Dietzenbacher Stadtgeschichte in Bronze

Dietzenbach: Harro Erhard stellt in der Ratsstube aus und arbeitet dafür an neuen Werken

Harro Erhart und Fritz Georg Rincker von der gleichnamigen Glocken- und Kunstgießerei.
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Harro Erhart und Fritz Georg Rincker von der gleichnamigen Glocken- und Kunstgießerei.

Harro Erhart hat aktuell die Qual der Wahl. Aus seinem umfassenden Katalog gilt es, 40 Werke auszusuchen, die Anfang kommenden Jahres in der Ratsstube ausgestellt werden sollen.

Dietzenbach – Der ehemalige Städel-Meisterschüler plant eine Gesamtwerkschau mitsamt Kompositionen eigens für den Ausstellungsraum. Für den 81-Jährigen, der bereits rund um den Globus seine Kunstwerke präsentiert hat, wird es ein „besonderes Ereignis“, wie er sagt. Seine erste große öffentliche Ausstellung in Dietzenbach, in der Stadt, in der er seit 1969 lebt. Unterstützung bekommt er dabei von einem alten Bekannten. Wirtschaftsratmitglied Norbert Kern unterstützt Erhart bei der Ausstellung. Die beiden kennen sich schon lange, haben als Jugendliche gemeinsam Handball gespielt. „Die Ausstellung in der Ratsstube soll einen guten Überblick geben, was wir für einen guten Künstler in der Stadt haben“, betont Kern, „Mit allen Themen, mit denen ich mich beschäftigt habe“, ergänzt Erhart, „unter anderem Reisebilder, Akte, Skulpturen, Proletarierfiguren und Literaturillustrationen “.

Kern hat Andrea und Heinz Robens von der Ratsstube angesprochen, ob sie eine Ausstellung für Erhart organisieren können. Robens habe zunächst eingewandt, dass er mit Ausstellungen bis Ende 2023 grundsätzlich ausgebucht sei. Robens habe aber gesagt; „Ich möchte mir die Werke von Harro Erhart erst mal anschauen.“ Die Entscheidung fiel dann schnell: „Als ich die Werke gesehen habe, war es keine Frage, dass wir ihm so zeitnah wie möglich eine Ausstellungsmöglichkeit geben“, erzählt Heinz Robens weiter. „Harro Erhart hat sein Leben lang von der Kunst gelebt, auch für uns ist das eine besondere Ausstellung“, sagt Robens, der bereits auf acht Ausstellungen in der Ratsstube zurückblicken kann.

Jüngst haben sich Norbert Kern, Heinz Robens und der Kunstgießer Fritz Georg Rincker bei Harro Erhart getroffen und über Skulpturen unterhalten, die eine besondere Bedeutung für die Kreisstadt haben. Kern etwa lässt sich einen Abguss von Erharts „2 Männer am Knabenborn“ in Bronze gießen. Rincker, dessen Vater für Erhart schon vor rund 50 Jahren Werke für die Neu-Isenburger Johanniskirche vollendet hat, erläutert dem Trio die aufwendige Prozedur, die zudem relativ kostspielig ist. Kern wirbt bei dem Treffen dafür, dass in der Ratsstube ein „Stück Stadtgeschichte von einem renommierten Dietzenbacher Künstler ausgestellt wird“. Er möchte Erhart fördern, indem er zum Spenden für Kunstgüsse zweier seiner Skulpturen aufruft.

Zum einen geht es um Erharts „Herakles“, den er anlässlich einer öffentlichen Ausschreibung für das neue Dietzenbacher Rathaus Anfang der 1970er-Jahre angefertigt hat. „Bei der Ausschreibung war ich unterlegen“, sagt Erhart rückblickend. Seine Idee vom „starken Mann, der im Rathaus aufräumt,“ hat er dennoch nie verworfen, sie schlummerte weiter in seiner Werkstatt. Den Herakles würde Erhart gerne in Bronze gießen lassen, ebenso wie ein weiteres Stück Stadtgeschichte, eine mannshohe Skulptur eines Gaubatz-Jungen, der nahe der Frankfurter Straße gewohnt und den der damals ebenfalls noch junge Künstler Harro Erhart als Modell verewigt hat. „Warum nicht einen Dietzenbacher Jungen ins Rathaus stellen?“, fragt Kern und bricht eine weitere Lanze für Harro Erhart: „Er ist nicht einer, der in der VHS einen Kurs belegt hat, sondern ein akademisch ausgebildeter Künstler.“

Die Ausstellung von Harro Erhart in der Ratsstube (Europaplatz 3) findet vom 1. Februar bis 3. Mai 2021 statt. Wer für Herakles oder den Gaubatz-Jungen spenden möchte, meldet sich bei Erhart unter 06074 31253 oder 06074 282718. (Von Ronny Paul)

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