Infoveranstaltung

Mehrgenerationenwohnen in Dietzenbach: Gefragtes Wohnkonzept

Eine Infoveranstaltung zum Mehrgenerationenwohnen hat viele Besucher in die Räume der Firma Controlware gelockt. Bis die Kauf- und Mietpreise stehen, dauert es noch etwas.

Dietzenbach – Das Interesse am Thema Mehrgenerationenhaus ist groß, der Konferenzraum der Firma Controlware füllte sich schnell. Mitglieder der Familie des Unternehmers Helmut Wörner und Gesamtleiter Philipp König stellten das Wohnprojekt vor, das in Dietzenbach gerade entsteht. Zu Beginn betont König, es handele sich um keine Verkaufs-, sondern um eine reine Informationsveranstaltung. Dennoch geht es zuweilen schon ähnlich ins Detail wie bei Verhandlungen. Ein Mann will wissen, warum die Balkone relativ klein geplant seien. König erklärt, das hänge mit der Grundidee zusammen, dass zwar jeder die Türe hinter sich zuziehen könne, um gänzlich ungestört zu sein. Eine Rolle spiele jedoch auch die Intention, die Gemeinschaftsräume und den gemeinsamen Garten in den Mittelpunkt zu stellen.

Hinter der Idee des Mehrgenerationenhauses, das gerade an der Bertha-von-Suttner-Weg entsteht, steckt Helmut Wörner. Der Ingenieur gründete 1980 in Götzenhain das Unternehmen Controlware GmbH Kommunikationssysteme. Der Netzwerk-Serviceleister beschäftigt mittlerweile an verschiedenen Standorten rund 800 Angestellte. Auf das Thema Mehrgenerationenhaus kam Wörner aus persönlichen Gründen. Am Rande erzählt dessen Sohn Fabian Wörner, wie es für seine Eltern trotz der vielen Arbeit im eigenen Betrieb einst nicht in Frage kam, die Großeltern in ein Altersheim zu stecken. „Ein Opa wohnte bei uns 20 Jahre, eine Oma 15 Jahre“, erinnert sich der 42-Jährige an drei Generationen zu Hause. Heute lebe seine Schwester mit ihrer Familie Tür an Tür mit den Eltern.

Aus gesundheitlichen Gründen kann Helmut Wörner seine Idee nicht mehr umsetzen. Das übernimmt die Familie. Ehefrau Dörte Wörner erklärt etwa, von einem Lüftungssystem in den Wohnungen nicht viel zu halten. Sie bevorzuge das klassische Fensteröffnen, „alles andere ist wartungsintensiv“. Außerdem ziehe sie es vor, die Mülltonnen nicht in den Keller zu stellen, „stattdessen draußen in einer abschließbaren Box“. Aus Erfahrung in anderen Häusern der Familie wisse sie, dass Mülltrennung nur in der Theorie funktioniere.

Am Ende werden 33 Wohnungen in drei Bauten entstehen, jeweils mit einer Brücke miteinander verbunden, die als Wintergärten und Gemeinschaftsräume dienen. Das Konzept des Mehrgenerationenhauses steht quasi als Gegenrede zu den Sozialbauten à la Gropiusstadt oder Spessartviertel aus den 60er und 70er Jahren, gebaut im architektonischen Stil des Brutalismus. In den Wohnwaben fällt es leicht, auch im Todesfall über Monate von niemandem vermisst zu werden. In einem Mehrgenerationenhaus kennt jeder jeden. Eine Rentnerin kann zumindest hin und wieder die Rolle der Großmutter übernehmen und Nachwuchs aus dem Haus zum Kindergarten bringen. Fahren die Eltern zum Großeinkauf in den Supermarkt, nehmen sie von der Leihgroßmutter Bestellungen auf. Ein weiteres Beispiel: Im Mehrgenerationenhaus in Offenbach feiern die Bewohner nicht nur regelmäßig Feste, bei großen Fußballturnieren bibbern sie auch gemeinsam im Garten vor dem Fernseher.

Die Idee funktioniert jedoch nur, wenn die Bewohner zueinander passen. Darauf angesprochen, wer den Vorzug bekomme, eine der elf Eigentumswohnungen zu kaufen oder in eine der 22 Mietwohnungen einzuziehen, erklärt König, es gebe seitens des Bauherrn Entscheidungskriterien, was die Durchmischung der Einwohnerschaft betrifft, die sich 21 Zweizimmerwohnungen, neun mal Dreizimmer- und drei Vierzimmerwohnungen teilen werden. Über irgendwelche Kauf- und Mietpreise kann König voraussichtlich im Spätsommer etwas sagen, „der soziale Aspekt wird natürlich eine Rolle spielen“.

VON STEFAN MANGOLD

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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