Nachwuchs besteht den Praxistest

Kinder erleben beim Berufsfeuerwehrtag eine besondere Schicht

+
Aufräumen nach simuliertem Verkehrsunfall: Die Jugendlichen entfernen „ausgelaufene Betriebsstoffe“. Aus einem verrauchten Gebäude tragen die jungen Brandschützer eine Übungspuppe ins Freie.

Pünktlich um 18 Uhr beginnt für 22 Nachwuchsbrandschützer mit dem Berufsfeuerwehrtag eine 24-Stunden-Schicht in der Feuerwache an der Rodgaustraße mit simulierten Einsätzen.

Dietzenbach – Alle zwei Jahre vermittelt diese Ausbildung einen Einblick in den Alltag einer Berufsfeuerwehr. Kurz nach Dienstantritt schrillt die Alarmglocke und die Zentrale alarmiert zum ersten Einsatz. Die Türen der Spindräume öffnen sich im Sekundentakt, die Besatzung des Tanklöschfahrzeugs eilt in voller Montur in die Fahrzeughalle. An der Messenhäuser Straße brennt Unrat. Während der Einsatzfahrt muss der Angriffstrupp viele Handgriffe auf einmal machen. Die Atemluftflaschen und die dazugehörenden Masken müssen angelegt werden, dann fehlen noch Helm und Handschuhe. Gar nicht so einfach bei voller Fahrt, in jeder Kurve wirken Fliehkräfte und die Aufregung steigt. Die Brandbekämpfung funktioniert reibungslos, das Feuer ist schnell gelöscht.

Während das Fahrzeug in der Wache wieder einsatzbereit gemacht wird, ertönt der nächste Alarm. Eine Person – genauer, eine Rettungspuppe – ist bei einem Arbeitsunfall unter einer rund 500 Kilo schweren Metallplatte eingeklemmt worden. Mittels hydraulischen Hebekissen kann die schwere Last angehoben und der Patient aus seiner misslichen Lage befreit werden. Und dann muss auch noch eine Katze von einem Baum heruntergeholt werden.

Mit dem gemeinsamen Essen und einem Filmabend bekommt die Gruppe eine Verschnaufpause. Später aber folgt noch ein Hilfeleistungseinsatz. Mehrere Menschen werden in einem nahen Waldstück vermisst. Mit Lichtanhänger und Taschenlampen rücken alle verfügbaren Kräfte aus. „Das war total spannend“, sagt die elfjährige Leoni. „Es war stockdunkel und wir mussten eine verletzte Person sogar mit der Trage retten.“ Ein Verkehrsunfall mit zwei Pkw ruft die Retter am nächsten Morgen, nach der wohlverdienten Nachtruhe, auf den Plan. Während die Jugendlichen das auf der Seite liegende Fahrzeug im Graben stabilisieren und die Frontscheibe aufschneiden, um das eingeschlossene Kind zu befreien, muss beim zweiten Auto der Brand im Motorraum gelöscht werden. Derweil machen sich andere bereit, mit dem Spreizer und der Rettungsschere die Tür zu öffnen, um Zugang zum Eingeklemmten zu bekommen.

Zwischen den Einsätzen stehen neben Freizeit auch theoretische Unterrichtseinheiten wie Fahrzeugkunde auf dem Programm. Am Vormittag rücken die Löschfahrzeuge zu einem simulierten Wohnungsbrand aus und das Hilfeleistungslöschfahrzeug wird zu einem Gefahrguteinsatz gerufen. Gelbe Flüssigkeit läuft aus einem Tank und muss aufgefangen werden. Mit spezieller Schutzausrüstung machen sich die Einsatzkräfte daran, das Leck im Tank zu schließen. Für eine „Personenrettung“ bei einem Arbeitsunfall in einer Scheune wird die Drehleiter benötigt. Die Besatzung des Fahrzeugs – die zwölfjährige Despina und ihre vierzehnjährige Kameradin Tamara – entscheidet sich dafür, die Rettungstrage am Korb anzubringen, um so den Verunglückten sicher vom Speicher ins Freie zu bekommen.

„Bis jetzt sind alle Einsätze gut abgelaufen“, lobt Jugendleiter Max Bayerlein. Zum großen Finale werden die Jugendlichen zu einem Brand in einer Lagerhalle alarmiert. Eine Übungspuppe wird schließlich gefunden und herausgetragen. Im ersten Geschoss aber ist noch ein Kind eingeschlossen. Die Drehleiter kommt erneut zum Einsatz und der Korb wird an das Fenster manövriert, hinter dem das Kinderfeuerwehrmitglied Emily auf die Rettung wartet. Auf die erlernten Handgriffe fokussiert und unter den wachsamen Blicken der Jugendleiter bringen die Nachwuchsretter den Brand schnell unter Kontrolle und retten Emily sicher aus dem Gebäude. „Das war voll aufregend“, sagt die Neunjährige. Anstatt Angst habe sie eher Spaß an allem gehabt, verrät sie.

Nach 24 aufregenden Stunden mit realitätsnahen Szenarien zeigt sich Einsatzleiter Max Bayerlein mit der Leistung des Feuerwehrnachwuchses durchaus zufrieden. „Die Handgriffe sitzen und sie haben alle Einsätze gut gemeistert.“ Auch Jugendfeuerwehrwart Fabian Flößer zieht eine positive Bilanz: „Sie haben ihren Job wirklich gut gemacht und so ein Wochenende schweißt alle enger zusammen.“

VON SASCHA DREGER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare