„Man konnte mit ihr nicht mehr weggehen“

25-Jähriger soll Freundin vergewaltigt und misshandelt haben

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25-Jähriger soll Freundin vergewaltigt und misshandelt haben

Nach dem ersten Verhandlungstag vor dem Schöffengericht in Offenbach bleibt die Frage noch offen, ob der 25-Jährige, der zur fraglichen Zeit in Dietzenbach lebte, seine Freundin zweimal vergewaltigte und einmal misshandelte. Während der Aussage der Nebenklägerin bleibt die Öffentlichkeit außen vor.

Dietzenbach – Staatsanwältin Isabelle Schad wirft dem Angeklagten zum einen vor, am 3. August 2016 seine damals 17-jährige Freundin in einem Hotelzimmer eingeschlossen und gegen deren erklärten Willen den Geschlechtsverkehr vollzogen zu haben. Ein paar Wochen später soll er die junge Frau während ihrer Geburtstagsfeier körperlich attackiert haben. Im Mai 2017 soll es in seinem Auto zu einer erneuten Vergewaltigung gekommen sein.

Der Angeklagte äußert sich über seinen Pflichtverteidiger Karl Kühne-Geiling. Ja, er sei mit der Frau im Hotel gewesen. Weil sie im Krach mit ihren Eltern lebte, habe man ein Zimmer bezogen. Er selbst habe damals noch bei seinen Eltern gewohnt. Von Einsperren könne keine Rede sein. Während der drei Tage habe man wiederholt zusammen das Gebäude verlassen. Zu sexuellen Handlungen sei es gekommen, „aber nur einvernehmlich“.

Vergewaltigungsvorwurf vom Mai 2017 bestreitet der Angeklagte

Was den Vorwurf betrifft, er habe seine Freundin an deren 18. Geburtstag gewürgt und geschlagen, könne er sich erinnern, dass er sie zwar im Streit schubste, an den Hals sei er ihr nicht gegangen. Weitere Details wisse er nicht. An dem Abend habe er unter massiven Alkoholeinfluss gestanden. Den Vergewaltigungsvorwurf vom Mai 2017 bestreitet der Angeklagte ebenfalls.

Derweil hatte die Nebenklägerin gerichtlich ein Kontaktverbot erwirkt. Der Angeklagte durfte sich ihr nicht mehr nähern. Der mittlerweile aus Dietzenbach weggezogene Mann berichtet, seine Exfreundin habe ihn mit dem Verlangen angerufen, sich mit ihm auszusprechen. Dabei habe sie ihm mitgeteilt, auf Druck ihrer Eltern das Kontaktverbot erwirkt zu haben. Bei dieser Aussprache sei es zu einvernehmlichen Geschlechtsverkehr in seinem Auto gekommen. Damals sei er aber bereits mit einer neuen Frau liiert gewesen, weshalb er die Beziehung dennoch als beendet betrachtet habe.

Die Nebenklägerin sagt länger als eine Stunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Zwischendurch muss Richter Manfred Beck die Verhandlung unterbrechen. Weinend verlässt die 19-Jährige mit ihrer Rechtsanwältin Karin Weber den Gerichtssaal.

Gegenüber der Freundin vereinnahmend und aggressiv

Später sagt eine Freundin der Nebenklägerin, anfangs habe sie die Beziehung zwischen beiden als harmonisch empfunden. Zu ihr und den anderen aus der Clique habe sich der Angeklagte stets höflich verhalten, gegen seine Freundin jedoch zunehmend vereinnahmend und aggressiv. Ihr Arm sei mit blauen Flecken übersät gewesen, die nicht so aussahen, als resultierten sie von einem Sturz, wie die Freundin behauptet habe.

Die Zeugin berichtet außerdem, wie sich die Nebenklägerin verändert habe, „man konnte mit ihr nicht mehr weggehen“. An einer Tankstelle habe sie erlebt, wie der Angeklagte nach ihr trat. Später habe sie die Freundin einmal aufgelöst bei sich zu Hause angetroffen, „sie konnte kein Wort herausbringen“. Eine andere Zeugin bestätigt, an der Tankstelle einen Tritt gesehen zu haben. Bei der mutmaßlichen Gewaltattacke auf dem Geburtstag war keine der Freundinnen zugegen. Der Angeklagte habe seine Freundin stets mit dem Auto von der Schule abgeholt, erzählt eine andere Zeugin. Die habe sich eingeengt gefühlt. Unvoreingenommen habe sie dem Angeklagten nicht entgegentreten können, so die Zeugin, „ich hatte schon zu viel über ihn gehört“. Ihr negatives Bild habe sich bestätigt. Der Prozess geht demnächst weiter.

VON STEFAN MANGOLD

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