimitra Passias-Puglisi und ihr Stellvertreter Julian Fleig bei der Produktion eines Kontrolltests, der nachweisen soll, dass die Corona-Tests ordnungsgemäß funktionieren.
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Novatec-Produktionsleiterin Dimitra Passias-Puglisi und ihr Stellvertreter Julian Fleig bei der Produktion eines Kontrolltests, der nachweisen soll, dass die Corona-Tests ordnungsgemäß funktionieren.

Ob hinter kleinen Ladentheken in der Altstadt oder in großen Hallen im Gewerbegebiet: Die Dietzenbacher Unternehmenswelt hat einiges zu bieten. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Diesmal haben wir das Diagnostik-Unternehmen Novatec besucht.

Dietzenbach – Im Waldpark in Steinberg werden unter anderem die zurzeit weltweit wohl gefragtesten Tests produziert: Das Diagnostikunternehmen Novatec Immundiagnostica hat im März dieses Jahres, nach einer Entwicklungsphase, mit der Produktion von Antikörpertests zum Nachweis von COVID-19-Erkrankungen begonnen und liefert diese zusammen mit ihrem Partner, dem Rüsselsheimer Unternehmen Virotech Diagnostics, in die ganze Welt. Beide mittelständische Firmen gehören seit August 2018 zum französischen Laborkonzern Eurofins.

Auf der Basis von Tests, die Dr. Helmut Duchmann entwickelte, entstand 2001 das Familienunternehmen Novatec Immundiagnostica GmbH mit Sitz an der Waldstraße. Von Beginn an produzierte die Firma Tests zum Nachweis von Infektionskrankheiten wie Mumps, Masern, Borreliose, FSME oder Herpes. In den folgenden Jahren kamen Nachweise von tropischen Erkrankungen sowie einzelne Parameter wie Röteln oder Toxoplasmose in der Schwangerschaftsdiagnostik hinzu.

Für Entwicklung der Corona-Antikörpertests 25 Mitarbeiter eingestellt

Aus dem kleinen Familienbetrieb mit rund zehn Beschäftigten ist mittlerweile ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitern geworden. „Als wir im März anfingen, Antikörpertests zur Erkennung von COVID-19-Infektionen zu entwickeln, haben wir innerhalb von zwei Monaten 25 neue Mitarbeiter eingestellt“, erläutert Britta Duchmann-Berlie. Zusammen mit ihrem Mann Rodrigo Berlie leitet sie Novatec Immundiagnostica.

Doch nicht nur neues Personal wurde benötigt, auch die für die Entwicklung der Tests wichtigen Enzyme mussten eingekauft werden. „Wir haben fünf Millionen Euro für das Rohmaterial investiert“, sagt die Geschäftsführerin. Außerdem wurde der Standort erweitert, um Platz für neue Ausrüstungen und Lagerfläche zu haben. Rodrigo Berlie dazu: „Wir lagern die Materialien in einer 660 Quadratmeter großen Halle.“

Eine besondere Herausforderung war die Massenproduktion der Corona-Tests. „Wir haben in einem kleinen Entwicklungslabor angefangen“, erzählt Britta Duchmann-Berlie. Innerhalb von drei Wochen sei es ihrem Team gelungen, einen Test auf der Grundlage einer spezifischen, molekularbiologischen Enzymreaktion herzustellen, eine sensitive Methode, die Erkrankungen mit COVID-19 nachweisen kann. Dass es so schnell ging, verdanke das Unternehmen dem Fleiß und dem Tatendrang seiner Mitarbeiter, betonen die Geschäftsführer.

Produziert werden die Tests in den Laborräumen der Firma. In einem sterilen Zimmer stellen die Wissenschaftler zwei von insgesamt fünf Komponenten des Corona-Tests her, erläutert Projektleiterin Dimitra Passias-Puglisi. Da es sich um einen sensitiven, molekularbiologischen Test handelt, müssen die Wissenschaftler neben einem Kittel Handschuhe und Kopfbedeckung tragen, um die Proben nicht zu verunreinigen. An der Wand hängt eine exakte Anleitung, in welcher Reihenfolge die Kleidung anzulegen ist. Auf dem Boden ist ein Bereich mit rotem Klebeband markiert, innerhalb dem sich die Forscher umziehen müssen.

15 Millionen Corona-Tests kann die Dietzenbacher Firma Novatec im Monat produzieren

Einen Raum weiter, der frei von jeglichen störenden Substanzen ist, werden die fertigen Analyse-Kits gelagert. Erst dort wird der Kontrolltest mit den drei weiteren Komponenten zusammengefügt. Bei Minus 25 Grad Celsius werden in einem Gefrierschrank rund 400 Kits aufbewahrt. „Wir können damit etwa 160 000 Patienten analysieren“, sagt Rodrigo Berlie. Etwa 15 Millionen dieser Test könnte Novatec zusammen mit seinen Partnern in einem Monat herstellen.

Von Selbst-Tests, wie etwa fürs Messen von Zuckerkonzentrationen im Blut von Diabetikern, sind beide Geschäftsführer nicht überzeugt. „Das Kapillarblut aus den Fingern ist nicht mit dem Venenblut vergleichbar“, erläutert Britta Duchmann-Berlie. Und auch Selbst-Tests mit Speichel seien ihrer Meinung nach nicht sicher genug, „sie könnten verunreinigt werden“.

Daher legte Novatec bei der Entwicklung Wert auf schnelle Ergebnisse. „Momentan dauert die Auswertung einer Probe zwei Stunden, das ist viel zu lang“, meint Rodrigo Berlie. Ab Mitte September können Labors die neuen Tests nutzen. (Von Joshua Bär)

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