Ideensammlung in der Kita

Förderverein der Bücherei und die Stadt arbeiten an Wimmelbild-Projekt

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Zu Besuch bei Ideengebern: Uschi Heusel (Cartoonistin), Maria Neun (Kita XI), Tim Kath (Sprecher der Stadt), Yordy Sánchez (Weltwärts), Ute Beuster (Vorsitzende Förderverein der Bücherei) und Dirk Hartmann (Awo).

Die Ideenschmiede der Tigerentengruppe ist bereit. In der Kindertagesstätte XI hat sich schließlich Besuch angekündigt. Und der will am Stiergraben erfahren, wie man Dietzenbach durch Kinderaugen sieht.

Dietzenbach – Denn ab dem Sommer sollen Kreisstädter ihre Umgebung in bunten und liebevoll gezeichneten Wimmelbildern erkunden können. Im Februar startete der Förderverein der Stadtbücherei das Projekt gemeinsam mit der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Rathauses. „Dank der offenen Türen in den Kitas und den aufgeschlossenen, authentischen und zuckersüßen Rückmeldungen der Kinder hat das Projekt gut Fahrt aufgenommen“, freut sich Tim Kath. Dem Pressesprecher der Stadt kam überhaupt erst die Idee – bei der gemeinsamen Lektüre mit dem eigenen Nachwuchs.

Lange bitten muss Kath die Kinder der Kita XI nicht, sich „beim Workshop, wie die Erwachsenen sagen“, zu beteiligen. Aber es geht ja auch darum, zu erzählen, wo man die schönsten Orte in Dietzenbach findet. Als kleinen Impuls hat Yordy Sánchez aus Nicaragua, der über den Freiwilligendienst „weltwärts“ in der Kita hilft, einige Bilder gemalt. Schon bei der Zeichnung des Zirkuszelts werden die Augen groß und das Wort Hessentagspark kommt einem Jungen fehlerfrei über die Lippen. Logisch, der Zirkus muss mit auf die Wimmelbilder.

Nach und nach schreibt Ute Beuster, Vorsitzende des Fördervereins, die Ideen auf gelbe Schilder, von denen bald jedes der Kinder eines stolz in den Händen hält. Das Rathaus-Center ist vertreten – „da gibt’s Eis“ – das Schwimmbad, die Balanciermeile und der Wald. Ob sich auf einem Bild am Ende auch ein Elefant versteckt, den ein Mädchen schon in Dietzenbach erblickt zu haben meint, bleibt noch abzuwarten. Auch bei den etwas größeren Kindern in einer Hortgruppe hat Kath schon nachgefragt und konnte sich etwa Karate, die S-Bahn und den Faschingsumzug notieren.

Es soll um mehr gehen als bunte Bilder, um Teilhabemöglichkeiten, Unterschiede in der Bevölkerung und auch die Sprachentwicklung von Kindern aus Familien mit überschaubaren Kenntnissen. Abgedeckt werden sollen alle Lebensbereiche, auch das Thema Gleichberechtigung. Und vielleicht bringen die Bilder ja auch jenen Zuwachs, die ihn dringend brauchen. Spielerisch ins Bewusstsein gebracht werden soll den Kindern nämlich unter anderem die Feuerwehr. „Wimmelbilder mit direktem lokalen Bezug, dazu ein partizipatorischer Ansatz mit den Kindern, passen perfekt zu unserem Bilderbuchkino, welches seit Jahren von unserem Verein angeboten wird“, kommentiert Beuster.

Was die Zeichnungen angeht, fällt die Suche nach regionalen Erzeugnissen nicht schwer. Und so fragte man selbstredend bei Uschi Heusel an. „Wir wollten viele kleine Geschichten und Identität, wer hätte da besser gepasst?“, begründet Kath die Wahl. „Als ich gefragt wurde, ob ich die Zeichnungen machen würde, habe ich sofort Ja gesagt“, erzählt die Cartoonistin, die auch schon für Schulbuchverlage illustriert hat. Sie weiß aber auch: „Das wird arbeitsintensiv, ich muss mir gut überlegen, wie ich die Bilder fülle, da muss Bewegung rein und ich kann nicht so viel mit Mimik arbeiten wie sonst.“

Auf jedem Bild zu finden sein sollen die beiden Protagonisten, zwei Kinder, die Anton und Mayla heißen. Aber auch Dietzenbachs heimliches Wappentier, die Ratte Ludwig, dürfte der aufmerksame Beobachter entdecken können.

Wegen einer Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ sind die Kosten im mittleren vierstelligen Bereich für die technische Ausstattung für das Bilderbuchkino, die Ausstellung und die Zeichnungen gedeckt – und das ohne Beteiligung des Fördervereins oder der Stadt. Mithilfe von Sponsoren ist vorgesehen, die Zeichnungen auch in Buchform herauszubringen. Ein solches Buch soll dann jede Kita, nicht nur die städtischen, zur Verfügung gestellt bekommen. Und auch digital sollen die Bilder zu bestaunen sein.

 

Von Christian Wachter

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