Kommunalpolitiker beteiligen sich an Belohnung

Glockenraub auf dem Friedhof in Dietzenbach: Mehr als 2000 Euro für Hinweise

Mit brachialer Gewalt durchbrachen die Diebe das Friedhofstor, die Schäden sind noch an der Mauer zu sehen.
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Mit brachialer Gewalt durchbrachen die Diebe das Friedhofstor, die Schäden sind noch an der Mauer zu sehen.

Noch gibt es keine Spur von der Kirchenglocke, die Unbekannte in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember vom Friedhof in Dietzenbach entwendeten. Deswegen haben Kommunalpolitiker angekündigt, die ausgelobte Belohnung aufzustocken.

Dietzenbach – Wie berichtet, hatten die Täter das Eingangstor des Friedhofs mit einem größeren Fahrzeug durchbrochen und die etwa 800 Kilogramm schwere Glocke abtransportiert. Der spektakuläre Raub sorgte auch überregional für Schlagzeilen: „Dreist und skrupellos: Bürgermeister tobt nach Diebstahl von historischer Glocke“ und „Heiliger Bimbam! 800-Kilo-Glocke von Friedhof geklaut“ titelten Boulevardmedien. Für sachdienliche Hinweise lobte die Stadt eine Belohnung von 500 Euro aus, die Bürgermeister Dieter Lang um 500 Euro aufstockte. „Die Tat ist an Dreistigkeit, Skrupellosigkeit und seelischer Verrohung kaum zu überbieten“, kommentierte der Rathauschef den Diebstahl.

Inzwischen haben auch weitere Kommunalpolitiker angekündigt, sich an der ausgelobten Belohnung zu beteiligen. So steuert Stadtverordnetenvorsteherin Andrea Wacker-Hempel 100 Euro bei und auch die zweiköpfige Fraktion der Freien Wähler (FW-UDS) wird 200 Euro drauflegen. „Die Glocke ist durch ihren Standort vor der Trauerhalle für sehr viele Dietzenbacher – unabhängig von der individuellen Glaubensrichtung – ein verbindendes Monument und wir sollten auch als Stadtverordnete unsere Betroffenheit und Empörung deutlich zum Ausdruck bringen“, begründet der Fraktionsvorsitzende Jens Hinrichsen die Beteiligung.

Dietzenbach: Empörung über Glocken-Diebstahl

Von einem „Verbrechen, das die menschliche Vorstellungskraft übersteigt“, spricht der AfD-Fraktionschef Heinrich Eckert. Er und seine Parteikollegen wollen auf Sitzungsgelder in Höhe von 500 Euro verzichten und diese der Belohnung hinzufügen, teilt er mit.

Auch die CDU-Fraktion zeigt sich „schockiert“ über den „dreisten“ Diebstahl: „Die Kirchenglocke ist ein für Dietzenbach bedeutendes Kulturgut und hat großen ideellen Wert für die Stadt. Aus diesem Grund wäre es sehr wichtig, dass die Glocke gefunden und an ihren Standort wieder zurückgeführt wird“, so der Fraktionsvorsitzende Manuel Salomon. Man begrüße die Bemühungen der Stadt, mit Hilfe einer Belohnung „für Hinweise zum Verbleib der historischen Glocke zur Aufklärung des Diebstahls beizutragen“. Auch die CDU Dietzenbach werde sich beteiligen, kündigen die Christdemokraten an.

SPD Dietzenbach: Polizei-Dienststelle unterbesetzt

„Wir sind gerne bereit, gemeinsam mit den anderen Fraktionen ein Zeichen zu setzen“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Sven Hartmann. „Über die genaue Summe müssen wir uns noch beraten.“ Ebenfalls 500 Euro steuert die SPD-Fraktion bei, wobei der Fraktionsvorsitzende Ahmed Idrees auch das Land in der Verantwortung sieht, denn die Dietzenbacher Dienststelle der Polizei sei unterbesetzt. „Wir müssen an die Ursache ran“, so Idrees. Das Problem könne nicht von der Stadt Dietzenbach alleine gelöst werden.

Die Grünen wollen sich hingegen nicht an ausgelobten Summe beteiligen, weil sie dadurch ein falsches Signal befürchten: „Man belohnt damit mit hoher Wahrscheinlichkeit die Falschen“, so Fraktionsvorsitzende Edeltraud Chawla. „Wir appellieren an die Täter, die Glocke zurückzubringen.“

Polizei Dietzenbach nimmt Hinweise entgegen

Die Polizei hat indessen noch keine Spur von den Dieben, hofft aber weiterhin auf Hinweise. In der Vergangenheit sei immer mal wieder Grabschmuck oder Metall auf Friedhöfen geklaut worden, „aber dass so ein großes Teil mit einem solchen Aufwand gestohlen wurde, ist unseres Wissens bisher nicht vorgekommen“, informiert eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen.

Sie kann sich vorstellen, dass die Diebe vorab den Tatort ausgespäht haben. Zeugen, die also auch schon vor dem 28. Dezember verdächtige Fahrzeuge oder Personen auf oder rund um den Friedhof beobachtet haben, können sich ebenfalls bei der Polizei melden. Hinweise nimmt die Dietzenbacher Polizeistation unter der Nummer 06074/8370 entgegen. (Von Anna Scholze und Niels Britsch)

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