Voneinander lernen und profitieren

Familienzentrum Kinderburg erweitert an der Laufacher Straße ihr Angebot

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Für alle Altersgruppen: Künftig wird die Kita nicht nur Kindern offen stehen. Im Bewegungsraum könnten etwa Sportkurse auch für Erwachsene stattfinden. 

Bälle fliegen durch die Luft, große, weiche Bauklötze werden aufeinandergestapelt, Kinder flitzen und jauchzen. Der Geräuschpegel im Bewegungsraum der Kinderburg, der Kita VII an der Laufacher Straße, ist nichts für empfindliche Ohren.

Dietzenbach – Die Fische-Gruppe verbringt den Vormittag mit Spiel und Sport.

„Momentan hat jede Gruppe ihren Tag und kann den Raum dann nutzen, wie sie will“, sagt Silvia Koch, Leiterin der Kinderburg. Künftig werde sich das ändern. Es sei geplant, dass eine Betreuungsperson die Aufsicht im Sportraum übernimmt, die Kinder haben dann immer die Möglichkeit, selbstständig zu entscheiden, wann sie sich austoben möchten.

Das aber ist nicht die einzige Veränderung, die in der Kindertagesstätte ansteht. Die Kita-Leiterin berichtet: „Seit März sind wir offiziell aufgenommen ins hessische Landesförderprogramm für Familienzentren.“ Im Juli 2018 hatte sich die Kita VII um die Förderung beworben, ein entsprechendes Konzept eingereicht. Nun steht fest, dass das Hessische Ministerium für Soziales und Integration die städtische Kita mit 12 000 Euro pro Jahr unterstützt. „Jetzt können wir uns auf den Weg machen, die Kita zu einem Familienzentrum werden zu lassen“, sagt Silvia Koch. Die Planungen sind bereits in vollem Gange.

Als solches Zentrum soll die Kinderburg nicht mehr nur den derzeit 140 betreuten Kindern offen stehen, sondern auch Angebote für Familien, Jugendliche oder Senioren in ihr Portfolio aufnehmen. „Zurzeit schauen wir, was es schon gibt, und suchen nach Kooperationspartnern“, verrät die Kita-Leiterin. So soll es zum Beispiel eine enge Zusammenarbeit mit der SG Dietzenbach geben, die Sportkurse für alle Altersgruppen anbieten wird. Auch Kurse zur Sprachförderung und rund ums Thema Gesundheit sind laut Silvia Koch denkbar. Die Umsetzung geht nur Schritt für Schritt, braucht Zeit. Vieles muss organisiert und besprochen werden, auch die Gestaltung der Räume will an die neuen Bedürfnisse des Familienzentrums angepasst werden. „Da ist jede Menge zu tun“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Erste erfolgreiche Partnerschaften konnten zumindest intern bereits in der Vergangenheit realisiert werden: Das Offenbacher Kinder- und Jugendhilfezentrum Theresien unterstützt die Kinderburg bei der Betreuung der 40 Hort-Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, die Musikschule Dietzenbach bietet für Kinder im Jahr vor der Einschulung Musikunterricht an. „Nach den Sommerferien soll dann auch endlich unser Elterncafé eröffnen.“ Das können Eltern unter anderem nutzen, um sich zu treffen und auszutauschen.

Silvia Koch ist davon überzeugt, dass sich in der Kita-Arbeit in Zukunft generell etwas ändern muss. „Vor allem in Bezug auf das Schwerpunktthema Familienarbeit.“ So sei es gerade an einem Standort wie Dietzenbach wichtig, nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie gut zu unterstützen. „Wir haben hier Kinder aus 21 Nationen.“ Familien mit Migrationshintergrund seien unter anderem aufgrund der Sprachbarriere häufig hilflos, wissen nicht, mit welchem Anliegen sie sich an welche Stellen wenden müssen. „Viele nehmen zum Beispiel Leistungen, die ihnen zustehen gar nicht in Anspruch, weil sie nichts davon wissen.“ Das betreffe aber auch deutsche Familien, weiß Silvia Koch. Sie und ihr Team, derzeit 17 Erzieher, helfen immer wieder beim Ausfüllen von Anträgen, sind Anlaufstelle in vielen Angelegenheiten.

„Natürlich gibt es in Dietzenbach viele Angebote, aber eben nicht gebündelt für die Leute im Stadtteil.“ Das soll sich mit dem derzeit wachsenden Familienzentrum ändern. Silvia Koch kann sich auch vorstellen, dass eine Beratung für finanzielle Belange eingerichtet wird. Vieles sei denkbar, auch dass die Kita-Kinder ihren Bewegungsraum bald mit Jugendlichen oder Erwachsenen teilen. Für die Leiterin steht vor allem eines im Vordergrund: „Alle Altersgruppen sollen sich treffen, voneinander lernen und profitieren.“

Von Lena Jochum

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