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Bei der Führung über die Kläranlage werden auch kritische Fragen gestellt

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Von: Patrick Eickhoff

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Reinigungsprozesse im „Wasserherzen“ der Stadt: Dr. Linda Hinken (Mitte) erläutert den interessierten Zuhörer an jedem Behälter und Becken die unterschiedlichen Aufgaben der jeweiligen Station. Foto: Eickhoff
Reinigungsprozesse im „Wasserherzen“ der Stadt: Dr. Linda Hinken (Mitte) erläutert den interessierten Zuhörer an jedem Behälter und Becken die unterschiedlichen Aufgaben der jeweiligen Station. © Eickhoff

„Bitte nichts anfassen und vorsichtig sein – wegen den Bakterien“, sagt Dr. Linda Hinken. Die Abteilungsleiterin Abwasserentsorgung der Dietzenbacher Kläranlage blickt dabei besonders in Richtung der Kinder, die mit ihren Eltern an der Führung anlässlich des Weltwassertages (22. März) teilnehmen.

Dietzenbach – Da steht auch der sechsjährige Carlos, Er nickt, grinst und lauscht gespannt den Worten Hinkens. „Wir gehen jetzt erst einmal in die Leitwarte. “.

Dort angekommen erläutert Hinken die verschiedenen Schritte und Wege, die das Wasser nach der Ankunft in der Kläranlage durchlaufen muss. „Das Toilettenwasser ist das, was jeder mit einer Kläranlage verbindet – aber auch das Regenwasser spielt eine wichtige Rolle“, sagt sie. Auf einer großen Tafel ist erkennbar, wovon die Abteilungsleiterin spricht. „Und wie lange dauert es, bis das Wasser wieder rausgeht?“, stellt ein Teilnehmer die erste Frage. „In der Regel zwölf bis 24 Stunden“, antwortet Hinken.

Welche Mengen im Umlauf sind, erfahren die Teilnehmer gleich hinterher. „Im Schnitt kommen 100 Liter pro Sekunde an“, erläutert Hinken. Egal ob beim Händewaschen, Toilette spülen oder vom Waschmaschine laufen lassen. Und es geht nicht nur um Privathaushalte. „Wir haben ja in Dietzenbach auch ein großes Industriegebiet.“ Dann macht auch Carlos auf sich aufmerksam. Allerdings stellt der Sechsjährige keine Frage. Vielmehr hat er kurz zuvor das erste Mal das wahrgenommen, was wohl die meisten mit einer Kläranlage verbinden: Gestank. Carlos packt sich an die Nase und verlässt schlagartig die sogenannte Rechenhalle. „Das stinkt“, sagt er mit Blick auf das zusammengepresste Klopapier, welches der Rechen vorher herausgesiebt hat.

Ansonsten hält sich das Thema Geruch trotz Faulbehältern und Co. auf dem Gelände an der Limesstraße allerdings in Grenzen. „Wir arbeiten mit Abdeckungen und Biofiltern und versuchen, eine zu starke Geruchsentwicklung zu vermeiden“, betont Hinken.

Nachdem grobe Teile ausgesiebt und das Wasser ins Vorklärbecken geflossen ist, geht es weiter ins Belebungs- und schließlich in ein Nachklärbecken. Im Belüftungsbecken bauen Kleinstlebewesen wie Bakterien und Hefen unter ständiger Luftzufuhr biologische Verunreinigungen ab. „Das erkennt man an den kleinen Bläschen, die sich bilden“, sagt Hinken.

Sehr anschaulich und nicht zu kompliziert macht die Abteilungsleiterin die einzelnen Prozesse deutlich. Dann wird es kritisch. „Was passiert denn mit Stoffen wie Medikamenten oder anderen Dingen, die nicht ins Wasser gehören?“, fragt einer der Teilnehmer. Hinken spricht von verschiedenen Filtern und Möglichkeiten. „Es gibt immer Stellschrauben, an denen wir drehen können.“ Bei zu großen Mengen sei dies natürlich schwieriger. Teilnehmer Christen Jacobsen lauscht interessiert. „Da würde ich mir seitens der Anlage mehr Öffentlichkeitsarbeit wünschen“, sagt er. „Es geht nicht, dass zu viel Müll in die Toilette geworfen wird.“ Das müsse man kommunizieren.

Das sieht auch Dr. Linda Hinken so. „Besonders bei Mikroplastik und Arzneimitteln ist teilweise noch offen, wie man damit am besten umgeht, schließlich geht es auch um die Gesundheit.“ Doch tägliche Proben und Kontrollen würden einen guten Überblick geben. „Wir arbeiten auch auf Abruf nachts – heißt sobald Werte negativ auffallen, rücken wir an.“

Von Patrick Eickhoff

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