Benommene Muttertiere am Ufer

Fischsterben am Angelweiher rätselhaft - Anglerherz blutet

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Frust im Idyll: Das Fischsterben im Weiher betrübt die Mitglieder des Angelsportvereins.

Dietzenbach – Das Fischsterben im Angelweiher des Angelsportvereins 1972 (ASV) ist auch nach zehn Tagen nicht aufgeklärt. Der Verein muss mehrere Tausend tote Fische beklagen. Von Burghard Wittekopf

Eine Vergiftung konnte bisher nicht nachgewiesen werden, die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Bei einer Begehung durch den „Verband Hessischer Fischer e. V. “ und einem Vertreter des Kreises Offenbach, entstand nun der Verdacht, dass die Fische erstickt sein könnten.

„Wir fischen nach wie vor im Trüben“, sagt Jürgen Weisser, Vorsitzender des Angelvereins. „Zum Glück ist das Massensterben erst einmal vorbei“, erzählt er. „Die Kadaver haben wir natürlich ordnungsgemäß entsorgt, aber das Anglerherz blutet und der wirtschaftliche Schaden ist hoch.“ Am Anfang waren es vor allem Jungtiere, die bäuchlings auf der Wasseroberfläche trieben. Inzwischen sind es die großen Muttertiere, die benommen in der Nähe des Ufers schwimmen und um ihr Leben kämpfen. Weisser zeigt auf einen großen Aal, direkt daneben schwimmt ein Hecht, nur wenig weiter ein großer Karpfen. Nach wie vor ist zu befürchten, dass viele weitere Fische sterben werden. Das mysteriöse Unglück, das über Nacht kam und seitdem große Rätsel aufwirft, beschäftigt längst Experten und Ämter. Bis die Ursache gefunden ist, bleibt der Angelteich für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Erst am Donnerstag hat Fischseuchenexpertin Dr. Agnes Flamm vom Hessischen Landeslabor Fischseuchendienst eine tote Teichralle und tote Fische abgeholt. „Einige Fische sind zur weiteren Untersuchung auf Giftstoffe nach Göttingen weitergeleitet worden“, erzählt Weisser. Mit Ergebnissen sei jedoch nicht vor kommender Woche zu rechnen.

„Verband Hessischer Fischer e.V.“ hat sich eingeschaltet

Der „Verband Hessischer Fischer e.V.“ hat sich inzwischen eingeschaltet, um seinen Mitgliedsverein zu unterstützen. Gewässerreferent Karl Schwebel von der Regionalgeschäftsstelle Süd ist ein Fachmann für solche Fälle. Der gelernte Biologielaborant baut auf mehr als 25 Jahre Erfahrung bei der Gewässerbewertung und -analyse. „Jedes Gewässer und jedes Fischsterben ist anders, sodass man sehr genau untersuchen muss, um die Ursache zu finden.“ Der Weiher mache eigentlich einen guten optischen Eindruck, berichtet er, nachdem er Wasserproben genommen hat. „Aber die Fische direkt am Ufer sind lethargisch, und werden noch sterben.“ Schließlich findet Schwebel einen ersten Hinweis bei der Wasseranalyse: „Der im Teich gemessene Sauerstoffgehalt ist zwar gut, die Karbonathärte ist allerdings sehr hoch“, erzählt der Experte. „Bei einer Verschiebung des pH-Wertes in den sauren Bereich kann dann ausreichend freie Kohlensäure entstehen, um solch ein Fischsterben zu verursachen.“ Sein erster Verdacht: Die Fische sind genau daran erstickt. Auch die Tausenden toten Fische, die die Vereinsmitglieder bereits aus dem Wasser geholt haben, stützen seine These. „Freie Kohlensäure schädigt dauerhaft die Kiemen und die Fische können keinen Sauerstoff mehr aufnehmen.“

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Ersticken die Fische in Dietzenbach?

Als Ursache hat der Experte den Kaupenwiesengraben, der den Teich mit Frischwasser versorgt, in Verdacht. Denn das Wasser im Graben weist eine höhere Karbonathärte als das Teichwasser auf. Einen möglichen Hinweis, der aber noch nicht offiziell bestätigt ist, liefert Torben Gerlach von der Wasser- und Bodenschutzbehörde Kreis Offenbach, der an der Begehung teilnimmt. Er berichtet, dass am 6. Februar, also an dem Tag, an dem das Fischsterben anfing, ein Trinkwasserbehälter auf dem Hexenberg gereinigt wurde. Dazu wurden 700 Kubikmeter Trinkwasser abgelassen. Ob die jedoch tatsächlich in den Kaupenwiesengraben geflossen sind, ist noch nicht bekannt.

Jürgen Weisser hofft weiterhin, dass die Ursache schnell geklärt wird. „Wir haben alle Hebel in Gang gesetzt, um unsere Mitglieder, die Umwelt und die Besucher vor einer möglichen Gefahr zu bewahren“, resümiert der Vorsitzende des Angelsportvereins.

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