Corona-Pandemie

Hygienemaßnahmen an Schulen eine große Herausforderung

Auf den Fluren herrscht Maskenpflicht. Deshalb verlässt Schulleiter Berthold Geist sein Büro nie ohne Mund-Nasen-Schutz.
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Auf den Fluren herrscht Maskenpflicht. Deshalb verlässt Schulleiter Berthold Geist sein Büro nie ohne Mund-Nasen-Schutz.

Seit drei Wochen sind die Schüler der Helen-Keller-Schule (HKS) in Dietzenbach zurück auf der Schulbank. Seitdem heißt es: Maske auf, Abstand halten, Hände desinfizieren. Die Hygienemaßnahmen bestimmen Unterricht und Pausen von der ersten bis zur letzten Minute.

  • An der Helen-Keller-Schule in Dietzenbach sind die Hygienemaßnahmen eine große Herausforderung.
  • Besonders die Abstandsregelung auf dem Schulhof bereitet immer wieder Probleme.
  • Trotz vieler Lehrer, die aus der Risikogruppe kommen, gibt es keinen wirklichen Lehrermangel an der Schule.

Dietzenbach – „Die Hände werden vor Unterrichtsbeginn, nach den Pausen sowie vor und nach dem Frühstück gewaschen“, sagt Schulleiter Berthold Geist. Dabei habe die Bildungseinrichtung einen entscheidenden Vorteil. Denn in dem Bürogebäude, das die Schule vorübergehend bezogen hat, gibt es mehr Waschräume als in einem Schulgebäude üblich. Auf diese Weise könnten sich mehrere Kinder gleichzeitig desinfizieren und die ganze Prozedur sei schnell erledigt. „Ich weiß allerdings von Schulen, in denen der Vorgang bis zu 15 Minuten dauert“, sagt der Leiter der Förderschule, deren Schulgebäude aufgrund baulicher Mängel abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll (wir berichteten).

Hygienemaßnahmen durch Corona stellen Schulen vor eine Herausforderung

Während das Händewaschen dem Lehrpersonal unter den Bedingungen des aktuellen Gebäudes kein Kopfzerbrechen bereitet, steht es bei der Pausenregelung vor einer Herausforderung. „Es hat sich gezeigt, dass es den Schülern sehr schwerfällt, sich auf dem Schulhof an die Abstandsregeln zu halten“, berichtet Geist. Insbesondere die Jüngeren hätten die Regeln beim Spielen schnell vergessen. Deshalb habe sich das Kollegium dazu entschieden, dass die Schüler nicht allein auf den Fluren, sondern auch auf dem Hof Masken tragen müssen. Als Ausgleich erhalten sie dann in der fünften und sechsten Stunde klassenweise Bewegungszeit ohne Mund-Nasen-Schutz.

Dabei funktioniert das Tragen des Schutzes in der HKS bisher reibungslos. „Die Jüngeren wollen einfach dazu gehören und ziehen sie deshalb an“, sagt Geist. Die Älteren hielten die Regelung zwar für schwachsinnig, hörten aber dennoch auf die Lehrer.

Ebenso problemlos verlaufe die Versorgung mit Desinfektionsmitteln und Masken. „Das Schulamt versorgt uns regelmäßig mit dem benötigten Material“, sagt der Schuldirektor. Allerdings seien die Bedeckungen für Mund und Nase nur für den Notfall gedacht. Sie werden etwa an Jungen und Mädchen verteilt, die ihre vergessen haben.

Die Lehrer bekommen hingegen keine Masken gestellt. „Laut des Dienstleisters Medical Airport, der sich um Gesundheits- und Arbeitsschutz kümmert, fällt das jedoch in den Aufgabenbereich des Arbeitgebers“, sagt Geist. Doch das Kultusministerium sei gerade erst dabei, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Derzeit gebe es keinen Etat für solche Ausgaben.

Die Schüler müssen sich vor Unterrichtsbeginn, nach der Pause und bei vielen weiteren Gelegenheiten die Hände waschen.

Unterrichtsgestaltung für Lehrer aus der Risikogruppe - Dennoch kein Lehrermangel an HKS

Ein weiterer Punkt, in dem die Theorie von der Praxis abweicht, ist die Unterrichtsgestaltung durch Lehrer der Risikogruppe. „Es besteht die Möglichkeit, dass sie die Stunden von Zuhause aus vorbereiten und durch Kollegen ausführen lassen“, erläutert Geist. Doch diese Art des Unterrichtens falle den meisten sehr schwer.

Einen größeren Lehrermangel aufgrund der Corona-Pandemie hat die Helen-Keller-Schule derzeit allerdings nicht zu beklagen. „Wir haben einen Kollegen, der aufgrund seines Gesundheitszustandes momentan nicht kommen kann“, berichtet Geist. Bei den Schülern gebe es indes niemanden, der zur Risikogruppe zähle.

An die Möglichkeit, einen Corona-Fall durch die Hygienemaßnahem zu verhindern, glaubt der Schulleiter nicht. „Die Kinder haben zahlreiche Kontakte außerhalb der Schule, durch die immer das Risiko einer Ansteckung besteht.“ So könnten die Schulen mit ihren Maßnahmen lediglich bei der Aufklärung der Infektionskette helfen.

Neben einer verschärften Pausenregelung wird deshalb zunächst die klassenübergreifende Kurswahl ausfallen. „Wir wollen damit zusätzlich verhindern, dass diese sich vermischen“, sagt Geist. Bis zu den Herbstferien haben die Schüler aufgrund dessen weiterhin getrennt Unterricht. Zudem sollen die Klassen von möglichsten wenig Lehrern unterrichtetet werden. „So lässt sich bei einer Infektion leichter aufklären, wer mit wem Kontakt hatte“, erläutert er. (Von Anna Scholze)

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