Awo-Waldwoche

Kinder entdecken die Natur auf eigene Faust

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Auf dem Boden und hoch hinaus: Tim testet den Barfußpfad, den ein Teil der Gruppe angelegt hat, Paul hält Ausschau und bewacht das Quartier.

Dietzenbach – Paul hat seinen Posten bezogen. Er steht auf einem Ast, gut einen Meter über dem Boden, Blätterwerk verdeckt den Jungen. Von dort aus hält er Aussschau, bewacht den Unterschlupf darunter. Zusammen mit vier anderen Jungs hat er die Hütte gebaut.

Aus Stöcken und Ästen, Blättern und Moos.

Viele solcher Hütten und Unterstände sind in der vergangenen Woche nahe des Waldrandes am Ende der Straße In der Löcherwiese entstanden. Große und kleine, für Menschen und für Tiere. 64 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren verbringen dort ihre letzten Ferientage bei der Walderlebniswoche der Arbeiterwohlfahrt (Awo). „Dieses Mal sind es wirklich sehr viele Teilnehmer“, sagt Dietmar Tinat. Im Herbst vergangenen Jahres übernahm er die Betreuung des Awo-Ferienangebots, das in Oster-, Sommer- und Herbstferien stattfindet.

In der Kinder- und Jugendarbeit ist er seit vielen Jahren aktiv, betreut auch die Waldjugend Heusenstamm. Insgesamt ist das Team während der Waldwoche zu siebt. „Ein Betreuer auf zehn Kinder, das muss auf jeden Fall sein“, findet Dietmar Tinat. 64 Kinder zu beaufsichtigen, das sei nicht immer so einfach. Der Wald ist groß, das Gelände, auf dem sich die Gruppe in Absprache mit dem zuständigen Förster Andreas Keller aufhält, nicht abgegrenzt. Was für die Betreuer eine Herausforderung ist, bedeutet für die Teilnehmer Freiheit und Abenteuer.

Überall beschäftigen sich die Kinder in kleinen Gruppen, manche zu zweit, andere alleine. Sie schnitzen Speere aus Ästen, buddeln in der Erde, bauen Unterkünfte für Insekten und Mäuse. Einige Kinder haben einen Barfußpfad angelegt. Mit Stöcken haben sie einzelne Parzellen abgeteilt. Darin: unter anderem Rinde, Moos, Farn und Matsch. Max erklärt sich bereit, den Pfad zu testen, zieht Schuhe und Socken aus. „Au, das pikst“, sagt er, als er über Lärchen- und Fichtenzapfen geht. „Und der Matsch ist wirklich eklig, ih!“

Diverse Hütten und Unterstände bauten die Kinder während der Waldwoche. Einige davon schützen tatsächlich vor dem Regenwetter.

Im Vorfeld haben Dietmar Tinat und seine Helfer überlegt, wie sie die Tage im Wald gestalten wollen, ein Konzept aufgestellt. „Ob das dann klappt, ist eine andere Sache.“ Der Betreuer lacht. Drei Gruppen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten seien eingeteilt worden, aber letztlich liege es bei den Kindern, was sie tatsächlich machen wollen. „Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich da so viel Kreativität. Das ist doch toll!“ Ihm sei es wichtig, den Kindern in der Waldwoche die Natur näher zu bringen. „Mal weg von Smartphone und PC.“ Man merke deutlich, dass Eltern immer weniger Zeit mit ihrem Nachwuchs in der Natur verbringen. Die Waldwoche soll etwas Abhilfe schaffen, den Teilnehmern die Gelegenheit geben, den Wald zu entdecken.

Dass diesmal vor allem Hütten und Höhlen hoch im Kurs stehen, ist auch dem Wetter geschuldet. „Einige haben angefangen, einen Unterstand zu bauen, da wollte der Rest nachziehen“, sagt Dietmar Tinat. Das Wetter sei diesmal problematisch gewesen, habe manche Aktivitäten nicht zugelassen. „Am Mittwoch haben wir aufgrund des Wetters nur eine Notbetreuung angeboten.“ Obwohl der Reiterhof Akita der Gruppe für die Regentage Asyl in der Scheune angeboten hatte, zogen es die Kinder vor, im Wald zu bleiben. Ben, Nick, Aaron, Jakob und Sam etwa haben ihr Quartier so gut mit Moos abgedichtet, dass es tatsächlich trocken blieb. „Das Moos saugt das Wasser auf“, erläutern die Jungs. Sie haben fest vor, sich auch nach Ende der Ferienfreizeit an ihrem Unterschlupf zu treffen.

Mit einer Abschlussfeier geht die Awo-Walderlebniswoche nach fünf Tagen heute zu Ende. Viele der Kinder wissen schon jetzt, dass sie auch beim nächsten Mal dabei sind. „In den Herbstferien geht es wieder los, dann aber vielleicht mit einer begrenzten Teilnehmerzahl“, sagt Dietmar Tinat. Er müsse schauen, dass er genügend Betreuer findet.

VON LENA JOCHUM

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