Grundsteuer B Erhöhung

Bürgermeister Rogg im Interview: „Es war ein erfolgreiches Jahr“

Zehn Jahre im Amt: Bürgermeister Jürgen Rogg blickt nicht nur auf 2019 zurück.
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Zehn Jahre im Amt: Bürgermeister Jürgen Rogg blickt nicht nur auf 2019 zurück. 

Zehn Jahre ist Jürgen Rogg nun schon Bürgermeister. Ob er 2021 noch einmal kandidiert, hat er bislang offen gelassen. Im Interview blickt der Rathauschef nicht nur auf 2019 zurück, sondern kündigt auch eine Erhöhung der Grundsteuer B an.

Dietzenbach – Sie sind nun seit zehn Jahren Bürgermeister. Was hat sich für Sie in dieser Zeit alles verändert?

Privat hat sich sehr viel verändert, weil man als öffentliche Person merkt, dass man sich sehr genau überlegen muss, wo man hingeht und was man sagt. Die Anzahl der privaten Beziehungen und Freundschaften reduziert sich über die Jahre stark, sodass man nur noch wenige Kontakte außerhalb des Berufes hat. Das ist sehr schade.

Und beruflich?

Meine Sichtweise auf die Verwaltung als solches hat sich verändert. Ich komme aus der freien Wirtschaft und hatte einige Vorurteile. Die habe ich heute nicht mehr. Heute verstehe ich, warum Verwaltung so handelt, wie sie handelt.

Meinen Sie die Schnelligkeit?

Als Außenstehender meint man, Verwaltung ist kompliziert und langsam. Nur, die Anzahl der Gesetze, Verordnungen und Regelwerke, die von einer Verwaltung in unterschiedlichen und vielfältigen Themengebieten einzuhalten sind, ist sehr hoch. Leider dauert’s manchmal ein bisschen länger und leider sind Behördenschreiben auch teils schwer zu verstehen, weil oft Rechtsbehelfe mit eingebaut werden müssen und die Schreiben nach Möglichkeit nicht angreifbar sein sollen. Denn – und das hätte ich auch nicht gedacht, bevor ich in dieses Amt gekommen bin – die Klagefreudigkeit unserer Bürger, wenn irgendwas nicht so läuft, wie sie es möchten, ist hoch. Nicht nur in Dietzenbach, das weiß ich auch von meinen Amtskollegen.

Was bleibt Ihnen von 2019 besonders im Gedächtnis.

Es war ein erfolgreiches Jahr, auch für die Wirtschaftsförderung. Das komplette Baugebiet 63 ist nun verkauft. Die Strategische Zielplanung war ein kleiner Meilenstein für die Stadt. Zudem wirft das Jahr 2020 seine Schatten voraus. Die Jubiläumsfeier hat uns schon dieses Jahr intensiv beschäftigt. Einzelne Themen herauszupicken ist schwierig. Der Sturm hat vieles überschattet.

Wie kann man die Sturmschäden ökonomisch und ökologisch kompensieren?

Die fehlenden Einnahmen werden wir nicht kompensieren können, aber sie sind erträglich. Die Verkehrssicherung wird auch die nächsten Jahre hohe Kosten verursachen. Ich glaube auch nicht, dass wir den ökologischen Schaden, den wir da erlitten haben, innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre kompensieren können. Es sind Bäume gefallen, die ein erhebliches Alter hatten.

Da hat sich gezeigt, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehr ist. Macht Ihnen deren Mitgliederstärke Sorgen?

Das macht mir schon lange Sorgen. Wir werden zusammen mit den Verantwortlichen der Feuerwehr immer wieder neue Wege suchen müssen, um Nachwuchs zu finden. Wir helfen uns seit Jahren aber auch durch die Alarmierung umliegender Feuerwehren der direkten Nachbarstädte. Wir haben immer mehr Zeitfenster an Werktagen, in denen wir nicht ausreichend Helfer hätten, um die zehn Minuten Regelhilfsfrist, innerhalb denen die Feuerwehr am Einsatzort sein muss, einzuhalten. Das geht nur durch die Unterstützung der umliegenden Feuerwehren. Das funktioniert vorbildlich. Die Nachbarschaftshilfe in diesem Bereich ist toll.

Möglicher Quarzsandabbau im Eulerwald hat die Gemüter erregt. Die Pläne sind nun vom Tisch. Hätten Sie den Abbau persönlich befürwortet?

Ich mache das Fass ungern erneut auf. Meine Aufgabe als Kämmerer, so habe ich das damals erläutert, ist zu schauen, wo man Einnahmen generieren kann. In dem Fall hätte ich es für zielführender erachtet, die Umweltverträglichkeitsprüfung abzuwarten. Das hat die Mehrheit abgelehnt. Haken dran, Deckel drauf, vorbei.

Dietzenbach schneidet regelmäßig in den ADFC-Fahrradklimatest schlecht ab. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Stadt fahrradfreundlicher zu gestalten?

Wir werden nicht aufhören, nach der L 3001 gemeinsam mit dem Land Hessen und dem Kreis Offenbach die großen Radverkehrsachsen mit zu unterstützen. Wir werden auch nicht aufhören, innerhalb von Dietzenbach nach Nord-Süd auch für Ost-West weitere Verbindungen in den nächsten Jahren zu untersuchen. Wir müssen uns in der politischen Diskussion von Ideologien frei machen. Es ist nicht zielführend, wenn der eine dem anderen vorwirft, dass er einen SUV oder ein Fahrrad fährt. So kommt man nicht weiter. Ich finde die Diskussionen manchmal rückwärtsgewandt, sie gehen vorbei an den großen Themen der Landes- und Bundesregierung und letztendlich auch an dem Mobilitätsforum des Kreises Offenbach. Ich merke, dass bei der jüngeren Generation ein Umdenken stattgefunden hat. Jetzt müssen wir sehen, dass wir die ältere politische Generation in der Richtung auch überzeugen können.

Die Stadt wächst nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in den Wohngebieten. Dadurch steigt die Verkehrsbelastung. Wie wollen Sie den Hol- und Bringverkehr zu den Schulen etwa westlich der Offenbacher Straße verringern?

Generell sind Kommunen, in denen in den 90er-Jahren Wohngebiete geplant worden sind, davon eingeholt worden, dass die Anzahl der Fahrzeugbewegungen damals anders eingeschätzt wurde, als sie heute tatsächlich ist. Dadurch wird ein Wohngebiet mehr belastet. Die Montessori-Schule ist über die Jahre mehrzügig geworden. Auf der einen Seite ist das positiv, auf der anderen zieht das eine ganze Menge Verkehr mit sich. Die Schulen wachsen, auch die Heinrich-Mann-Schule. Dort gibt es auch erheblichen Verkehr. Und zwar Quell- und Zielverkehr.

Was wollen Sie tun?

Wir werden uns mit den Schulen zusammensetzen. Die Frage wird sein, wie können wir den Verkehr reduzieren? Und es wird vermutlich nicht anders gehen, als die Schule zu motivieren, in Einzelgesprächen auf die Eltern einzuwirken, andere Möglichkeiten zu finden, die Kinder zur Schule zu bringen. Das wird noch eine sehr langwierige und schwierige Diskussion werden. Für das Wohngebiet gibt es keine einfachen Lösungen. Das haben die politischen Diskussionen gezeigt, das hat der Gutachter gezeigt und im übrigen zeigen das auch die unterschiedlichen Sichtweisen der Anwohner.

Das Rathaus-Center ist immer wieder in der Diskussion. Einige Ladenlokale sind nicht besetzt, andere durch weniger attraktive Geschäfte. Der Center-Manager Robert Müller hat nun, nach nur einem Jahr, wieder aufgehört. Wie geht es weiter?

Grundsätzlich ist das Rathaus-Center privat und kein städtisches Einkaufszentrum. Nichtsdestotrotz ist unser Interesse daran sehr stark. Die Wirtschaftsförderung ist seit Jahren im Austausch mit dem Center-Management. Wir wollen, dass das Fachmarktzentrum attraktiv bleibt, machen Vorschläge an das Management und vermitteln, wo wir können. Wir haben dem Betreiber deutlich gemacht, wie kritisch wir die Entwicklung sehen und dass wir uns wünschen, gemeinsam an der Stabilisierung zu arbeiten. Man muss aber auch sehen, dass rund 85 Prozent der Flächen vermietet sind. Weil es viele kleine Flächen sind die leer stehen, entsteht beim Besucher ein anderer Eindruck. Tatsächlich ist das aus Sicht des Betreibers nicht so. Schwieriges Thema.

Kommt der Doppelhaushalt, der im Februar vorgelegt werden soll, ohne Steuererhöhungen aus?

Wir werden deutlich unter Offenbacher Verhältnissen bleiben (lacht). 2012, als wir unter den kommunalen Schutzschirm gegangen sind, hatten wir ganz andere Grundsteuer-B-Zahlen im Kopf, jenseits derer, die wir heute aktuell haben. Wir haben von 2012 an bis heute nur 2015 einmal die Grundsteuer B auf 600 Punkte erhöht. Entgegen der Prognosen einiger Schwarzseher. Wir haben einschneidende Maßnahmen durchgezogen und den Rotstift auch in der Verwaltung angesetzt. Wir haben über 30 Stellen unter dem Schutzschirm abgebaut. Jetzt, das ist auch jedem klar geworden, ist der Knochen erreicht. Wir werden die Ausgaben nicht weiter reduzieren können, ohne dass wir nachhaltigen Schaden für unser städtisches Eigentum und die Infrastruktur erleiden. Wir werden im kommenden Haushalt die Grundsteuer B wohl in einem verträglichen Maße anheben – weit geringer, als es einige befürchten. Der Doppelhaushalt sieht eine Erhöhung für 2020, aber nicht für 2021 vor.

2020 steht der doppelte Geburtstag für Dietzenbach an. Worauf freuen Sie sich bei den geplanten Feierlichkeiten am meisten?

Sicherlich auf die Kernjubiläumswoche im August. Ich freue mich, dass wir aller Voraussicht nach aus vielen Partnerstädten Besuch bekommen. Und wie das Programm jetzt vorbereitet ist, wird es in den zehn Tagen und übers das Jahr verteilt eine ganze Menge schöne Festivitäten geben. Dass so viele Termine in so kurzer Zeit – auch über die Vereine – zusammenkommen, hätte ich nicht gedacht.

Wenn Sie in die Glaskugel schauen: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Irgendwo im Allgäu, wo ich mit meiner Frau meinen Ruhestand genieße. Beim Campen, oder mit dem Motorrad unterwegs und wahrscheinlich auch irgendwo auf einem Berg.

Das Gespräch führte Ronny Paul.

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