Kultur

Freigelegte Wege: Der Geschichtspfad wurde renoviert und erstrahlt nun in neuem Glanz

Besichtigung: Sandra Homberg (Fachbereichsleiterin Bau- und Immobilienmanagement), die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, Bürgermeister Jürgen Rogg, Kjell Schmidt (Geschäftsführer der Regionalpark RheinMain GmbH), Projektleiterin Carmen Hauser, Erster Stadtrat Dieter Lang und Stefan Rogge (Abteilungsleiter Grünflächenbewirtschaftung) verschaffen sich vor Ort einen Eindruck vom frisch renovierten Geschichtspfad.
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Besichtigung: Sandra Homberg (Fachbereichsleiterin Bau- und Immobilienmanagement), die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, Bürgermeister Jürgen Rogg, Kjell Schmidt (Geschäftsführer der Regionalpark RheinMain GmbH), Projektleiterin Carmen Hauser, Erster Stadtrat Dieter Lang und Stefan Rogge (Abteilungsleiter Grünflächenbewirtschaftung) verschaffen sich vor Ort einen Eindruck vom frisch renovierten Geschichtspfad.

Die Anlage sei ein „Kleinod in der Stadt“ betonte Claudia Jäger. Mit diesem Lob begleitete die Aufsichtsratsvorsitzende der Regionalpark RheinMain GmbH und Erste Kreisbeigeordnete die offizielle Begehung nach der Renovierung des Geschichtspfades im Osten der Stadt. Als Teil des Regionalparks Rhein-Main hatte der Landschaftsarchitekt Wilfried Baumgartner im Jahr 2000 die Stationen der Ortsgeschichte mitten in der Natur konzipiert und gestaltet, ein Jahr später, im Rahmen des Hessentages, wurde die Anlage offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Dietzenbach – „Nach 20 Jahren hat der Zahn der Zeit doch sehr an den Stationen genagt“, stellte Bürgermeister Jürgen Rogg nun fest. Auch dem Vandalismus nicht-fürsorglicher Nutzer konnte die parkartig gestaltete Denkmalstrecke mit ihren zehn Stationen oft nicht entgehen.

Entsprechend waren trotz beständiger Pflegemaßnahmen, unter anderem bei einem „Social Day“ von Mitarbeitern der Verwaltung und der Städtischen Betriebe, dringende Sanierungsarbeiten notwendig. Schon lange hatten nicht gerade künstlerisch besprühte Mauern, unwegsame Pfade und bröckelnde Bauwerke dem ungetrübten Geschichtsvergnügen entgegengewirkt. Aufpeppen konnte die Stadt den Vorzeigepfad jetzt mithilfe eines Sonderfonds der Regionalpark RheinMain GmbH. „Durch Corona ist der ein oder andere Plan ins Stocken geraten, sodass wir das nicht verwendete Geld in bereits bestehende Projekte investieren konnten“, teilte Jäger mit. Dabei fiel die Wahl auch auf den Dietzenbacher Geschichtspfad. 15 000 Euro Fördermittel stellte die Regionalpark Gesellschaft zur Verfügung. „Das ist das Maximum pro Einheit“, so Jäger.

Sogar neue Stationen kamen hinzu

Angepackt hatten im Rahmen der Auffrischung mehrere Abteilungen wie Stadtplanung und Städtische Betriebe, die Projektleitung lag in den Händen von Carmen Hauser. Im Mittelpunkt der Arbeiten standen unter anderem die Wege und Pfade rund um die einzelnen Stationen. „Jetzt kann man wenigstens noch mal erkennen, wo man laufen kann“, freute sich Kjell Schmidt, Geschäftsführer der Regionalpark GmbH. Gründlich geschrubbt und von Farben und Unrat befreit wurde ebenso die Klinkermauer am Ende des Pfades, die als Rastplatz gestaltet ist. Dort sollen gerade die nun aufgefrischten Steine an die ehemalige „Russenhütte“ erinnern, eine Dietzenbacher Ziegelei, in der mit offenem Brand Ziegel hergestellt wurden, die aufgrund ihrer schlechten Qualität „Russen“ genannt.

Indes wurden nicht nur die bestehenden Stationen des Geschichtspfades aufgehübscht, es kam sogar eine Neue dazu. So erinnert ein frisch angelegter Wingert künftig an die Dietzenbacher Weinbau-Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht. Darüber hinaus wies Bürgermeister Jürgen Rogg während des Rundganges darauf hin, dass auch heute noch auf einer rund 850 Quadratmeter großen Anbaufläche Weinbau auf dem Wingertsberg betrieben wird.

Wildheit ist hier gewollt

Neben den baulichen Denkmälern sei entlang des Pfades ebenso die Botanik bemerkenswert, betonte Erster Stadtrat Dieter Lang. „Wir haben hier ein Biotop mit einer wertvollen Vielfalt von verschiedenen Arten, die es in der gesamten Umgebung sonst kaum gibt“, sagte er. Verantwortlich sei ein Boden mit seltenem Magersand. Dabei sei es notwendig, dass die Raritäten ungestört wachsen und blühen dürften, ständiges Mähen und Säubern sei also ein Tabu. „Auch wenn mancher Besucher das nicht versteht, die Wildheit hier ist gewollt und darf so sein“, stellte Lang fest.

So beginnt die Naturbelassenheit bereits mit dem Zeittunnel am Anfang des Pfades, der aus einem von Grün überwucherten Gerüst besteht. Am anderen Ende der lang gezogenen Wegstrecke zeugt das aufbrechende „Dietzenbacher Ei“ des Frankfurter Künstlers Joachim Kreutz von der Geburtsstunde der heutigen Kreisstadt. Dazwischen symbolisiert ein Fachwerkwürfel das einstige Dörfchen im Wiesengrund, ein unfertiges Betonkarree, jetzt frisch renoviert und ausgebessert, steht für die Entwicklung des Ortes und betont die Dynamik der heutigen Stadt. An eher schreckliche Ereignisse erinnert die Haltestelle „Das Ende des Nazi-Regimes“, ebenso gemahnt ein kärgliches Feld an eine Hungersnot. Ein Stück Gleis mit Schotterbett versinnbildlicht den Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1898. Dargestellt sind zudem die Verwüstung Dietzenbachs im Dreißigjährigen Krieg sowie die Vor- und Frühgeschichte der Stadt. (Von Barbara Scholze)

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