Lebensfreude auf vier Reifen

Nach zwei Jahren Hin und Her bekommt Christa Pfaff endlich einen elektrischen Rollstuhl

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Vor allem habe ich jetzt wieder meine Freiheit zurück. Christa Pfaff Zurück zur Unabhängigkeit: Mit ihrem neuen E-Rolli ist Christa Pfaff flexibel, kann viel unternehmen.

Ihre Freude kann Christa Pfaff kaum verbergen – und das will sie auch gar nicht. 

Dietzenbach – Ein Schmunzeln umspielt ihre Lippen, während sie mit nur einer Hand den elektrischen Rollstuhl steuert, um gekonnt ein paar Runden auf dem Gelände der Philipp-Jäger-Wohnanlage zu drehen. Nach zwei Jahren, die sich länger nicht hätten anfühlen können, ist der 60-Jährigen endlich der neue „E-Rolli“ von ihrer Krankenkasse genehmigt worden.

Das neue Gefährt ist vielseitig einsetzbar, bei geneigter Rückenlehne etwa als gemütlicher Fernsehsessel. „Aber vor allem habe ich jetzt wieder meine Freiheit zurück“, sagt Pfaff. Und dementsprechend voll ist nun ihr Terminkalender: Eis essen mit Freundinnen, eine Shopping-Tour im Rathauscenter, Besuche auf dem Weinfest. Das alles kann Pfaff wieder tun, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein. „Ich stehe sogar extra früh auf, damit ich mehr vom Tag habe“, berichtet die 60-Jährige. Schließlich wolle sie sich beschäftigen, während ihr Mann Jürgen, mit dem sie im Waldemar-Klein-Haus lebt, auf der Arbeit ist. Spazierfahrten sind nun wieder ohne Weiteres möglich. „Aber allzu weit traue ich mich noch nicht, weil ich den Akku noch nicht einschätzen kann“, meint Pfaff.

Vor zwei Jahren ging der Rollstuhl kaputt

Seit ihrer Kindheit leidet sie unter einer Nervenkrankheit, der Zerebralparese, die ihre Beine lähmt. Somit ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen, doch der Oberkörper ist beweglich. Vor etwa zwei Jahren gab ihr vorheriger elektrischer Rollstuhl, mit dem sie 20 Jahre unterwegs war, den Geist auf. „Der war einfach zu alt, es gab keine Ersatzteile mehr“, erzählt sie. „Und komfortabel war das auch nicht“, fügt ihre Betreuerin Christa Hartmann hinzu. Sperrig sei er gewesen. Sie betreut Pfaff in der Wohnanlage und kennt ihre Geschichte.

Nachdem der erste E-Rolli seinen Dienst versagt hatte, saß Pfaff in einem normalen Rollstuhl, der mit eigener Muskelkraft geschoben werden muss. „Dazu war das so ein einfaches Ding, das seine 30 Kilo hatte“, sagt Hartmann. Lange Strecken konnte Pfaff damit aus eigener Kraft nicht zurücklegen, auch das Personal kam dabei an seine Grenzen. Ein Ausflug ins Rathauscenter wurde da schon für beide Seiten anstrengend, so Pfaff. „Es ist schlimm für mich, eine Belastung für andere zu sein.“

Ein Argument, das in den Augen von Pfaffs Krankenkasse, der AOK Hessen, nichtig war. „Es hieß, dass die Krankenkasse nicht das Personal unterstütze, sondern den Versicherten“, berichtet Hartmann. Doch auch da Fehlanzeige: „Man stufte Christa als nicht verkehrstüchtig ein“, sagt die Betreuerin und schüttelt vor Unverständnis den Kopf. Das sei Irrsinn, wenn man bedenkt, dass Pfaff bereits viele Jahre einen E-Rolli gefahren ist. „Ich habe zwischendurch überlegt, die Krankenkasse zu wechseln, generell war ich deprimiert“, sagt die 60-Jährige. Doch zum Glück hat ihre gesetzliche Betreuerin Widerspruch eingelegt. 

„Immerhin geht es dabei um 7000 Euro“

Unterstützung bekam sie außerdem von dem Sanitätshaus, das den Kostenvoranschlag für den neuen E-Rolli gestellt hat. „Immerhin geht es dabei um 7000 Euro“, wirft Hartmann ein. Für zwei Wochen durfte Pfaff den neuen Rollstuhl Probe fahren. Eine Zeit, in der die 60-Jährige wieder aufgeblüht sei. Als Argument fertigte das Sanitätshaus Videoaufnahmen an, die die Verkehrstüchtigkeit der 60-Jährigen unter Beweis stellten. „Ich war ziemlich traurig, als der Rolli nach den zwei Wochen wieder abgeholt worden ist“, erzählt Pfaff. Schließlich klammere man sich an jeden Strohhalm. Die 60-Jährige leidet zusätzlich an der Lungenkrankheit COPD, die körperliche Anstrengung beinahe unmöglich macht. „Und außerdem werde ich nicht jünger“, meint sie und lacht.

Der neue fahrbare Untersatz wirke sich auf alle Bereiche aus. „Auch im Haus ist Christa nun viel flotter unterwegs“, berichtet Hartmann. Am schönsten sei jedoch zu beobachten gewesen, wie die Freude in Pfaffs Leben zurückgekehrt sei. Das bestätigt auch Brigitte Ochs, deren Tochter in der Wohnanlage lebt. „Es freut mich sehr für Christa, dass es endlich geklappt hat“, sagt sie. Die ganze Wohnanlage habe mitgefiebert. „Und jetzt geht es Kaffee trinken in der Sonne“, verkündet Pfaff freudestrahlend.

Lisa Schmedemann

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