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Die Grotte öffnet heute zum letzten Mal ihre Türen

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Herbert Michel an „seinem“ Stammtisch in der Grotte. -  Foto: wac
Herbert Michel an „seinem“ Stammtisch in der Grotte. © wac

Dietzenbach - Jahrzehntelang war Herbert Michels Kneipothek „Zur Grotte“ ein Monolith in Dietzenbachs Gaststättenlandschaft. Heute, nach dem Fastnachtsumzug, steht die letzte offizielle Öffnung an. Von Christian Wachter

Der Abend senkt sich auf die Dächer der Vorstadt, die Kinder im Hof müssen heim. Der Tag ist vorüber, die Menschen sind müde, doch viele gehn’ nicht gleich nach Haus, denn drüben klingt aus einer offnen Türe Musik auf den Gehsteig hinaus. Als Peter Alexander 1976 „Die kleine Kneipe“ besungen hat, muss er damit auch Lokalitäten wie Dietzenbachs Grotte gemeint haben. Heute ist dort – so machte es in den sozialen Medien die Runde – das letzte Mal Gelegenheit, über das zu sprechen, was einem die Laune vergällt, bei Bier und Persico noch einmal Lösungen zu finden für alle Probleme der Welt. Nach dem Umzug lädt die Grotte zur „letzten offiziellen Öffnung“, wie es unter anderem auf Facebook zu lesen war. Noch vor Rosenmontag wird aus dem Gebäude an der Rathenaustraße ein reines Privathaus.

Die Party wird von Herbert Michels Sohn Wolfgang organisiert. Natürlich, erzählt Herbert Michel, der die Gaststätte jahrzehntelang betrieb, werde er aber auch da sein. Die große Inszenierung des letzten Biers, des letzten Zusperrens der Tür, wird es nicht geben. „So etwas mach ich net, ich hör einfach uff“, sagt er. Die Gäste kamen einfach nicht mehr so zahlreich wie früher. Den einen Moment, die eine Anekdote gibt es nicht, wenn er darüber nachdenkt, was von der langen Zeit am ehesten hängen bleibt. „Ach das sind all die Jahre, da muss man die Gäste fragen.“

Zu Beginn der Sechzigerjahre, erinnert sich Michel, haben seine Eltern das Haus an der Rathenaustraße gekauft, servierten gut-bürgerliche Küche. „So etwas gab es in Dietzenbach damals noch nicht, man hat vielleicht Frikadellen bekommen, viel mehr aber nicht.“ Seine Mutter kannte sich damals schon aus in der Gastronomie, hatte im Heimatort Neckarsteinach in einer Gaststätte gearbeitet. Die Geschäfte liefen gut und 1965 kaufte Herbert Michel das Gebäude. Der Plan: Aus der Gaststätte sollte eine Disko werden. Von da an tanzten sich Generationen durch die Musikgeschichte, sangen mit, wenn Michel Lieder wie „Junge, komm’ bald wieder“ oder „Sie hieß Mary Ann“ auflegte. Er habe immer gut mit den Leuten gekonnt, sagt Michel, sei gerne mittendrin gewesen. „Ob jemand ein Kind gemacht hat oder irgendetwas anderes passiert ist, ich war immer der Erste, der etwas erfahren hat“, sagt er lächelnd.

Die Inspiration für das bis heute so markante Interieur sei fast zufällig gekommen. In einer Gaststätte an der Mosel hatte die Familie eine Gaststätte entdeckt, die auf die Grotten-Optik setzte. Ob der Distanz nicht von Konkurrenzbedenken geplagt, kam der Besitzer sogar vorbei und beriet. Dann legte Michel selbst Hand an, besorgte die Folie, die einst orangefarben war und heute blau ist, Pappmaché und alles, was sonst noch gebraucht wurde.

So richtig Stress gab es selten, sagt Herbert. Einmal, sei „eine Bagage aus Offenbach“ aufgetaucht, die ganz offensichtlich Stress suchte. Allerdings waren die Handballer und Fußballer der Kreisstadt Stammgäste zu dieser Zeit. Und als sie geschlossen aufstanden, waren die Gäste leicht zur Heimreise zu bewegen. Natürlich, erinnert er sich, habe es trotzdem ab und an ein Hausverbot gegeben. Wen er aber kannte, dem standen die Türen zur Rehabilitation offen.

Den Persico hat Michel in einer Kneipe in der Heimat entdeckt. Er kaufte dem Wirt eine Flasche ab und fand im Großhandel mehr davon. Bald wurde der Kirschlikör Kult. „Man muss ihn auf drei Schlucke trinken, dann hat man was Gutes und keinen Kater.“ Er werde die Grotte vermissen, sagt Michel. „Manchmal sage ich zu meiner Frau: Guck, es ist 20 Uhr, eigentlich würde ich jetzt aufmachen.“

Die Grotte an der Rathenaustraße öffnet heute ab 17 Uhr. Für Musik sorgt DJ Wolle.

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