Bedenken wegen Recycling

Bürgerinitiative „Hände weg von unserem Sand“ will gegen Abbaupläne mobilisieren

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Großer Andrang bei der neuen Initiative: Der kleine Saal in der Linde war schnell gefüllt.

Sand ist auf der Nordhalbkugel einer der wichtigsten Rohstoffe. Allein für ein kleines Einfamilienhaus werden 200 Tonnen des Minerals benötigt. Im Südosten von Dietzenbach gibt es ein Gebiet zwischen der Velizystraße und der Kreisquerverbindung.

Dietzenbach –  Dort werden auf einem 76 Hektar großen Areal mehrere Millionen Tonnen des kristallinen Guts vermutet, die nun die Interessen von der Q-Sand GmbH hervorgerufen haben. Die Firma wurde im März 2018 von Martina Tauern gegründet und ist im Handelsregister (HRB) des Amtsgerichts Offenbach eingetragen. Das Stammkapital beträgt 25 000 Euro, Gegenstand ist die Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Verkauf.

Zur Abschätzung der Wirtschaftlichkeit des Areals hat Q-Sand nach eigenen Angaben Probebohrungen vorgenommen. Im Februar stellten Vertreter der Firma im Bauausschuss ihre Pläne vor (wir berichteten). Doch gegen diese Pläne keimt Widerstand auf, denn die Mitglieder der neuen Bürgerinitiative „Hände weg von unserem Sand“ haben Bedenken und trauen den Angaben von Q-Sand nicht. Um die Bürger zu informieren, haben die drei Gründungsmitglieder Rechtsanwalt und Notar Reiner W. Frank, Monique Begall (Mitglied des Ortsverbands der Grünen) und Ludwig Schneefeld (Nabu Dietzenbach) in die Linde eingeladen. Das Interesse an der Veranstaltung ist groß und der kleine Saal schnell gefüllt.

„Wehret den Anfängen“, sagt Begall zur Begrüßung. „Wir müssen frühzeitig etwas tun, damit es nicht zu spät ist.“ „Wir sehen uns dabei als Initiatoren“, betont Frank zu Beginn seiner Rede. Frank berichtet, dass die Firma Q-Sand inzwischen mit der Alois Omlor Gmbh, Homburg/Saar einen Partner ins Unternehmen geholt hat, der sich mit seinen 300 Mitarbeitern auf das Recycling von Baustoffen und die Deponierung kontaminierter Erdmassen spezialisiert hat. Ziel sei es, den Quarzsand in dem betreffenden Gebiet auszuheben und die Grube mit Recyclingmaterial zu befüllen. 20 Meter tief will die Firma den Sand ausheben. Darunter befindet sich eine Lehmschicht und darunter – in 21 Meter Tiefe – verläuft das Grundwasser, das die in der Nähe befindlichen Tiefbrunnen speist, mit dem das Trinkwasser in der Region um Dietzenbach gewonnen wird.

Der Betrag, den Q-Sand Dietzenbach angeboten habe (es handelt sich um 0,75 Euro je Tonne Sand und 0,75 Euro je Tonne Befüllung), ist laut der Bürgerinitiative viel zu gering. Eine Tonne Sand koste in Frankfurt heutzutage acht Euro und für eine Tonne Recyclingmaterial, mit dem die neue Grube aufgefüllt werden soll, koste die Aufbereitung zwischen 17 und 48 Euro.

Als Experte in Umwelt- und Naturfragen verweist Schneefeld auf den Nutzen des Baumbestandes als Kohlendioxid-Senke. Er berichtet auch, dass der Sand aufgrund seiner geringen Größe als Flugsand bei schlechter Wetterlage in die Mitte von Dietzenbach und bis nach Steinberg getragen werde. Ebenfalls taucht die Frage auf, ob der Zweckverband Wasserversorgung Offenbach (ZWO) ein Einspruchsrecht hat. Soweit bekannt, habe dieser ein solches, antwortet Frank, aber man könne sich nicht darauf verlassen. Er führt als Beispiel einen Vorfall in Rodgau an, bei dem der ZWO Bedenken geäußert und dann doch zugestimmt habe.

Große Unterstützung erhält die Bürgerinitiative auch von Vertretern von Umweltinitiativen aus dem Kreis Offenbach. So berichtet Matthias Rohrbach vom „Aktionsbündnis Langener Bannwald“ von den dort gemachten Erfahrungen, von Anwaltsschreiben bis hin zu Unterlassungsklagen, aber er sieht in der Mobilisierung der Lokalpolitiker eine große Chance voranzukommen.

Termine für weitere Treffen – es soll auch eine Radtour geben – stehen noch nicht fest. Die Bürgerinitiative wird auf ihrer Homepage einen Vordruck bereitstellen, den jeder runterladen, ausfüllen und an die Parlamentarier schicken soll. „Wir sind von dem heutigen Tag und dem Zuspruch überwältig“, bestätigt Begall. „Aber wir brauchen dringend Unterstützung, auch finanzielle.“

VON BURGHARD WITTEKOPF

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